Transport-Business: "Besorgniserregender Befund"

Transport-Business: "Besorgniserregender Befund"

Die Zahl der Frächter, die ihre Geschäfte aus Osteuropa tätigen, steigt weiter stark. Österreichische Frächter und deren Arbeitnehmer geraten deshalb unter massiven Lohndruck.

Die Transportwirtschaft kommt nicht und nicht in die Gänge. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Mit welchen Problemen die Branche neben schwacher Nachfrage zusätzlich konfrontiert ist.

Die Stimmung unter den heimischen Transportbetrieben hat sich nach einer langen Schwächephase im Sommer sogar noch weiter eingetrübt. So ist die Nachfrage im Juli deutlich eingeknickt. Und die Nachfrage in der Branche dürfte weiterhin nur schleppend sein. Denn die Branche erwartet laut einer aktuellen Konjunktur-Befragung der Bundessparte für die nächsten Monate stagnierende Geschäfte. Bundesspartenobmann Alexander Klacska: „Ein besorgniserregender Befund, zumal die Transportwirtschaft als Dienstleister für die gesamte Wirtschaft fungiert.“ Und damit die Entwicklung der Branche ein wichtiger Gradmesser und auch Vorlaufindikator für die wirtschaftliche Verfassung eines Landes ist.

Bereits seit Mitte 2014 dümpelt die Nachfrage in der Branche dahin, wie der Containerumschlag-Index zeigt. Der Index gilt als verlässlicher Indikator für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Der Index misst einmal monatlich den weltweiten Containerumschlag. Der RWI/ISL-Containerumschlag-Index nutzt die Tatsache, dass der internationale Warenverkehr im Wesentlichen per Seeschiff und mit Containern abgewickelt wird. Entsprechend ist der Containerumschlag in den Häfen ein wichtiger Indikator des globalen Handels. In den Index gehen die vom ISL im Rahmen seiner Marktbeobachtung fortlaufend erhobene Angaben von derzeit 81 internationalen Häfen ein, die ca. 60% des weltweiten Containerumschlags tätigen.

An den großen Containerhäfen der Welt herrscht derzeit Flaute.

Geringe Nachfrage und Fachkräftemangel als Problem

Zwei von drei Befragten halten, unzureichende Nachfrage ist für sie ein Hauptbelastungsfaktor. Als zweithöchste Belastung nennen die Unternehmen den Fachkräftemangel, der zunimmt, obwohl der Beschäftigtenstand in den letzten Monaten gesunken ist. Ein Indikator dafür, dass die Ausbildungsvorgaben in der Branche geändert werden müssen, betont der Bundesspartenobmann: „In Anlehnung an die duale Ausbildung sollten die Betriebe den jungen Menschen zuerst Beschäftigung geben können – und erst dann weitere Qualifikationsschritte folgen.“

Zusätzlich ist die Branche mit einem anderen Problem konfrontiert: Der massiv steigende Anteil von Lkw-Neuzulassungen im für Arbeitgeber kostengünstigen Osteuropa. So stieg die Zahl der Neuzulassungen von Lkws mit mehr als 3,5 Tonnen laut dem europäischen Branchenverband von Jänner bis August 2016 in Polen um rund 25 Prozent, in Rumänien gar um mehr als 40 Prozent. Zum Vergleich: In Österreich lag der Zuwachs in dieser Zeit bei zehn Prozent.

Sozialdumping durch billige Ostarbeitskräfte als tickende Zeitbombe für die EU

Dahinter vermutet etwa die Gewerschaft Vida für den Fachbericht Straße, viele Frächter, die ihre Fahrzeuge im kostengünstigen Osteuropa anmelden und so von dort aus ihre Geschäfte betreiben. Karl Delfs, Bundessekretär des vida-Fachbereichs Straße: "Mit Monatsgehältern von 500 Euro und weniger ruinierten sie den österreichischen Markt, in dem Fahrer in der Regel 1.500 bis 1.800 Euro im Monat verdienten. Die Herausforderungen für faire Arbeitsbedingungen in der Transportwirtschaft sind enorm. Der Abwärtstrend bei Sozialem und Entlohnung muss endlich gestoppt werden." Grenzüberschreitende Dienstleistungen im Transportgeschäft, bei der durch ds Beschäftigungs- und Entlohnungssystem aus osteuropäischen Ländern jene in Österreich ausgehebelt werden, nennt Delfs "eine tickende Zeitbombe für den Zusammenhalt der Europäischen Union."Acht EU-Verkehrsministern setzen sich deshalb auch für einheitliche Sozial- und Sicherheitsstandards auf Europas Straßen ein. Denn die Zahl der Verstöße gegen Sozial- und Sicherheitsvorschriften in der europäischen Transportwirtschaft steigen, wie auch die EU-Kommission bemerkt.

Bezahlung nach gefahrenen Kilometern macht auch Österreichs Straßen unsicher

Besonders drastische Beispiele finden sich laut Gewerkschaft im Straßengütertransport: "Total übermüdete Lenker aus Ländern mit Niedriglöhnen, wo die Lenker etwa nach gefahrenen Kilometern bezahlt werden, fahren oft 24 Stunden und länger quer durch Europa und sind so für sich und andere Verkehrsteilnehmer ein Sicherheitsrisiko", ärgert sich Delfs. In Österreich ist die Bezahlung nach gefahrenen Kilometern verboten.

Airlines verlagern Standort ins billige Ausland, um Lohnniveau zu senken

Aber etwa auch in Luftfahrt treibt der Wettbewerb nach unten „immer drastischere Blüten“. So würden auch Airlines zunehmen ihre „Homebases“ in billigere Länder verlagern, um gute Kollektivverträge zu umgehen. „Die Zeit ist deshalb mehr als überfällig, endlich auch die Anliegen der Beschäftigten in der Branche und nicht nur jenen der übermächtigen Transportlobby zu hören“, appelliert Vida-Verkehrsgewerkschafter Delfs.

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