13 Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

Beim Kauf eines Gebrauchtwagen gilt es einiges zu bedenken. Die Rechtsexperten der Automobilclubs geben Tipps und berichten aus der Praxis.

13 Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

Beim Gebrauchtwagenkauf ist Vorsicht geboten. Mängel lauern an vielen Ecken. Dagegen sollte man sich wappen.

In Österreich wurden im Vorjahr drei Mal so viele Gebrauchtwagen wie Neuwagen verkauft. Der Rückgang war im Vergleich zum Neuwagengeschäft nur gering.

Ein gebrauchtes Auto zu erwerben hat jedoch auch seine Tücken. Besonders hart trifft das Kleinunternehmer und Betriebe, die auf einen funktionierenden Fuhrpark angewiesen sind. Der Gebrauchtwagenhandel ist nämlich auch ein Tummelplatz für Verkäufer, die ihre Warne gerne beschönen. Gerade in Zeiten der Pandemie, wenn die Geschäfte schleppender gehen. „In unserer Rechtsberatung registrieren wir seither vermehrte Anfragen von Mitgliedern mit Problemen nach einem Gebrauchtwagenkauf“, bemerkt Nikolaus Authried, Leiter der ÖAMTC-Rechtsberatung für Wien, Niederösterreich und das Burgenland.

Wenn der Kaufvertrag einmal unterschrieben ist und in der Folge Mängel auftreten, herrscht oft Ratlosigkeit, wie man weiter vorgehen soll. Mitglieder von Verkehrsclubs können sich kostenlos an deren Rechtsberatung wenden. Bei ÖAMTC ist das online unter oeamtc.at/rechtsberatung zu finden oder wenn eine Rechtsschutzversicherung besteht, sich rasch mit dieser in Verbindung setzen.

"Unsere erste Empfehlung ist, den technischen Zustand mit einem Experten abzuklären, um darauf aufbauend eine rechtliche Beurteilung vornehmen zu können. Dabei spielt insbesondere auch der tatsächliche Wert des Fahrzeugs im Verhältnis zum Kaufpreis eine Rolle", erklärt Authried.


Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

Wie vermeidet man nun als Gebrauchtwagenkäufer ein Auto zu erstehen, von dem man besser die Finger hätte lassen sollen? trend.at fasst die grundlegenden Tipps zusammen.

1. Nichts übereilen

Eine Kaufentscheidung sollte nie voreilig getroffen werden. Bei Verkäufern, die mit Verweis auf andere Interessenten auf einen schnellen Abschluss drängen gilt es besonders kritisch zu sein. Das trifft gerade bei vermeintlichen Schnäppchen zu.

2. Verlassen Sie sich nicht auf Pickerl und Prüfgutachten

Nur weil ein Auto ein Pickerl hat, bedeutet das noch lange nicht, dass es in einem guten Zustand ist. „Das Gutachten besagt nur, dass das Auto noch fahrtüchtig ist und sich in freier Natur aufhalten darf, mehr nicht“, stellt Ursula Zelenka, Juristen beim ÖAMTC, klar. Wenn eine § 57a Überprüfung auch noch eineinhalb Jahre oder länger zurückliegt, ist es das Papier nicht wert. Ein gültiges Pickerl lässt auch keinen Rückschluss darüber zu, wie verrostet ein Auto ist, denn erst wenn der Rost ein kritisches Ausmaß erreicht hat, wird das auch vermerkt.

3. Achten Sie darauf, bei wem Sie das Auto kaufen

Bei einem Markenhändler kann man sich in sicheren Händen fühlen. „Bei Händlern die ihre Autos beispielsweise aus einem Container am Schrottplatz verkaufen, ist dagegen Vorsicht angebracht und ein Ankaufstest besonders ratsam“, weiß Verkehrsclub-Juristin Zelenka.

4. Ankaufstest, auch beim Kauf vom Händler

Einer der wichtigsten, wenn auch nicht immer beherzigten Tipps beim Fahrzeugkauf - speziell beim Kauf im Internet: Fahren Sie das Auto Probe und lassen Sie einen Ankaufstest bei einem Verkehrsclub durchführen. Selbst wenn man bei einem Händler einen Gebrauchtwagen kauft, ist ein Ankaufstest ratsam.

Auch private Anbieter nutzen die Möglichkeit eines Ankaufstests. Zelenka: „Unter privaten Verkäufern gibt es sogar solche, die von sich aus einen Ankaufstest durchführen lassen, um so glaubwürdiger zu wirken.“

5. Das sollte ein Ankaufstest beinhalten

Um den tatsächlichen Zustand eines Fahrzeuges weitgehend abzuklären und zu dokumentieren, ist ein Ankaufstest das A und O beim Gebrauchtwagenkauf. Dieser dauert etwa beim ÖAMTC 90 Minuten und umfasst einen genauen Check von Motor, Antriebsstrang, Lichtanlage, Fahrwerk, Karosserie und Komfortsysteme mit rund 100 Einzelpositionen. Eine Probefahrt eines Technikers des Verkehrsclubs zählt ebenfalls zum Prüfumfang. Während das "Pickerl" lediglich die aktuelle Betriebssicherheit bescheinigt, gibt die Kaufüberprüfung Auskunft über Schwachstellen, eventuell vorhandene Unfallschäden, Abnutzungserscheinungen und absehbare künftige Mängel.

6. Privatkauf: Verwenden Sie einen Mustervertrag

Für den Verkauf von Privat an Privat haben Verkehrsclubs ein Musterformular erstellt, das an allen Dienststellen des Clubs kostenlos erhältlich ist. Die Interessen beider Vertragspartner werden berücksichtigt und die Vertragsbestimmungen sind in leicht verständlichen Anmerkungen erläutert. Umfassende Informationen und das Kaufvertragsformular zum Download gibt es beim ÖAMTC unter www.oeamtc.at/autokauf und beim ARBÖ unter dem Button Kaufvertrag.

7. Mündliche Zusagen verschriftlichen

Unterschreiben Sie keinen Vertrag, dessen Inhalt vom mündlich Abgesprochenen abweicht. Insbesondere wenn das Fahrzeug im Vertrag als "Bastlerfahrzeug" beschrieben wird, der Kaufpreis dem aber nicht entspricht und der Verkäufer beteuert, es wäre alles in Ordnung, müssen die Alarmglocken läuten. Mündliche Zusagen oder Vereinbarungen sollten unbedingt schriftlich fesgethalten werden. Diesen kann später entscheidende Bedeutung zukommen.

8. Achten Sie auf die Dauer der Gewährleistung

Wer sich beim Kauf auf die Gewährleistung verlässt und deshalb gar auf einen genauen Check des Fahrzeugs verzichtet, bewegt sich unter Umständen auf dünnem Eis. "Ob und welche Gewährleistung im Ernstfall geleistet wird, ist so eine Sache“, schränkt Zelenka ein. Händler versuchen gerne, in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine kürzere Gewährleistungsfrist von nur einem statt zwei Jahre anzuführen. Das ist zwar erlaubt, doch vielen Käufern ist das nicht bewusst und wird von ihnen im Kleingedruckten auch leicht übersehen.

Besonders unverfrorene Verkäufer versuchen die gesetzliche Gewährleistung im Vertrag gleich komplett auszuschließen. Zelenka: „Das ist gesetzlich verboten.“

9. Private können Gewährleistung ausschließen – unter bestimmten Voraussetzungen

Viele Privatanbieter sind der Ansicht, die Gewährleistungspflicht trifft sie nicht. Aber das ist ein Irrtum: Mindestanforderungen müssen auch sie garantieren. So hat ein Käufer sehr wohl das Recht zu erwarten, ein Auto zu kaufen, das auch fährt. Stellt der Käufer im Nachhinein fest, nur eine geschminkte Autoleiche vor sich zu haben oder stellt er einen erheblichen Schaden fest, kann dieser Forderungen stellen. Gänzlich nichtig ist die Klausel, die Gewährleistung bei Verkäufen zwischen Privaten auszuschließen, wenn Mängel arglistig verschwiegen werden. Dann ist juristisch sogar eine Rückabwicklung des Kaufs vorgesehen.

10. Achtung: Verkäufer muss nicht für alle Mängel einstehen

Rechtlich bessergestellt ist man jedenfalls beim Kauf von einem Händler, da dieser die Gewährleistung nicht gänzlich ausschließen kann. Allerdings bedeutet das nicht, dass der Verkäufer für alle Mängel einstehen muss – es kommt vielmehr darauf an, was vereinbart ist. Ein Privater hingegen kann die Gewährleistung beim Verkauf weitgehend ausschließen.

11. Rückabwicklung bei kleinen Mängeln: Seriöse Händler entgegenkommend

Wie knifflig die Sache mit der Gewährleistung ist, zeigt sich auch, wenn Mängel entdeckt werden, die keinen erheblichen Schaden darstellen, aber der Käufer mit dem Kauf dennoch unzufrieden ist. „Das ist der Punkt, bei dem viel gestritten wird“, weiß die ÖAMTC-Juristin. Käufer haben kaum eine Chance auf Rückabwicklung des Geschäfts, wenn es ihnen nicht gelingt, dem Verkäufer eine böse Absicht nachzuweisen. Die Frage ist auch, wie weit das Problem vorhersehbar war. Aber zu viel Furcht vor Streitigkeiten, gerade bei Händlern, ist überflüssig. Zelenka: „Bei einem seriösen Händler bleiben Kunden, wenn sie mit seinem Kauf unzufrieden sind, nicht über.“

12. Ziehen Sie bei Streitigkeiten nach einem Kauf einen Vergleich in Erwägung

Ein häufiger Fall Beispiel aus der Praxis: Einige Monate nachdem Frau S. einen Gebrauchtwagen gekauft hatte, wurden im Zuge der "Pickerl"-Überprüfung unerwartet mehrere schwere Mängel festgestellt, der Wagen bekam keine Plakette. Frau S. hatte jedoch einen Kaufvertrag von einem Verkehrsklub verwendet. „Dadurch werden im Gegensatz zu selbst entworfenen Verträgen viele Probleme von vorne herein vermieden“, so Authried.

Im Vertrag war die Verkehrs- und Betriebssicherheit zugesichert worden. Allerdings war ohne ein ausführliches Gutachten nicht sicher, ob die Mängel bereits zum Zeitpunkt der Übergabe vorhanden waren. "Aus technischer Sicht sprach einiges dafür, ohne teures Gutachten konnte das aber nicht belegt werden. Die Verkehrsclub-Juristen erwirkten jedoch einen Vergleich, bei der der Verkäufer knapp 30 Prozent des Kaufpreises nachgelassen hat. Jurist Authried: „Mit einem Ankaufstest vor dem Kauf wäre Frau S. wahrscheinlich erst gar nicht in diese Lage gekommen.“

13. Ohne Rechtsschutzversicherung kann es teuer werden

Wenn man sich als Käufer übervorteilt wähnt, bleibt am Ende noch die Möglichkeit, den Rechtsweg zu beschreiten. Wenn man aber keine Rechtsschutzversicherung hat, sollte man sich diesen Schritt besonders gut überlegen. "Das, kann ansonsten schnell teuer werden", warnt die ÖAMTC-Juristin, „ohne Rechtsschutzversicherung sollte man seine Chancen sehr sorgfältig abwägen.“

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