Zug-/Busausfälle und Verspätungen: So kriegen Sie Entschädigung

Über 250 Züge sind heute in Österreich verspätet gewesen oder ganz ausgefallen. Dafür kann man als betroffener Passagier Verständnis haben und die Unannehmlichkeiten einfach hinnehmen – muss man aber nicht. Ab wann Ihnen bei Verspätungen und Annullierungen von Bus- und Bahnfahrten Ansprüche auf Entschädigung zustehen. Was Jahreskartenbesitzer beachten sollten, welche Fristen für das Einreichen von Beschwerden gelten und welche Profis gratis helfen, wenn das Unternehmen nicht zahlen will.

Zug-/Busausfälle und Verspätungen: So kriegen Sie Entschädigung

Warten auf den Bus - aber kommt nicht. Dafür gibt es Geld retour. Allerdings nur in wenigen Fällen. Besser stehen die Chancen bei der Bahn.

Die erste Woche im Juli hat für viele nicht gut begonnen. Vor allem für diejenigen, die nicht in den Urlaub, sondern zur Arbeit gefahren sind. Denn bereits frühmorgens wurde am Montag in Österreich kräftig gestreikt. Viele ÖBB-Bedienstete haben die Arbeit niedergelegt. Sie alle demonstrieren gegen eine neue, flexiblere Arbeitszeitregelung und damit gegen die Möglichkeit bei Bedarf auch mal 12-Stunden am Tag arbeiten zu müssen. Deshalb wurde in 40 Postbusdienststellen der ÖBB Betriebsversammlungen abgehalten. Auch beim ÖBB-Zugverkehr ist es dadurch zu erheblichen Verspätungen gekommen.

So fielen auf der Strecke Salzburg–Wien über mehrere Stunden sämtliche RailJet-Verbindungen aus. Stark betroffen war der öffentliche Verkehr auch in Graz, und im Raum Wien der S-Bahn-Verkehr. Aber auch viele andere Gebiete waren betroffen.

Der Zentralbetriebsrat der ÖBB schreibt dazu: „Wir bitten unsere Fahrgäste um Verständnis dafür, dass es am Montag zu Verspätungen kommt.“ Kann man als betroffener Passagier haben, muss man aber nicht. Wer für langes Warten auf den Bus oder die Bahn zumindest eine Entschädigung haben möchte, sollte folgendes Wissen und Tun:

Wann es bei Ausfällen und Verspätungen der Bahn, Entschädigung gibt

Voraussetzung um von der ÖBB eine Entschädigung für eine Verspätung zu erhalten, ist, dass die Bahn um mehr als 60 Minuten zu spät kommt. Bei einer Verspätung von mehr als einer Stunde haben Fahrgäste Anspruch auf Mahlzeiten und Erfrischungen in einem angemessenen Verhältnis, sofern vor Ort vorhanden und möglich. "Eine Beschränkung für wie viel Kilometer das Ticket gilt, um eine Entschädigung zu bekommen, gibt es nicht", so Sabrina Köcher von der Agentur für Passagier und Fahrgastrechte (apf).
Passagiere können den Preis für die nicht in Anspruch genommene Strecke gebührenfrei rückerstattet bekommen. Auch die gesamte Strecke kann rückerstattet werden, wenn die Fahrt aufgrund der Verspätung sinnlos wird.

Züge gelten jedoch nicht sofort als verspätet. Die meisten österreichischen und europäischen Bahnunternehmen messen eine Verspätung erst ab einer gewissen Dauer der Verspätung. Bei der ÖBB spricht man von einer Verspätung, wenn diese länger als 5 Minuten und 29 Sekunden dauert.

Entschädigung für Einzelfahrkarten

Für eine einfache Fahrt (Einzelfahrscheine) werden in Österreich nur Verspätungen in den Zügen des Fernverkehrs entschädigt. Ob ein Zug dem Regional- oder Fernverkehr angehört, ist anhand der Zuggattung ersichtlich. Beispiele für Fernverkehrszüge sind etwa railjet (rj), Intercity-Express (ICE), WESTbahn (WB) oder EuroNight (EN).

Geltungsdauer der Fahrkarte verlängert sich

Wenn der Zug mehr als eine Stunde verspätet ist oder annulliert wird, kann die Reise auch auf einen späteren Zeitpunkt (innerhalb eines angemessenen Zeitraumes) verschoben werden. Zusätzlich verlängert sich die Geltungsdauer der Fahrkarte. Das Ticket kann auch für alternative Beförderungswege gut geschrieben werden. Das trifft beispielsweise bei zuggebundenen Bahntickets wie den "Sparschiene-Tickets" zu.

Anschlusszug verpasst? Geld für das Taxi und Hotelübernachtung

Wer durch die Verspätung oder einen (teilsweisen) Zugausfall den Anschlusszug verpasst, hat Anspruch auf Entschädigung. Dieser ist auch gegeben, wenn Züge verschiedener Bahnunternehmen, aber mit einem einzigen Beförderungsvertrag genutzt werden. Wer etwa am Abend wegen eines Bus- oder Bahnstreiks den letzten Anschlusszug verpasst, kann zudem auf Kosten des betreffenden Bahn- oder Busunternehmens das Geld für ein Taxi, etwa zum nächsten Hotel, zurückfordern. Auch Geld für eine Übernachtung gibt es in diesem Fall. Im Nah- und Regionalverkehr beträgt der dafür festgelegte Höchstbetrag für eine Hotelübernachtung 80 Euro pro Person und für eine Taxifahrt 50 Euro pro Person. Die Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte (apf) empfiehlt jedoch, sich bevor man ein Taxi besteigt oder ein Hotel bucht, an das jeweilige Unternehmen, bei dem man das Ticket gekauft hat, zu wenden. Die Agentur ist die offizielle Beschwerdestelle des Verkehrsministeriums und darauf spezialisiert, Fahrgastrechte durchzusetzen. Das Service ist gratis.

Auch Jahreskartenbesitzer haben ein Recht auf Entschädigung

Passagiere, die eine Jahreskarte besitzen, können in bestimmten Fällen ebenfalls Anspruch auf Entschädigung geltend machen. Allerdings nur, wenn sich Verspätungen häufen. Mit Ausnahme für Jahreskarten für den Stadtverkehr, dafür sind Entschädigungen grundsätzlich nicht vorgesehen. Bei Verspätungen im Regionalverkehr hat man Anspruch auf Entschädigung , sofern die ÖBB weniger als in 95 Prozent der Zeit pünktlich war. Die Westbahn, die nur im Fernverkehr tätig ist, legt ihren Pünktlichkeitsgrad selbst fest. Derzeit müssen 91,01 Prozent der Fahrten planmäßig erfolgen, andernfalls hat man auch dort ein Recht darauf Geld zurückzufordern.

Bis zu 50 Prozent des Geldes retour

Bei einer Einzelfahrkarten in Fernverkehrszügen hat der Reisende Anspruch auf Entschädigung in der Höhe von 25 Prozent des Ticketpreises, wenn dieser mehr als 60 Minuten verspätet am Zielbahnhof ankommt. Bei einer Verspätung von mehr als 120 Minuten besteht bereits ein Anspruch auf 50 Prozent der einfachen Ticketkosten. Darüber hinausgehende Verspätungen werden nicht gesondert berücksichtigt, man erhält also mit einer Verspätung von vier Stunden dieselbe Entschädigung wie mit einer Verspätung von zwei Stunden.

Welches Unternehmen die Entschädigung zahlen muss

Für die Auszahlung von Entschädigungen für entstandene Verspätungen ist immer das Unternehmen zuständig, das das Ticket verkauft hat. Seit einer Entscheidung der Schienen-Control Kommission bestehen für sämtliche Teilleistungen einer Beförderung, also auch für Wochen- und Monatskarten Ansprüche auf Entschädigung.

Wenn sich der Bus verspätet oder ganz ausfällt - geringere Rechte als bei Bahnreisen

Um für eine Verspätung oder den Ausfall eins Busses eine Entschädigung zu bekommen, sind die gesetzlichen Hürden besonders hoch. "Deshalb betrifft der Großteil der Beschwerden, die bei uns eingehen, auch Flug und Zug", so Köcher von der Agentur für Passagier und Fahrgastrechte. Die besten Chancen Geld zu sehen, hat man, wenn die Strecke, die man mit dem Bus zurücklegt, mindestens 250 Kilometer lang ist. Obendrein muss es sich um einen Linienbus handeln und die reguläre Fahrzeit mindestens drei Stunden betragen. Kommt ein solcher Bus um mehr als 90 Minuten zu spät, hat man Anspruch auf Entschädigung.

Eine eingeschränkte Gültigkeit der Rechte von Busfahrgästen gilt, wenn die Strecke unter 250 Kilometer lang ist.


Eine Entschädigung für Verspätungen gibt es bei Linienfahrten von Bussen nicht

"Eine Entschädigung für Verspätungen gibt es auch bei Linienfahrten über 250 Kilometer nicht, sondern nur ein Recht auf Erstattung des Fahrpreises, wenn ab 120 Minuten Verspätung keine Wahlmöglichkeiten angeboten werden", so Köcher von apf. Einen Anspruch auf ein Hotel, sollte eine Übernachtung nötig sein, gibt es aber sehr wohl. Das Verschulden des Unternehmens vorausgesetzt.

Wird die Fahrt annulliert oder ist der Bus mehr als 90 Minuten verspätet ist und mehr als drei Stunden dauert, haben Fahrgäste ein Recht auf Mahlzeiten und Erfrischungen in einem angemessenen Verhältnis zur Wartezeit anzubieten.

Wie lange man für eine Beschwerde Zeit hat

Fahrgäste, die eine Beschwerde an ein Unternehmen richten wollen, müssen das binnen drei Monaten nach der tatsächlichen oder geplanten Beförderung tun. Das Unternehmen hat dann einen Monat Zeit, erstmals zu antworten und bekannt zu geben, ob es der Beschwerde stattgibt, sie ablehnt oder sie noch bearbeiten wird. Eine endgültige Antwort muss binnen drei Monaten nach Eingang der Beschwerde gegeben werden.

Die Experten der Beschwerde-Agentur im Verkehrsministerium empfehlen sich vom betreffenden Bus- und Bahnunternehmen eine Bestätigung über die Busverspätung oder den Busausfall ausstellen. Die apf stellt kostenlose Beschwerdeformulare zur Verfügung und vermittelt im Streitfall mit Busunternehmen oder Bahnhofsbetreiber.

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