Teurer Diesel, Road Pricing: Pendlern drohen 1.900 Euro Mehrkosten im Jahr

Es könnte für Autofahrer und speziell für Pendler bald dick kommen. Die Preiserhöhungen für Diesel, das von der EU geplante Road Pricing, das die Vignette ersetzt und höhere motorbezogene Versicherung können laut einer Studie vor allem den Pendlern finanziell massiv zusetzen.

Teurer Diesel, Road Pricing: Pendlern drohen 1.900 Euro Mehrkosten im Jahr


Derzeit werden höhere Steuern auf Diesel erwogen, die EU will Ende des Monats ihre Pläne für das Roadpricing vorlegen und es gibt Überlegungen die Gebühren für das Parken anzuheben und die steuerliche Entlastung der Pendler zu eliminieren. Die Maßnahmen sollen darauf abzielen, laut Politik umweltschädliche Subvention abzustellen. Der Verkehrsclub ÖAMTC hat diese Überlegungen zum Anlass genommen, zwei Studien in Auftrag zu geben. Eine analysiert die zusätzlichen finanziellen Mehrbelastungen, die Pendler durch diese Maßnahmen treffen würde. Die zweite Studie befasst sich mit den kurz- bis mittelfristigen Folgen für Pendler, als auch Unternehmen, die derzeit von den Pendlern profitieren, und Gemeinden.

Schon die Zahl der Betroffen ist riesig. So sind 53 Prozent der Erwerbstätigen Pendler. Insgesamt sind es zwei Millionen Pendler. Zählt man jene dazu, die innerhalb Wiens lange Strecken zurücklegen sind es sogar 60 Prozent.

Szenario 1: Durch die Anhebung der Mineralölsteuer steigt der Preis für den Diesel um 8,5 Cent, die motorbezogene Versicherungssteuer erhöht sich um zehn Prozent und die Parkgebühren um 20 Prozent.
Szenario 2: Die Mineralölsteuer für den Diesel wird um 15 Cent angehoben, die motorbezogene Versicherung um 25 Prozent angehoben, die Parkgebühren um 50 Prozent und statt der Vignette wird ein Road Pricing eingeführt. Das belastet Autofahrer mit 5 Cent pro Kilometer.

Worst Case: 1.900 Euro Mehrkosten für Einzelnen

Bei Szenario B droht Pendlern jedes Jahr eine Mehrbelastung von rund 1.900 Euro. Bei Szenario A sind es 190 Euro. „Doch bei vielen Pendlern, etwa einer alleinerziehenden Mutter ist das Limit der Belastungen längst erreicht“, warnt Studienautor und Professor für Logistik an der WU Wien, Sebastian Kummer. Als Basis für die Berechnung wurde eine im Nordburgenland lebende alleinerziehende Mutter herangezogen, die halbtags drei Mal die Woche zum Arbeiten nach Wien pendelt. Für eine vierköpfige Familie, dessen beide vollerwerbsfähige Eltern täglich aus dem Waldviertel in Horn nach Wien pendeln, würde die Zusatzbelastung im Szenario A pro Jahr auf 225 Euro steigen.

3.200 Euro Mehrkosten für 4-köpfige Familie

Noch heftiger kommt es für Familien, wenn die Mineralölsteuer, wie im Szenario 2 angenommen, noch stärker steigt, Parkgebühren sich verdoppeln und das Road Pricing die Vignette ersetzt.
Auf eine Familie mit zwei Schulkindern, die ebenfalls aufgrund der schlechten Verkehrsanbindung häufig mit dem privaten Pkw transportiert werden müssen, schlägt sich die Mehrbelastung bei Szenario B dann mit 3.200 Euro pro Jahr zu buche.


Die alleinstehende Mutter, die im Nordburgenland lebt, muss dann Mehrkosten von rund 1.900 Euro verkraften.

Pendeln sind nichts Böses

„Pendeln wird von der Politik vielfach als etwas Böses dargestellt. Aber nur durch die Vielfalt der Verkehrsmöglichkeiten ist dieser auch zu bewältigen“, argumentiert Logistik-Professor Kummer. Seiner Ansicht nach geht die Politik viel zu wenig auf die Individuen ein. „Die Motive und die Rahmenbedingungen sind für Pendler schließlich ganz unterschiedlich.“
Häufig sehen Politiker das Pendeln zudem aus der Wiener Perspektive, wo das öffentliche Verkehrsnetz gut ausgebaut ist. Doch am Land sehe die Situation ganz anders aus.

Die Zahl der Pendler durch steigende Kosten zu verringern, hält er für illusorisch. Das hätte die Studie, in der rund 80 Befragte, „vom Pendler, bis zum Sozialarbeiter, Pfarrer, Bürgermeister und Unternehmer“ ergeben. „Viele finden in ihren Heimatorten keinen adäquaten Job, also mit ähnlicher Entlohnung und entsprechend ihrer Qualifikation“, so Kummer. 37 Prozent der rund 1000 Befragten gaben an dass es unmöglich sei einen gleichwertigen Job in ihrer Wohnumgebung zu finden. 33 Prozent halten es für sehr schwierig einen Job vor Ort zu erhalten. In Ortschafen, die weniger als 5.000 Einwohner haben, erachten es 80 Prozent der befragten für unmöglich. Einzig, dass manche Pendler, wie Teilzeitkräfte, für die es sich schon jetzt kaum lohnt lange Strecken in die Arbeit zu pendeln, überlegen statt dessen die Mindestsicherung in Anspruch zu nehmen.

Für 76 Prozent kommt Umzug nicht in Frage

Für andere wiederum, wie Krankenpfleger und andere Berufe, die keine klassischen Arbeitszeiten hätten, wär der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel unrealistisch. In die Nähe des Arbeitsplatzes umzuziehen, kommt für 76 Prozent der befragten nicht in Frage.

82 Prozent nutzen eigenes Auto

Derzeit nutzen 82 Prozent der befragten Pendler ihr eigenes Auto, nur 19 Prozent benutzen öffentliche Verkehrsmittel. Selbst wenn die Wien-Pendler großteils auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen würden, wäre das ein Problem. „Die Kapazitätsgrenzen der Öffis in Wien sind ohnehin bereits erreicht“, erläutert Kummer.

Firmen würden weniger Mitarbeiter bekommen

Wenn das Pendeln zu teuer wird, schafft das auch für Unternehmen, die vor allem von Handwerkern, die nach Wien pendeln, Probleme. Wenn sie ausbleiben, wird es für die Unternehmen eng. „Große können das mit mehr Gehalt kompensieren, kleine sind schon jetzt am Limit.“ Kummer prognostiziert, dass es neben den Arbeitnehmern insbesondere kleine und mittelgroße Unternehmen hart treffen könnte, die ohnehin schon Schwierigkeiten beim Mitarbeiter-Recruiting haben. "Die regionalen Auswirkungen solcher Maßnahmen dürfen keinesfalls außer Acht gelassen werden: Wenn das Pendeln teurer wird, bedeutet dies für viele Gemeinden die Abwanderung von Einwohnern und damit wichtigen finanziellen Mitteln", hält der Professor fest.

BIP würde im ersten Jahr um eine Milliarde Euro sinken

Die Folgen der Einschränkungen des Individualverkehrs für die Gesamtwirtschaft beleuchtet die zweite Studie im Auftrag des ÖAMTC, durchgeführt von Heinrich Otruba, emeritierter Professor der WU Wien. Seinen Berechnungen zufolge würden die Belastung für Pendler, insbesondere durch Abgaben, um 1,1 Milliarden Euro steigen.Diese zusätzlichen Kosten würden laut Otruba aufgrund des sinkenden privaten Konsums massive Auswirkungen auf das österreichische Bruttoinlandsprodukt (BIP) haben. Im ersten Jahr der Mehrbelastung würde das BIP um eine Milliarde Euro schrumpfen, in den Folgejahren um 420 Millionen Euro. Dabei sind Einflüsse auf Wohnsitzwahl, Jobwechsel und mögliche Arbeitslosigkeit noch gar nicht berücksichtigt.

Verkehrsströme besser analysieren

"Pendeln ist für viele Arbeitnehmer alternativlos. Das blinde Bekämpfen des Pendelns, auch des Autopendelns, macht keinen Sinn. Unter dem Vorwand des Klimaschutzes sollen neue finanzielle Belastungen durchgedrückt werden“ ärgert sich Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung.
"Besser wäre etwa die Pendlerkilometer elektronisch zu erfassen und so mit Hilfe der Digitalisierung den Verkehr besser planen zu können. Damit würde man über einen enormen Datenschatz verfügen", argumentiert der Verkehrsexperte. Es hält es für richtig, dem öffentlichen Verkehr Priorität einzuräumen, aber nur insofern, als es wirtschaftlich vertretbar ist. Wiesinger: "Anstatt fast leere Busse durch die Dörfer fahren zu lassen, wäre es etwa sinnvoller, Mikro -Systeme wie Sammeltaxis zu forcieren."

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