Nachfrage nach Dieselautos könnte sich halbieren - was tun?

Nachfrage nach Dieselautos könnte sich halbieren - was tun?

In Deutschland wollen nur noch 14 Prozent der Befragten ein Dieselauto setzen. Auch in Österreich wollen immer mehr um Dieselautos einen

Noch haben erst wenig Österreicher ihr Dieselauto wegen Dieselgate verkauft. Doch dem Markt droht laut einer Umfrage ein dramatischer Einbruch der Nachfrage. Was als nächstes droht: Höhere Leasingraten für Dieselautos. Was Dieselautobesitzer jetzt tun sollten.

Noch ist Österreich ein Dieselland. Laut einer aktuellen Umfrage des Gebrauchtwagenportals AutoScout24.at denken erst fünf Prozent der Befragten darüber nach, ob sie ihren Diesel verkaufen sollen oder haben ihn bereits verkauft. In Deutschland sieht die Sache schon ganz anders aus. Dort denken bereits 30 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage des Portals nach, ob sie ihren Diesel verkaufen sollen. Die Umfrage fand allerdings bereits im Jänner statt, also bevor Dieselfahrverbote in Deutschland gesetzlich erlaubt wurden.

Dieselauto-Nachfrage könnte sich in Österreich fast halbieren - in Deutschland dürfte es noch heftiger kommen

Wie stark die Aversion gegen Diesel mittlerweile ist, lässt sich an der Umfrage von AutoScout24 ablesen. Demnach würden bei einem Autokauf nur noch für 28 Prozent der Autofahrer einen Wagen mit Dieselantrieb als erste Wahl sehen. 34 Prozent würden auf einen Benziner setzen, jeder Vierte würde, vor die Wahl gestellt, ein Hybrid- oder Elektrofahrzeug kaufen. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von AutoScout24, dem europaweit größten Online-Automarkt, unter 505 Autofahrer in Österreich. Wie dramatisch sich Dieselfahrverbote auf die Nachfrage auswirken könnte, zeigt die Umfrage des Portals in Deutschland. Dort würden aktuell nur noch 14 Prozent beim Kauf auf einen Diesel setzen.

Brandbeschleuniger des Preisverfalls: Urteil über Fahrverboten

Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer warnt eindringlich vor den Folgen des jüngsten Urteils in Deutschland, das Dieselfahrverbote in Deutschland als zulässig erklärt: "Die Preise für Diesel-Gebrauchtwagen werden sich bald in den freien Fall befinden. Schon bisher sei es, nach Beobachtung von Stephan Bratzel, Uniprofessor und Spezialist für die Autobranche, durch die Fahrverbotsdebatte mit den Preisen bergab gegangen: "Das dürfte sich mit dem Urteil beschleunigen." Jene, die bereits ein Dieselauto fahren, müssten mit den Konsequenzen wohl leben. "Die Verbraucher müssten vermutlich mit den Verlusten beim Verkauf ihrer alten Autos leben, mutmaßt er. "Der Hinweis mit der kalten Enteignung stimmt schon ein Stück weit."

Drohen steigende Leasingraten?

Was den Diesel zusätzlich unter Druck setzen dürfte: Dudenhöffer geht von steigenden Leasingraten für Autos mit Dieselmotor aus und in der Folge auch von einer weit sinkenden Nachfrage der Kunden. Stück für Stück werde die Autobranche dann die Diesel-Produktion zurückfahren, allenfalls in den schweren und angesagten Stadtgeländewagen werden seiner Einschätzung nach große Dieselmotoren mit der Abgasnorm Euro 6d bleiben. Für Dudenhöffer ist das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts damit "der Anfang vom Ende des Diesels."

Preise könnten um bis zu 15 Prozent nachgeben

In Deutschland sind die Stehzeiten von Dieselautos bereits auf vier Monate gestiegen, so die jüngsten Zahlen des Dieselbarometers der Deutschen Automobil Treuhand (DAT). Gleichzeitig fallen die Restwerte "Die stehen sich die Reifen platt, niemand wird sie haben wollen", urteilt Dudenhöffer. Der Wertverlust bei älteren Dieselautos werde bis zu 15 Prozent erreichen, schätzt das Kraftfahrzeuggewerbe im Südwesten Deutschlands. Schon jetzt stehen nach Angaben des Zentralverbands des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes bei deutschen Händler mehr als 300.000 Stück Euro-5-Dieselautos. „In Österreich schlägt sich die Unsicherheit bisher noch nicht auf die Preise nieder“, sagt Markus Dejmek, Österreichchef bei AutoScout24 in Österreich. „Die Angebotspreise auf AutoScout24 für Dieselautos und Benziner entwickeln sich parallel.“ Doch das könnte sich nach dem Urteil über die Erlaubnis von Fahrverboten in Deutschland ändern.
Nach DAT-Zahlen gaben die Restwerte dreijähriger Gebrauchtwagen mit Dieselmotor im vergangenen Dezember um 3,4 Prozentpunkte auf 52,6 Prozent des ehemaligen Listenneupreises nach. Von Preisrückgängen in ähnlicher Höhe berichten auch immer wieder österreichische Händler, wenn die Untersuchung von Autoscout.24 für Österreich insgesamt derzeit auf ihrem Gebrauchtwagenportal noch stabile Preise registriert.

Bereits fünf Prozent Preisrückgang mit erheblichen Folgen

Doch auch nur ein Preisrückgang von fünf Prozent kann sich laut Autoprofessor Bratzel erheblich auf die Erträge der Händler und im Portemonnaie privater Verkäufer niederschlagen. Gerade bei Leasingmodelle gehe es oft um höher motorisierte und teure Fahrzeuge, da "sind auch fünf Prozent schon viel".

VW soll "Schummel-Diesel" zurücknehmen

Bei den Autohersteller wird derzeit wohl ebenso fieberhaft über die Zukunft des Diesels diskutiert. Laut Berichten der "Financial Times" könnte sich der italienisch-amerikanische Autokonzern Fiat Chrysler sogar ganz vom Dieselmotor verabschieden. Wenn es aus der Konzernzentrale dazu auch "Kein Kommentar" heißt. VW steht jedenfalls wegen des Dieselskandals weiter unter Druck. Die US-Kanzlei Hausfeld fordert den Konzern auf, in Deutschland zugelassene "Schummel-Diesel" zurückzunehmen. Volkswagen argumentiert, man trage mit sauberen Euro-6-Dieselmotoren sowie Software-Updates, die bei rund 2,25 Millionen Euro-5-Dieselautos in Deutschland aufgespielt seien, nachhaltig zu einer Verringerung der Stickoxid-Emissionen bei.

Was Diesel-Besitzer jetzt tun sollten

"Augen zu und durch", rät Dudenhöffer. Wer jetzt verkaufe, werde es schwer haben, einen Käufer zu finden. Wer ein anderes Auto kaufen wolle, solle sich für einen Benziner mit Partikelfilter, einen 48-Volt-Hybriden oder auch ein Elektroauto entscheiden. Bratzel spürt derzeit aber vor allem die Wut der Autofahrer: "Der Frust ist schon enorm."

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