Firmeninsolvenzen: Immer mehr Jobs gefährdet

Firmeninsolvenzen: Immer mehr Jobs gefährdet
Firmeninsolvenzen: Immer mehr Jobs gefährdet

Die Pleite der Activ Solar verzerrt mit Verbindlichkeiten von einer halben Milliarde Euro die Insolvenzstatistik des ersten Quartals.

Die Zahl der Unternehmenspleiten im ersten Quartal ist um 12 Prozent angestiegen. Schwerwiegend ist, dass von den Insolvenzen viele Dienstnehmer betroffen waren. Ihre Zahl ist um 38 Prozent auf 6.200 gestiegen.

Kein guter Start in das neue Kalenderjahr: Im ersten Quartal 2016 gab es dem Gläubigerschutzverband KSV1870 zufolge wieder mehr Firmeninsolvenzen gegeben als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Hochgerechnet gab es insgesamt 1.356 Pleiten (plus 7 Prozent), wovon 850 Insolvenzen (plus 12 Prozent) eröffnet wurden. Eklatant ist der Anstieg der betroffenen Dienstnehmer um fast 38 Prozent von 4.500 auf 6.200.

KSV1870 Insolvenzexperte Hans Georg Kantner findet vor allem die gestiegene Zahl der gefährdeten Dienstnehmer als "ganz und gar nicht erfreulich". Besonders in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit sei zu hoffen, dass zumindest ein Teil der betroffenen Jobs erhalten werden kann, so Kantner

Erfreulich sei hingegen,dass sich die nicht eröffneten Insolvenzverfahren weiter auf eher niedrigem Niveau halten. Die Eröffnung einer Insolvenz beende schließlich oft "ein jahrelanges Siechtum und bietet die Chance zur Sanierung".

Bundesländer-Ergebnisse

In den Bundesländern fällt die Entwicklung unterschiedlich aus. In Salzburg ist der Anstieg um mehr als 65 Prozent vor allem kleinen und kleinsten Fällen geschuldet, es handelt sich dabei um einen Aufholeffekt in dieser Unternehmenskategorie. Ein ähnlicher Trend zu kleinen Insolvenzfällen ist in Niederösterreich zu verzeichnen, wo die Passiva mit EUR 40 Millionen etwas mehr als die Hälfte des Vergleichszeitraums 2015 betragen. Nahezu ein Viertel der ohnehin schon vergleichbar geringen Passiva entfällt auf einen einzigen Insolvenzfall, das Sanierungsverfahren der Franz Bamberger GmbH.

Gleiches gilt auch für das Burgenland, wo die Hälfte der Gesamtpassiva einem einzigen Fall, nämlich der Insolvenz VRL Thermensuiten GmbH zuzuordnen ist. In Tirol ist ein gewisser Nachholeffekt zu verzeichnen, nachdem sich die Anzahl der Verfahren in den Jahren bis 2014 auf einem eher geringen Niveau befunden hatte.

Verzerrt ist heuer nach drei Monaten die Summe der geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten. Diese ist von knapp 320 Millionen Euro im ersten Quartal 2015 auf nun 1,2 Milliarden Euro explodiert. "Das ist der Pleite zweier reiner Holdinggesellschaften geschuldet", so Kantner. Hier geht es um die Firmen Activ Solar (500 Millionen Euro) und Slav Handel (113 Millionen Euro) mit Verbindlichkeiten in der Ukraine.

Ein Rückgang der Pleiten ist laut KSV1870 mittelfristig nicht zu erwarten. Unwahrscheinlich ist auch ein eklatanter Anstieg der Insolvenzen. "Derzeit könnten sich wegen der niedrigen Zinsen viele überschuldete Unternehmen noch über Wasser halten", so Kantner.

Privatkonkurse bleiben auf hohem Niveau

Kaum eine Veränderung gibt es hingegen bei der Zahl der Privatkonkurse: Ihre Zahl ging nur geringfügig von 2.178 auf 2.118 Verfahren zurück. Die Zahl der Verbindlichkeiten sank um zehn Millionen Euro auf 229 Millionen Euro.

Salzburg und Kärnten stechen bei den Privatkonkursen hervor. In Salzburg zeigt sich, dass eine vorübergehend schwächere Besetzung der Schuldnerberatungen nun wieder kompensiert werden konnte, was zu einem Anstieg der Verfahren um 25 % geführt hat. In Kärnten ist ein gegenteiliger Trend zu beobachten, was zum Teil mit der schwachen Entwicklung am Arbeitsmarkt zusammenhängt. Ein wesentlicher Grund ist im Bereich der Schuldnerberatung zu finden: Einige Außenstellen in Kärnten wurden geschlossen und auf Sprechtage reduziert.

Mehr Informationen zu aktuellen Insolvenzen finden Sie auf der Seite des KSV1870.

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