VW Golf 8 - die letzte Generation einer Ikone?

VW Golf 8 - die letzte Generation einer Ikone?

VW Golf, der Achte: Design-Skizze der vielleicht letzten Generation des Kompaktwagen-Klassikers.

Am Donnerstag, den 24. Oktober 2019 feierte die achte Generation des VW Golf Weltpremiere. Nach 45 Jahren könnte es auch die letzte Generation des Kompaktwagen-Klassikers sein, denn Volkswagen hat sich voll der Elektromobilität und der ID-Modellreihe verschrieben. Einen E-Golf soll es nicht mehr geben.

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Die Präsentation des VW Golf 8


Vor 45 Jahren, im Juni 1974, begann in Wolfsburg ein neues Kapitel der Automobilgeschichte: Im Volkswagen-Werk lief die Produktion des "Golf" an, und der war für den Autohersteller nicht bloß irgendein neues Modell. Der Golf war für den damals schwer angeschlagenen VW-Konzern eine große Wette. Man hoffte, mit ihm an den Erfolg VW Käfers anschließen zu können.

Seit Ende der 1960er Jahre waren die Verkaufszahlen des "Käfer" immer weiter zurückgegangen. Daran konnten auch die aufgepimpte Modellvarienten 1500 und 1600 nichts ändern. Der Käfer war mit dem in die Jahre gekommenen Konzept des luftgekühlten Heckantriebs schlichtweg nicht mehr zeitgemäß.

Die Volkswagen-Ingenieure konnten damals nicht ahnen, wie sehr sie den Nerv der Zeit und den Geschmack der Kunden treffen würden. Mit dem Golf gelang ihnen das scheinbar unmögliche Kunststück, den Erfolg des Käfers sogar noch zu übertrumpfen. Mit mehr als 35 Millionen verkauften Exemplaren wurde der Golf über sieben Generationen zum meistverkauften Auto des VW-Konzerns und zur Ikone der Kompaktklasse.

Vorhang auf, Vorhang zu

Am Donnerstag, den 24. Oktober lüftet nun VW den Vorhang für die nächste, achte Generation des Bestsellers. Es könnte der letzte große Vorhang für das Auto sein, das ganze Generationen geprägt hat. Obwohl die Designer und Techniker mit der neuen Generation ganze Arbeit geleistet haben, um das Auto in die von Digitalisierung, Klimawandel und Elektromobilität geprägte Gegenwart zu bringen. Der Volkswagen-Konzern hat sich nämlich konsequent der Elektromobilität und seiner ID-Reihe verschrieben - Autos die ähnlich wie der Golf anno 1974 in ihrer Konstruktion auf einem völlig anderen Konzept aufbauen als alle Vorgänger.


Slideshow

VW Golf - Generationen eines Klassikers

Generationsübergreifend: Der VW Golf

VW Golf I (1974)

Von 1974 bis 1983 gebaut, über 6,99 Millionen Mal ausgeliefert - ein Design, das in Europa bis heute jeder kennt. In der Urversion noch ohne Kopfstützen, Sicherheitsgurte und sonstigem "Schnickschnack".

Generationsübergreifend: Der VW Golf

VW Golf Cabrio (1979)

Das erste Cabrio mit festem Überrollbügel. Es wurde bei Karmann in Osnabrück produziert und ist für sich ein Klassiker.


Bis Ende 2023 will Volkswagen knapp 44 Milliarden Euro in die Zukunftsthemen Elektromobilität, autonomes Fahren, neue Mobilitätsdienste und in die Digitalisierung seiner Fahrzeuge und Werke investieren. Alle Hoffnungen ruhen nun auf dem ID.3, dem neuen, vollelektrischen Kompaktwagen, für den seit Mai auch schon Vorbestellungen angenommen werden. Der ID.3 ist der programmierte Bestseller unter den 20 rein elektrisch angetriebenen Modellen, die der VW-Konzern bis 2025 auf den Markt bringen will. Und einen e-Golf wird da nicht mehr darunter sein.

Der VW ID.3 - kann er an den Erfolg des Golf anschließen?

Bis dahin wird jedoch noch viel Wasser die Aller hinunterfließen, und in der Zwischenzeit liegt es wieder einmal am Golf, dem Volkswagen-Konzern die Transformation abzusichern und zu finanzieren. Noch gehört der Golf mit Verbrennungsmotor zu den wichtigsten Fahrzeugen von VW. Noch, denn der SUV-Boom hat den Golf in der Gunst der Käufer zurückfallen lassen. Auf Rang eins der meistverkauften Fahrzeuge mit dem VW-Logo lag im vergangenen Jahr mit 861.000 Einheiten der SUV Tiguan, gefolgt vom Kleinwagen Polo und dessen chinesischem Bruder Virtus, die zusammen auf 855.000 Exemplare kamen. Der Golf landete mit gut 800.000 Fahrzeugen auf Platz drei.

SUV statt Kompakt

Trotz Verkaufsrückgängen gehörte der Golf in Europa aber auch 2018 zu den meistverkauften Autos. Aber die SUVs haben selbst in der deutschen Zulassungsstatistik bereits die Kompaktwagen abgelöst. Im August rückten SUVs mit einem Anteil von 22,2 Prozent erstmals an die Spitze der Zulassungsstatistik. Die Golf-Klasse kam nur noch auf 18,9 Prozent. "Der Mythos Golf verblasst", sagt Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer. "Der einstige Bestseller hat längst nicht mehr die Bedeutung wie in früheren Jahren."

Die schwindende Bedeutung hatte VW in den vergangenen Jahren damit aufhalten wollen, dass man sich beim Design stärker an Premiumautobauern wie BMW und Daimler orientierte. Der Golf bekam auch immer mehr Zusatzausstattungen, die es sonst nur in höherpreisigen Wagen der Konkurrenz gibt. Tiefgreifende Änderungen wagte VW aber nicht. "Man muss etwas aufgreifen, ohne sich dabei zu wiederholen", beschrieb schon der frühere Designchef Walter de Silva das Kunststück, den Golf von Generation zu Generation weiterzuentwickeln, ohne dabei den Wiedererkennungswert zu verlieren.

Auch diesmal bleibt der Golf, nach dem eine ganze Generation benannt wurde, seiner Grundlinie treu, wirkt dabei flacher und damit sportlicher. Die größeren Veränderungen stecken im Inneren, wo die Elektronik immer mehr Aufgaben übernimmt. Der Neue soll mit Assistenzsystemen und digitaler Vernetzung im Massensegment Maßstäbe setzen und immer online sein. Die komplexen Systeme sind auch ein Grund dafür, dass bei der Entwicklung nicht alles rund lief.

Im April hatte der "Spiegel" berichtet, Deutschlands meistverkauftes Auto gehe nur mit abgespeckter Technik an den Start. "Der Golf 8 ist deutlich komplexer als sein Vorgänger", widersprach Produktionsvorstand Andreas Tostmann. "Trotzdem können wir die durchschnittliche Fertigungszeit um etwa eine Stunde reduzieren." Dadurch sinken die Kosten weiter. Wie der Golf 8 aussieht wissen wir spätestens am 24. Oktober. Ob es noch einen Nachfolger namens Golf geben wird steht in den Sternen. So oder so wird uns der Golf aber noch viele Jahre - vermutlich sogar Jahrzehnte - auf den Straßen begegnen.

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