Voestalpine: Stahlkraft für die Elektro-Formel-1

voestalpine-Boss Wolfgang Eder (li) und Alejandro Agag, Gründer der Formel E

Alejandro Agag, Gründer der Formel E begrüßte in Wien voestalpine-Boss Wolfgang Eder. Das Unternehmen ist neuer Europa-Hauptsponsor für die neue elektrisch betriebene Königsklasse Formel E.

Die Formel E, die vor vier Jahren gestartete neue Rennserie, entwickelt sich zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten für die Formel 1. Nun ist die voestalpine als Sponsor und Know-How-Geber eingestiegen. Alejandro Agag, Gründer der Formel E, und Top-Formel-E-Pilot, Nick Heidfeld, erklären, was die neue Rennsport-Disziplin spannend macht.

Ohrenbetäubendes Motorensuren, kilometerweit hörbar- das ist nicht was den Sex-Appeal der die Formel E ausmacht. Es sind vielmehr die leisen Töne, die die Formelwagen mit Elektroantrieb interessant machen.

2014 auf Initiative des Ex-Ferrari-Boss und Formel-1-Chef Jean Todt ins Leben gerufen, wird seither hart daran gearbeitet, die erste strombetriebene Rennserie weltweit aufzuziehen. Gefahren wird ausschließlich in Großstädten. Derzeit im Programm sind Hongkong, Marrakesch, Santiago di Chile, Mexico City, Punta del Este (Uruguay), Rom, Paris, Berlin, Zürich und New York.

Die Rennwägen - optische Klone der Formel-1-Boliden - ziehen mehr und mehr Aufmerksamkeit auf sich. "Im Vorjahr ist das Interesse explodiert", so Alejandro Agag, Gründer und CEO der Formel E. Beim eGrand Prix in Berlin im Vorjahr waren 24.000 Zuseher vor Ort. Das New Yorker Rennen verfolgten 2017 im deutschen Sender DMX eine Rekordzahl von 248.000 Menschen.

Im Vorjahr stieg dann auch das Interesse der Sponsoren sprunghaft. Audi und BMW, die von Anfang an zumindest teilweise in die Elektrorennserie involviert waren, gaben im Sommer 2017 bekannt, vollständige Werksengagements zu sponsern. Wenig später verkündete Mercedes - quasi ein Sakrileg - den Ausstieg aus der DTM und den Einstieg in die Formel E. Kurz darauf verkündete auch Porsche in das E-Motorsport-Business einzusteigen. Jaguar ist seit 2016 bei der FIA Formel E-Meisterschaft dabei. Die Briten haben erst kürzlich ihr neuen neuen E-Boliden vorgestellt, mit doppelt so starken Batterien wie bisher.

Voestalpine wird Hauptsponsor für Europarennen

Das hat nun auch den österreichischen Stahl- und Technologiekonzern voestalpine angelockt. Die voestalpine wird ab der Saison 2018/19 vorerst für zwei Jahre Partner der ABB FIA Formel E Meisterschaft bei ihren Europa-Rennen. In Paris, Berlin, Rom oder Monte Carlo werden die E-Boliden unter dem Namen „voestalpine European Races“ an den Start gehen.

Hauptsponsor für die gesamte Rennserie ist weiterhin der Schweizer Energie- und Automatisierungstechnikkonzern ABB mit Hauptsitz in Zürich, der die neue Öko-Rennserie bisher bereits mit 200 Millionen Euro unterstützt hat. Wie viel der Linzer Stahlkonzern für das Sponsoring springen lässt, wollte voestalpine-Boss Wolfgang Eder aber nicht preisgeben. "Wenn sich die Zusammenarbeit gut entwickelt, ist auch ein Vertragsverlängerung für weitere drei, vier Jahre gut möglich", erklärte Eder allerdings.

Die voestalpine ist für die Rennserie nicht nur zahlender Sponsor, sondern leistet auch aktiv einen Beitrag als Lieferant von leichten und hochfesten Stählen für die E-Boliden. "Unser Know How fließt durch unsere Leichtbautechnik und Bestandteile von Motoren in die Formel E ein", betont Eder. Das Engagement trifft sich mit den Vorstellungen von Formel-E-Gründer Agag: "Wir sind bei der Technik die Champions-League für Elektroautos."

Ein Renntag und keine Rennen auf entlegenen Strecken

Die neue Rennserie wird auch nach einem neuen Schema geführt. Mehrtägige Rennwochenenden wie bei der klassischen Formel 1 gibt es nicht. Am Vortag des Rennens werden im freien Training knackige sechs Runden gefahren. Am nächsten Tag startet direkt das Rennen. Ein extremes technisches Hochrüsten wie in der Königsklasse des Motorsports gibt es auch nicht. Pro Team dürfen nicht mehr als gut zwei Millionen Euro ausgegeben werden.

Voest-Vorstand Eder hebt auch den Nachhaltigkeitsgedanken der Rennsportserie hervor. "Es werden keine Rennen auf entlegenen und eigens gebauten Strecken gefahren, sondern in Großstädten. Niemand braucht irgendwo hinzufahren, wo er sonst vielleicht nie hingefahren wäre. Das ist auch ein Teil des Nachhaltigkeitsgedankens der Rennserie".

Die vor vier Jahren gestartete Formel 1 schreibt zwar noch keine schwarzen Zahlen. "Aber das liegt daran, dass wir hohe Summen in das Marketing investieren. Täten wir das nicht, wären wir Cash-Positiv", so Formel-E-Chef Agag. Doch Gewinne schreiben, sieht der Formel-E-Boss derzeit nicht als vorrangiges Ziel. "Wir sehen uns als Start-Up für das es im Vordergrund steht die neue Rennserie weltweit zu etablieren."

Zehn Teams nehmen bereits am E-Autorennen teil. Pro Team gibt es zwei Fahrer. Die Anzahl an Team-Mitarbeitern während eines Renntages ist streng begrenzt, die Teams dürfen nur zwei Renn-Ingenieure, einen Daten-Ingenieur, vier Mechaniker und einen Teamchef haben. Die Fahrer stört das nicht. Immer mehr Top-Piloten wollen hinter ein Formel-E-Cockpit. Nach Einschätzung von Formel-E-Pilot Nick Heidfeld ist das Niveau der Fahrer nicht niedriger als in der Formel 1. "Die besten Formel-1-Fahrer sind zwar auf einem höheren Level, aber über die gesamte Breite der Formel-E-Fahrer gibt es genauso viele starke Piloten wie in der Formel 1." Für Jaguar am Steuer sitzt beispielsweise Nelson Piquet Junior. Ex-Formel-1-Pilot Felipe Massa gilt als heißer Kandidat für einen E-Rennstall.

Strom statt Benzin

Trotz des steigenden Interesses, ist die Gegnerschaft der neuen Rennserie in der Formel 1 groß. Formel-1-Stars wie etwa Sebastian Vettel lästern gerne über die strombetriebene Konkurrenz. Und Formel-1-Manager Ross Brawn sagt dazu: "Man schaut sich nicht ein Formel-E-Auto an, weil es aufregend ist."

Sponsoren und Fahrer können die Kritiker allerdings nicht erschüttern. Pilot Heidfeld bemerkt etwa: "Bei der Formel E kommen viel mehr Kinder und Familien als bei der Formel 1." Laute Motoren sind nun mal nicht jedermanns Sache. "Auch viele Junge fühlen sich angesprochen", bemerkt voest-Chef Eder. Und erklärt: "Benzin im Blut war gestern: Schon in naher Zukunft werden die stärksten Boliden mit den weltbesten Elektromotoren die Taktgeber der Rennsportszene sein."

Die Automobilindustrie ist mit rund einem Drittel des Konzernumsatzes seit Jahren ein zentraler Innovations- und Wachstumstreiber für die voestalpine. In der Elektromobilität sieht Konzernchef eder großes Potenzial, auf Basis des automotiven Know-hows schneller als in den traditionellen Segmenten zu wachsen: „Sowohl die Formel E als auch die voestalpine sind internationale Vorreiter, wenn es darum geht, Technologien von morgen auf die Straße zu bringen und für die Serienherstellung nutzbar zu machen, die Elektromobilität weiterzuentwickeln sowie den Technologietransfer zwischen Automobilzulieferern, Herstellern und Benutzern voranzutreiben.“

FIA Formel E

Die nächsten Termine für die Formel E 2018:

  • Berlin: 19. Mai
  • Zürich: 10. Juni
  • New York: 14. Juli

www.FIAFormulaE.com

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