Kräftiger Anstieg der Firmenpleiten und Schulden

Kräftiger Anstieg der Firmenpleiten und Schulden

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im 1. Halbjahr 2016 um fast fünf Prozent gestiegen. Einen massiven Zuwachs gibt es bei den Schulden der Pleite gegangenen Unternehmen. Nach Einschätzung vom Kreditschutzverband KSV1870 werden die Firmenpleiten "mäßig" zunehmen.

Wien. In Österreich ist die Zahl der Firmeninsolvenzen wieder gestiegen. Im 1. Halbjahr 2016 wurden 2.652 Unternehmen insolvent, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum eine Steigerung von 4,8 Prozent bedeutet.

Mit 1.625 Fällen (plus 6,9 Prozent) sind deutlich mehr Insolvenzverfahren eröffnet worden als (mangels Vermögens) abgewiesen wurden. Einen massiven Anstieg wird bei den Schulden verzeichnet - um satte 115 Prozent wurden die Schulden auf 1,785 Mrd. Euro. verdoppelt. Die Zahl der von eröffneten Insolvenzverfahren betroffenen Dienstnehmer stagniert bei 9.500. Die Zahl der Nicht-Eröffnungen beläuft sich auf „nur“ 1.027 Fälle und ist somit im Vergleich des Vorjahreshalbjahres um 1,3 Prozent angestiegen.

Die Verdopplung der Insolvenzverbindlichkeiten sei im Wesentlichen auf drei Pleitefälle zurückführen (siehe Grafik, u.) und ist somit "kein Massenphänomen", meint Hans-Georg Kantner, KSV1870 Leiter Insolvenz. Zwei der drei Pleitefirmen sind demnach reine Holdinggesellschaften (Activ Solar und Slav) und den Brüdern Kliujev zuzurechnen. Der Fall CBA (vormals Concord Card Casino) ist laut KSV1870 im Wesentlichen durch steuerliche Forderungen von deutlich über 300 Millionen Euro bestimmt, die sich aus der strittigen Einordnung der in den Casinos veranstalteten Spiele nach dem österreichischen Glückspielgesetz herleiten.

Trotz des Anstiegs der Firmenpleiten um 4,8 Prozent sei dies noch "kein Alarmsignal". KSV-Insolvenzexperte Kantner räumt allerdings ein, dass es nicht nur mehr Insolvenzen gibt, sondern dies Anzahl der Firmenpleiten auch wieder ansteigen wird. "Die Talsohle der rückläufigen Insolvenzentwicklung wurde letztes Jahr durchschritten", so Kantner. Es sei daher wieder mit steigenden Zahlen zu rechnen.

Für das gesamte Jahr 2016 rechnet der KSV mit einem "mäßigen Anstieg" über dem Wert von 2015 bei den Firmeninsolvenzen. Im Jahr 2015 waren 5150 Unternehmen in die Insolvenz geschlittert - was einem Rückgang von fünf Prozent gegenüber dem Jahr 2014 entsprochen hatte.

Bei den Nicht-Eröffnungen mangels Vermögens („Abweisungen“) rechnet der KSV1870 im zweiten Halbjahr 2016 mit einem "relativen Absinken".

Massiver Anstieg der Abweisungen

Aus Sicht des KSV1870 ist der Komplex der mangels Vermögens nicht eröffneten Verfahren in den vergangenen Jahren deutlich entschärft worden und auch im Jahr 2016 alles andere als dramatisch oder besorgniserregend.

Sollte jedoch auch die Zahl der Abweisungen von Insolvenzen mangels Vermögens vollkommen abgeschafft werden, müsse es laut KSV1870 zu einem "größeren Konsens zwischen Justiz und Wirtschaft" kommen. Die Folgen davon wären weit mehr Insolvenzverfahren, die eine zusätzliche Belastung der Gerichte bringen würde.

Natürliche Personen würden somit sofort in Insolvenzverfahren kommen, wodurch ihnen auch sofort die Weichen zu einer Restschuldbefreiung geöffnet würden. Juristische Personen würden rasch und sauber liquidiert werden, was laut KSV1870 für "die Hygiene der Wirtschaft" von Vorteil wäre.

Der Brexit: Mehr Verlierer als Gewinner

Der Austritt Großbritanniens aus der EU würde mehr Verlierer als Gewinner haben. Ein Brexit würde Umwälzungen, aber auch Wohlstandsverlust oder zumindest ein deutlich gemindertes Wachstum des Wohlstandes in der EU zur Folge haben.

"Einen direkten Einfluss auf das Insolvenzgeschehen Österreichs können wir heute noch nicht erkennen", sagt Insolvenzexperte Kantner.

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