Die Zukunft der Autohersteller ist düster

Die Zukunft der Autohersteller ist düster

Schwierge Zukunft: Die Margen der Autohersteller haben sich in nur einem Jahr im Schnitt halbiert.

Die Absatzzahlen, vor allem manch deutscher Hersteller, sinken und die Investitionen steigen. Die Folge: Die Erträge schmelzen, ebenso die Marktkapitalisierung der Autohersteller an den Börsen. Wie sehr die Hersteller im Detail in der Zwickmühle zwischen Transformation und Kostendruck stecken und wer die Situation am besten meistert.

Die Autohersteller geraten immer mehr in den Strudel des automobilen Umbruchs. Solange die Hersteller Zuwächse bei den Neuzulassungen erzielen, ist oder war die Welt für viele von ihnen noch halbwegs im Lot. Doch jetzt brechen die Neuzulassungen weg. Beim einen noch moderat, beim anderen stark. Aber nur wer gute Gewinne schreibt, wird die hohen Investitionen, die auch in den nächsten Jahren für Zukunftstechnologien wie E-Mobilität, autonomes Fahren oder Mobilitätsdienste nötig sind, stemmen können.

Tesla bremst alle aus
Doch nun beginnt sich nach Jahren solider Zuwächse bei den Autokäufen das Blatt zu wenden. Die Absatzzahlen der 18 globalen Automobilhersteller gehen mitunter deutlich zurück. Im ersten Quartal schrumpfte der Absatz weltweit im Durchschnitt um 5,5 Prozent auf 19,1 Millionen Neuwagen. Nur wenige Hersteller wie Toyota (+0,3%), Hyundai (+3,5%), BMW (+0,1%) oder Tesla (+110%) konnten sich dem Negativtrend entziehen.

Deutschland produziert um 13 Prozent weniger Autos – Trendwende nicht in Sicht
Am stärksten von Absatzrückgängen betroffen war im ersten Quartal 2019 Ford mit minus 14,3 Prozent. Bei General Motors betrug der Rückgang 10,4 Prozent. Ebenfalls kräftig erwischt hat es die erfolgsverwöhnte Marke Volkswagen. Die Deutschen mussten ein Minus von 6,7 Prozent hinnehmen.
Im zweiten Quartal verstärkt sich dieser Trend sogar. In Deutschland sank die Autoproduktion zwischen April und Juni um 13,4 Prozent nach einem Minus von 10 Prozent in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres. Bereits 2018 wurden um 9,3 Prozent weniger Autos produziert. Eine schnelle Trendwende wird wegen des ungelösten Handelskonflikts und dem bevorstehenden Brexit nach Ansicht von CAM-Studienleiter, Stefan Bratzel, der mit seinem Team, die Ertragssituation der Autobauer untersuchte, nicht zu erwarten. Nach einer aktuellen Prognose der Autoexperten schrumpft der Autoabsatz 2019 um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Daimler, VW und Toyota noch mit höheren Renditen
Aber nicht alle trifft das derzeit schwache Umfeld der Branche so stark. Daimler, Toyota, GM und Volkswagen erreichen dank Kostensparprogrammen noch Margen zwischen 7,1 und 6,4 Prozent.

Margen von 6 auf 3,4 Prozent zurückgegangen
Insgesamt drücken Absatzeinbrüche und hohe Investitionen aber massiv auf die Renditen der Automobilhersteller. Im ersten Quartal 2019 sank die EBIT-Marge der 18 globalen Automobilkonzerne im Schnitt auf nur noch 3,4 Prozent nach 5,3 Prozent in 2018 und über 6 Prozent 2017 (jeweils 1. Quartal).

BMW, Honda, Nissan: Marge unter drei Prozent
Besonders niedrig sind die Margen bei BMW, Honda oder Nissan. Bei diesen liegen die Margen bereits deutlich unter drei Prozent. Besonders tief war der Fall innerhalb nur eines Jahres bei BMW. Anfang 2018 betrug die Konzern-Ebit-Marge noch zwölf Prozent. Deutlich weniger verdient heuer auch Suzuki und Subaru. Auch Mazda und Honda haben kämpfen auf niedrigerem Niveau mit empfindlichen Rückgängen beim Ertrag. Sowohl die Renditen als auch die Gewinne bei den meisten Herstellern werden sich in den nächsten Jahren auf einem niedrigeren Niveau einpendeln (siehe Grafik) prognostiziert Bratzel. D

Fast alle Hersteller mussten im vergangenen Jahr mit Rückgängen bei der Gewinn-Marge kämpfen. Besonders heftig hat es BMW, Suzuki und Nissan erwischt. Telsa ist überhaupt meilenweit von einer positiven Ebit-Marge (in Prozent vom Umsatz) entfernt.

Renditekiller Elektroauto
Gleichzeitig werden durch den Absatz von Elektrofahrzeugen zunächst deutlich geringere Renditen erwirtschaftet werden als mit dem Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, nennt Bratzel ein weitere Problemzone der Hersteller.

Marktkapitalisierung um bis zu 24 Prozent geschrumpft - Daimler am stärksten unter Druck
Den Spagat den Autohersteller nun zwischen hohen Investitionen und sinkender Nachfrage bewältigen müssen, sehen auch Anleger kritisch. Innerhalb eines Jahres (gemessen am jeweils ersten Quartal) ist die Marktkapitalisierung aller 18 globalen Automobilhersteller um neun Prozent auf nur noch rund 670 Milliarden Euro gesunken. Überdurchschnittlich zurück ging der Börsenwert der deutschen Automobilhersteller Hersteller Daimler (-24%), BMW (-20%) und Volkswagen (-12%).

Mobilitätsdienstleister Uber schlägt Daimler an der Börse um Längen

Aktuell notiert Daimler nur noch bei 52 Milliarden Euro und BMW bei 42 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Neue Wettbewerber wie der Mobilitätsdienstleister Uber sind mit einer Marktkapitalisierung von 68 Milliarden Euro und die Google Muttergesellschaft Alphabet mit 629 Milliarden Euro bewertet.


Kampf zweier Welten: Autohersteller gegen Mobilitätsdienstleister und digitale Player


Google & Co definieren neue Spielregeln für die Autobranche
Die Automobilhersteller müssen dennoch die enormen Investitionen in neue Technologien und Geschäftsmodelle wie Elektromobilität, Mobilitätsdienstleistungen und autonomes Fahren aufrecht erhalten, um zukunftsfähig zu bleiben. "Dabei müssen sie sich gegen neue Wettbewerber bewähren, die im Bereich E-Mobilität und der Mobilitätsdienstleister zu Konkurrenten werden", so der Autoprofessor. Diese neuen Player dringen mit Plattformen, Daten- und Software-Kompetenzen derzeit mit Macht in die Welt der Automobilkonzerne ein und definieren damit auch neue Spielregeln für die Branche.

Studienleiter Stefan Bratzel: „Die Transformation der Automobilindustrie entwickelt sich zunehmend zu einem Kampf der Welten zwischen den etablierten Autoherstellern, neuen Mobilitätsdienstleistern und großen Digital Playern.“ Wie sehr diese am Geschäftsmodell der etablierten Autohersteller zehren werden und diesen damit zusetzen, ist noch völlig offen. Das Risiko, durch stärkeren Wettbewerb, sinkender Nachfrage und hohen Investitionen, so manchem selbst großen Autohersteller in die Krise stürzen zu können, ist jedenfalls vorhanden.

Christian Schneider, Digitalchef bei FCA

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