Urban Mobility: Neue Konzepte mit Künstlicher Intelligenz

SEAT Minimó

SEAT Minimó

Wachsende Städte und zunehmender Verkehr erfordern neue Lösungen im Bereich der Urban-Mobility. Mit dem Minimó hat SEAT ein Konzeptauto entwickelt, das ausgestattet mit 5G-Technologie mit der Umwelt kommunizieren mit Künstlicher Intelligenz Fahrwege optimieren kann.

Fahrverbote als Reaktion auf die Abgas- und Dieselproblematik, stehen Politik, Städte und Automobilhersteller vor der Frage: Wie geht es weiter? Wird die Individualmobilität in größeren Städten bald stark eingeschränkt?

Das lässt auch Automobilhersteller über neue Mobilitätskonzepte und Fahrzeuge nachdenken, die meilenweit vom aktuellen SUV-Trend entfernt sind. So geht man VW-Konzern geht etwa von einer Zukunft aus, in der es in den Stadtzentren kaum Abstellmöglichkeiten für Autos gibt und die Zufahrtsmöglichkeiten beschränkt sind. Die Herausforderung ist daher, Konzepte für eine City-taugliche, umweltverträgliche, platzsparende und vernetzte Mobilität zu schaffen.

Im VW-Konzern wurde das Tochterunternehmen SEAT dazu auserkoren, Konzepte für die urbane Mikromobilität zu entwickeln. Als solches ist das Modell "Minimó" zu verstehen, das nun im Rahmen des Mobile World Congress 2019 in Barcelona präsentiert wurde - nebst einem E-Scooter mit Segway-Antrieb - dem eXS KickScooter -, der ebenfalls Teil des Gesamtkonzepts ist.

"Kurzstreckenfahrten unter zehn Kilometern haben bereits heute einen Anteil von etwa 60 Prozent an allen mit dem Auto zurückgelegten Strecken. Damit existiert eine enormes Geschäftspotenzial für Anbieter von Mikromobilitätslösungen. Unser Ziel ist es Ideen und Produkte zu entwickeln, die auf Kurzstrecken ausgerichtet sind", erklärte SEAT-CEO Luca de Meo bei der Präsentation.

Intelligent und vernetzt

Der Zweisitzer Minimó, dessen Design an den Renault Twizy und den Smart erinnert, soll auch Carsharing-Anbieter ansprechen und in kommunale Carsharing-Konzepte passen. „Er wird entscheidend dazu beitragen, dass Carsharing nutzbar und rentabel sein wird“, gibt sich de Meo überzeugt. Das neue Mikromodell soll die Betriebskosten der Carsharing-Anbieter im Schnitt um 50 Prozent reduzieren, etwa weil das elektrisch angetriebene Kleinstauto nicht zum Aufladen an eine Ladestation andocken muss, sondern seine Akkus getauscht werden.

Mit 2,5 Metern Länge und 1,2 Metern Breite braucht der Minimó nur drei Quadratmeter Platz und damit nicht mehr als ein Motorrad. Zum Vergleich: Ein normales Auto braucht etwa doppelt so viel Fläche.

SEAT Minimó
SEAT Minimó

Doch das Fahrzeug ist nicht nur klein, sondern auch clever. Die integrierte Mobility Advisor Software soll auf Basis der Künstlichen Intelligenz (KI) von IBM Watson sowie der IBM Cloud Autofahrer bei der Planung und Optimierung ihrer täglichen Fahrtwege unterstützen. Die dazu gehörende und in Entwicklung befindliche Smartphone-App soll nicht nur an das Auto selbst denken sondern alle zur Verfügung stehenden Transportmöglichkeiten, von öffentlichen Verkehrsmitteln über Carsharing bis hin zu Citybikes oder E-Scootern berücksichtigen.

Die Informationen über die aktuellen Verkehrsbedingungen und Gefahrensituationen, zu den kürzesten Wegen und günstigsten Transportmitteln soll über die 5-G-Netzwerke der Zukunft bereitgestellt werden. Der Minimó ist daher auch ein Testfahrzeug für die neue 5G-Technologie. Erste Versuche mit der im Auto integrierten neuesten Breitband-Technologie sollen in Barcelona starten. Die spanische Stadt will sich als eine der Vorreiterstädte Europas für 5G-Technologie positionieren. SEAT und Telefónica starten deshalb dort den Pilottest „5G Connected Car“. Als erster Schritt sollen Fahrzeugs mit der umgebenden Infrastruktur und anderen Fahrzeugen kommunizieren.

Dank IBM Watson Machine Learning lernt der Mobility Advisor zudem die Präferenzen des Benutzers kennen und kann personalisierte Empfehlungen für die optimale Route geben - auch wenn das bedeutet, dass das Auto abgestellt werden und der Weg zum Beispiel mit einem E-Scooter fortgesetzt werden soll - ein weiteres Puzzlestein im Mikromobility-Konzept von SEAT

Software-Entwicklungszentrum für Mikromobilität

Die Entwicklung von neuen Mikromobilitätskonzepten für Städte steht erst am Anfang. Bei SEAT ist man jedoch überzeugt, dass die erforderlich sind, denn der Zuzug in die Städte hältr unaufhörlich an. Aktuell zieht es weltweit rund 1,3 Millionen Menschen pro Woche in eine Stadt. Bis zum Jahr 2030 wird es weltweit 43 Megacities mit mehr als zehn Millionen Einwohner geben - um zwölf mehr als heute - und 2040 werden bereits rund 65 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben.

Mikromobilität-Lösungen zur entwickeln ist daher für SEAT mehr bloße Produktentwicklung. “Städte wollen gemeinsam mit Unternehmen Lösungen entwickeln. Einfach nur E-Scooter auf die Straßen zu stellen ist dabei der falsche Zugang. Wir stecken daher viele unserer Bemühungen in die Zusammenarbeit mit den Städten", sagt dazu Fabian Simmer, Digital Officer von SEAT.

Video: 5 Dinge, die man über Mikromobilität wissen sollte.

Noch 2019 will SEAT deshalb für die VW-Gruppe ein Software-Entwicklungszentrum, das Metropolis:Lab in Barcelona gründen. Dort sollen rund 100 Spezialisten an neuen Kreationen tüfteln, um die digitale Transformation des Konzerns voranzutreiben und Geschäftsmodelle für neue Mobilitätskonzepte, Konnektivität und die Digitalisierung der Fahrzeuge geschaffen werden.

SEAT-Boss de Meo zum Metropolis:Lab: „Das Entwicklungszentrum unterstreicht das Bestreben des Konzerns, sich von einem Autohersteller zu einem Anbieter von Mobilitätslösungen weiterzuentwickeln.“ Verschiedene Optionen werden dazu analysiert: vom öffentlichen Nahverkehr bis hin zu anderen Alternativen wie Car-, Moto- oder Bikesharing.

Auto & Mobilität

Taxi/Mietwagen-Novelle: Darum soll die Reform verhindert werden

Auto & Mobilität

Test Drive Hyundai Kona: Südsee-Träume auf Garantie

Auto & Mobilität

Nur zwei Prozent der Österreicher wollen ein Elektroauto kaufen

Anstecken, aufladen: Was wenn das alle gleichzeitig wollen?

Auto & Mobilität

An die Ladesäule: Energiebranche bereitet sich auf E-Auto-Boom vor