Volvo greift mit veganem Polestar 2 den E-Autopionier Tesla an

Volvo greift mit veganem Polestar 2 den E-Autopionier Tesla an

Polestar-CEO Thomas Ingenlath präsentierte ein vollelektrisches Auto fast im Stile des einstigen Apple-Chef Steve Jobs.

Die Elektro-Automarke Polestar von Volvo hat sein zweites E-Auto-Modell präsentiert. Der Polestar 2 wird ab 2020 produziert und wird zunächst in neun Länder verkauft. Mit an Bord des angeblich an Reichweiten stärksten E-Autos der Welt ist Google. Der zum chinesischen Konzern Geely gehörenden Konzern will auch im Vertrieb neue Wege gehen.

Göteborg/Wien. E-Autobauer Polestar hat am Mittwoch der Weltöffentlichkeit sein erste Auto präsentiert, das vollelektrisch angetrieben wird. In den vergangenen Wochen hat das Unternehmen bereits mit ganzseitigen Zeitungsinseraten und Seitenhieben auf die "klassische Autoindustrie" geworben und Großes angekündigt. Die Präsentation von CEO Thomas Ingenlath ähnelte dabei stark an eine Produktpräsentation, wie Apple-Chef Steve Job einst seine Apple-Pretiosen in buntesten Bildern präsentiert hat und sich vom Auditorium das Raunen abholte. Ingenlath wurde bei der Präsentation immer wieder mit Jubel und Applaus begleitet, wie man dies eigentlich nur von Produktpräsentationen in Kalifornien kennt. So wurde auch tief in die Trickkiste gegriffen. Zuweilen war nicht mehr ganz klar, ob das Unternehmen nun einen Computer, ein neues Auto, Elektronik oder ein Auto mit angeschlossenem, neuesten Computer und Elektronik präsentiert. Eine Show.

Polestar 2 Präsentation [Video]

Der deutsche Polestar-Chef, von Haus aus Designer und seit 2017 CEO der Volvo-Marke, eiferte in seiner Show auch dem E-Auto-Pionier Tesla nach. Dessen CEO und Gründer hat seine E-Autos bisher auch unter dem Applaus seiner Fans immer mit großer Medienshow präsentiert.

Nur: Einen wesentlichen Unterschied gibt es zu Apples-Story vergangener Tage: Polestar 2 wird erst im Jahr 2020 gebaut. Der Kunde muss also noch warten. Und das Auto kostet freilich einiges mehr als Produkte von Apple. Ab 39.500 Euro ist das vollelektronische Auto in der billigsten Version erhältlich, an dem die Designer nun drei Jahre gewerkt haben. Die Show-Version kostet immerhin schon 59.000 Euro.

Unter der Haube hat das Auto zwei Elektromotoren. Das allradgetriebene E-Auto mit Platz für fünf Personen bringt es mit dem 78 kWh Akku auf eine Leistung von 300 kW (408 PS). In 4,7 Sekunden soll das Auto von null auf hundert Stundenkilometer beschleunigen.

CEO Ingenlath verspricht freilich die hohe Sicherheit, für die Volvo von jeher steht. Der mittlerweile im Besitz des chinesischen Autokonzerns Geely befindliche Hersteller rühmt sich leichtestes Material für den Viertürer zu verbauen, gleichzeitig etwa mit neuen Airbags auch für die höchste Sicherheit der Insassen zu sorgen.

Polestar 2 [Slideshow]

Und auch beim Interieur hat sich die Volvo-Marke besonderes einfallen lassen. So wird das Autointerieur des im Premium-Segment angesiedelten E-Autos mit der Kunstfaser Weave Tech verarbeitet. "100 Prozent vegan", verspricht CEO Ingenlath, um gleich noch weitere Vorzüge des verbauten Materials zu präsentieren. "Weave Tech ist um 30 Prozent leichter als Leder." Das Auto soll somit gegenüber einer Lederausstattung um vier Kilo leichter sein. Rechnet man noch das Gewicht der Textilausstattung hinzu, das nun auch mit Weave Tech ausgestattet wird, ist das Auto um weitere acht Kilo leichter als ein herkömmlicher Wagen.

Der im Boden des Fahrzeugs aus 27 Modulen bestehende Akkupack soll die Steifigkeit des Chassis bringen sowie Geräusch-, Vibrations- und Härtewerte (NVH) des Fahrzeugs während der Fahrt verbessern. Die Fahrgeräusche sollen im Vergleich zu einem herkömmlichen Auto um 3,7 Dezibel niedriger ausfallen.

Mit Google im Cockpit

Infolge der stabilen Leichtbauweise verspricht Ingenlath somit auch eine Reichweite von knapp 500 Kilometern. Für ein E-Auto durchaus ein absoluten Spitzenwert. Damit reiht sich das Auto mit dem Polastern-Logo auf der Haube in die Klasse vor allem von Tesla, Audi A3 und BMW der 3er-Serie.

Um das Laden der E-Motoren zu erleichtern, will Polestar aber offenbar ein entsprechendes Netz für die Ladeinfrastruktur aufbauen. Mit Kooperationen will der Autobauer das Netz erweitern. Näheres dazu hat der Polestar-Chef noch nicht bekanntgegeben.

Damit der Lenker auch die E-Zapfsäulen findet, soll Google den Weg weisen. Die komplette Suchsoftware der US-Company ist an Bord. Maßgeschneidert für Polestar-Fahrer soll die Software die Wege an die Stromtankstellen bahnen. Google Assistant, Google Maps, Google Play sowie der Sprachassistent sind via 11-Zoll-Touchscreen-Display in der Mitte des Cockpit verbaut.

Polestar 2 [Cockpit]

Ausgehend von einer Landkarte, die der Polestar-Chef präsentiert hat, dürfte vor allem in Schweden, Dänemark, den Niederlanden, Belgien und Deutschland die Zahl der E-Tankstellen kräftig gesteigert werden. Diese fünf Länder zählen auch neben China, Kanada, Kalifornien und Großbritannien zu den insgesamt neun Märkten, in denen der Polestar 2 im kommenden Jahr zuerst verkauft werden soll. Alle Autos sollen in China gebaut werden.

Der Vorlauf zur Produktion

Doch zunächst steht die große Roadshow auf dem Programm. In den kommenden zwölf Monaten wollen Polestar-Chef Ingenlath das Auto auf einer weltweiten Roadshow präsentieren. In Europa, Nordamerika und Asien soll das Auto präsentiert werden. Nicht nur auf Messen, sondern auch in einem in Netzwerk von sogenannten "Polestar Spaces" sollen die Autos bestaunt und Testfahrten ermöglicht werden. Mit seinem "ersten vollelektronischen Auto" will der chinesische Autokonzern samt schwedischer Ingenieurskunst neue Maßstäbe setzen. Vor allem etablierten Autokonzernen und dem E-Autopionier Tesla soll die Route ins Fenster gestellt werden. Der erste offizielle Präsentationstermin wird beim Genfer Auto-Salon Anfang März stattfinden.

Polestar 2 [Details]

Ab sofort können Interessenten das Auto mittels Konfigurator im Internet unter polestar.com bestellen. Das Auto kann wie beim Polestar 1 nur Online bestellt werden. Und: Die Autos werden auch im zwei- oder dreijährigen Abonnement angeboten. Der Nutzer zahlt dabei eine fixe Monatsrate. Diese inkludiert Abhol- und Bringdienste sowie Versicherungen und On-Demand-Services aber auch die Möglichkeit alternative Fahrzeuge von Volvo und Polestar bei Bedarf zu mieten. Der Abonnementpreis wurde noch nicht bekannt gegeben.

Der 3er in Planung

Polestar wird aller Voraussicht nach im Jahr 2022 mit seinem dritten Modell ein Coupé-SUV auf den Markt bringen. Und damit wandelt der Autobauer mit dem Polarstern auf der Haube zwar zeitversetzt, aber punktgenau auf der Strategie des Hauptkonkurrenten Tesla. Der US-E-Autobauer hatte in fast identer Abfolge mit seiner Produktreihe vorgelegt. Polestar macht auch daraus keinen Hehl, dass man auch mit dem Polestar 3 vor allem Tesla angreifen will.


Volvo Car Group

Volvo wurde im Jahr 1927 gegründet. Das Unternehmen ging aus dem schwedischen Kugellagerunternehmen SKF hervor, als zwei Ingenieure die Idee hatten ein Auto zu bauen. Die Firmierung Volvo ist vom Indikativ des lateinischen Wort volvere (rollen) abgeleitet. volvo bedeutet "ich rolle".

Die PKW-Sparte des schwedischen Autokonzerns Volvo wurde 1999 von Ford zum Preis von damals 6,45 Mrd. Dollar übernommen. Im Zuge der Finanzkrise 2008 geriet auch die Volvo-Gruppe ins Schleudern. Im März 2010 wurde die Volvo Car Corporation nach China verkauft. Geely zahlte für die schwedische Ford-Tochter 1,3 Milliarden Euro.

Im Jahr 2017 kündigte Volvo an, ab 2019 nur noch Autos mit Hybrid- und E-Motoren auf den Markt zu bringen. Der Ausstieg vom Verbrennungsmotoren soll sukzessive erfolgen.

Die Marke Polestar wurde eigens für die E-Auto-Ambitionen als Eigenmarke gegründet. Der im Jahr 2017 präsentierte Polestar 1 war noch ein Coupé mit Hybridmotor. Unter der Haube hat das 2+2-sitzige Coupé 441 kW (600 PS) und 1.000 Nm Drehmoment. Das Auto bringt es auf 150 Kilometer Reichweite im elektrischen Fahrbetrieb und wird Mitte 2019 ausgeliefert.

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