Von der Mine bis zum Werk: VW macht Lieferkette öffentlich

Von der Mine bis zum Werk: VW macht Lieferkette öffentlich

Verantwortungsvolle Produkte herzustellen, beginnt nicht in der Fabrik, sondern bei der Gewinnung von Rohstoffen.

Der VW-Konzern macht erstmals die Lieferkette von einem Rohstoff öffentlich. Möglich ist das durch eine neue Blockchain-Technik. So soll für jeden die Lieferkette zugänglich sein und so transparent werden, wie ökologisch und sozial-verträglich Abbau und Recycling der Rohstoffe für Autoteile ablaufen. Was der Konzern noch plant.

Noch vor Jahren hat sich kaum jemand darüber Gedanken gemacht, ob die Handtasche, der Schmuck oder das Auto, welche er kauft, auch so produziert werden, dass die Umwelt so wenig wie möglich ausgebeutet werden und Mitarbeiter sozial verträglich behandelt werden. Doch die Welt ist im Wandel, Konsumenten werden kritischer. Nun gerät immer öfter Gewinnung und Abbau der Rohstoffe in den Fokus der Konsumenten. Produkte, deren Rohstoffe zweifelhafter oder nicht nachvollziehbarer Herkunft sind, haben es laut Experten daher vor allem langfristig schwer, Akzeptanz zu finden.

Blockchain erstellt Protokoll über die Lieferkette

Darauf reagiert nun auch der Volkswagen und setzt einen weiteren Schritt zu mehr Nachhaltigkeit. Der Autohersteller will nicht nur die Produktion in den Fabriken ökologisch und sozial vertretbar gestalten, sondern macht seit Anfang April die Lieferkette bis zum Ursprung des Rohstoffes für die Öffentlichkeit nachvollziehbar zu machen und so auch eine verantwortungsvolle Beschaffung forcieren. Wenn der Konzern auch betont, schon bisher darauf wert gelegt zu haben, dürfte die neue Transparenz auch die Entwicklung weiter treiben. Um das Vorhaben umzusetzen, kommt eine öffentliche Blockchain zum Einsatz. Damit werden Lieferprotokolle erstellt. Erster Schritt ist die Nachvollziehbarkeit der Lieferkette von Blei – vom Ursprung bis zur Fabrik. Ursprung bedeutet hierbei: Abbau oder Recycling. Gestartet wird es als Pilotprojekt mit Lieferanten und Sub-Lieferanten, die mehr als zwei Drittel des gesamten Konzernbedarfs an Blei, die in Starterbatterien enthalten sind, abdecken.


Ziel ist, Industrierohstoffe zu verwenden, die nachhaltig gewonnen werden und bei denen eine möglichst sozial- und umweltverträgliche Gewinnung gewährleistet ist.

So der Konzern in einem Statement.


Globale Lieferketten befinden sich in einem Transformationsprozess

Um die Lieferkette transparent zu machen, setzt der Konzern auf die Technologie von Blockchain-Spezialisten Minespider. „Globale Lieferketten befinden sich in einem Transformationsprozess“, sagt Nathan Williams, Chef von Minespider. „Unternehmen haben das Recht darauf, sicherstellen zu können, dass ihre Lieferanten verantwortungsbewusst agieren. Durch die Blockchain wird das garantiert.“


So funktioniert die Lieferkette vom Abbau des Bleis bis zur Anlieferung in der Fabrik:

So kommt das Blei in die VW-Fabriken: Von der Mine, über die Schmelze, zum Sublieferanten, bis zum Transport zum Zulieferer hin in die Fabrik.

So funktionieren die Blockchain-Protokolle
Bisher ist vielen die Blockchain-Technik im Zusammenhang mit Kryptowährungen bekannt. Nun sollen die damit erstellbaren Protokolle Einsicht in die Lieferkette des Rohstoffs Blei bieten. Der Vorteil gegenüber privaten Blockchains: Diese können dezentral verwendet werden und keine einzelne Einheit kann die Daten der Lieferkette steuern. Von Lieferanten über Sub-Lieferanten bis hin zu jenen, die unmittelbar für den Abbau oder das Recycling des Rohstoffs verantwortlich sind, können so alle auf einem System arbeiten, auch über verschiedene Lieferketten hinweg, ohne das geheime Firmendaten weitergeben werden.

Drei technische Ebenen
Denn die von Minespider entwickelte Lösung hat drei Informationsebenen. Auf der einen Ebene befinden sich die Informationen, die jeder sehen kann, auf der anderen nicht-öffentliche Firmendaten und eine dritte Ebene, diese dient der Verschlüsselung.

Digitalisierung als Initialzündung
Möglich wird diese Nachvollziehbarkeit der Lieferkette letztlich durch die neuen Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet. „Diese liefert eine Technologie, die den Weg von Mineralien und Rohstoffen entlang grenzüberschreitender Lieferketten immer detaillierter nachvollziehbarer machen“, so Marco Philippi, Leiter Strategie Konzernbeschaffung bei VW. „Zusammen mit Minespider werden wir die Blockchain-Technologie nutzen, um unsere Prozesse transparenter und sicherer machen.“

Das Pilotprojekt bei der Blei-Lieferkette soll laut VW auch dazu dienen, den Rahmen für eine breitere Zusammenarbeit abzustecken. So soll die Technologie bei weiteren Rohstoffen und den dazugehörigen Lieferketten angewendet werden.

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