Test: Renault Grand Scénic - Der Beau unter den Babybombern

Test: Renault Grand Scénic - Der Beau unter den Babybombern

Der neue Renault Grand Scénic zählt optisch und mit seinen vielen praktischen Details wie zweiter Rückspiegel und Schütthandschuhfach zu den besten seiner Klasse. Trend.at hat getestet, was der große Broken kann.

Kinder zu bekommen, ist meist Fluch und Segen zugleich. Folgt doch nach dem freudigen Ereignis, die Anschaffung eines Vans wie das Amen im Gebet. Wer auf einen schicken Fahruntersatz und vielleicht auch noch auf eine gewisse Fahrdynamik wert legt, muss da stark sein. Denn die fast mannshohen Babybomber haben mitunter mehr Ecken und Kanten als so manchem lieb ist. Doch nun gibt es ein Modell, dass das Familienglück nicht auf so eine harte Probe stellt. Denn die vierte Generation des Renault Grand Scénic macht ordentlich was her.

"Wollen nicht zu einer charakterlosen Mainstream-Marke werden"

Bahn frei für den Beau unter den Vans. Die Franzosen zeigen, wie man auch ohne holzschnittartige Kanten und andere lieblose Details, aus einem Zweckfahrzeug einen Hingucker konstruiert. Schließlich hat der Mitbegründer des Segments einen Ruf zu verlieren und tut laut Renault Design-Boss Laurens van der Acker alles, um „nicht zu einer charakterlosen Mainstream-Marke zu werden.“

Zweifarbig und XL-Räder

Das fängt schon damit an, dass es den Grand Scénic als ersten Van optional mit Zweifarben-Lackierung gibt. Auf Wunsch gibt es das Dach in Schwarz-Metallisee, den Rest leuchtet in Blau-Metallisee. Schick auch die Kombination Schwarz-Bronze. Dafür dass der Van nicht in der Masse untergeht, sorgen auch die XLarge-Reifen. Die mächtigen 20-Zoll-Räder machen Eindruck und sind sogar schon in der Basis-Ausstattung im Preis inbegriffen. Trotzdem erhöhen sie nicht den Spritverbrauch. Der Trick: Die Reifen sind mit 195 Millimetern recht schmal. Aber das stört weder beim fahren und fällt nur beim genauen Hinsehen auf. Obwohl das keine Standard-Dimension ist und bei Michelin, Goodyear und Continental speziell in Auftrag gegeben wurde, verspricht Renault moderate Reifenpreise.

Großes Bildschirm mit einem Schuss zu viel Lack

Die Größe des Infotainment-System mit seinen fast neun Zoll übertrifft so manches in einem Premiummodell. Die Kommandozentrale für Belüftung, Fahrwerkseinstellungen, Massagen, Einstellungen für das Head-up-Display und andere Assistenzsysteme, wie eine Notbremsung für Fußgänger, lassen sich einfach bedienen. Das liegt schon alleine an der Größe mit die jeweiligen Funktionen abgebildet sind. Über den üppigen, nicht gerade hochwertigen schwarzen Klavierlack drum herum, kann man bei diesen Vorzügen schon hinweg sehen.

Schon die Front vermittelt dass da mehr als nur ein Transportmittel für den Weg von A nach B daherkommt. Das Blech über der Motorhaube ist steil nach oben gezogen, gleich vier Mal gefaltet und Logo und Lufteinlässe bulliger denn je, lassen gleich gar keinen Zweifel aufkommen, dass der Angriff auf die Konkurrenz ernst gemeint ist. Für einen dynamischen Auftritt des XL-Large-Scénic sorgen auch die Dachreling, die elegant nach hinten abfallend ist, eine Bodenfreiheit wie bei einem SUV, dazu nach außen gerückte Rädern und eine verbreiterten Spur. Die großen Scheiben machen dem Familien- und Freizeittransporter zu einem luftigen Aufenthaltsort.

Zweiter Rückspiegel, Schütthandschuhfach und Rammbock für Kinder

Der Kompakt-Van ist voller praktischer Details, mit Grips erdacht und liebevoll ausgeführt. So kann dem elterlichen Auge mit einem zusätzlichen Rückspiegel, der individuell schwenkbar ist, nichts entgehen, was sich auf der Rückbank abspielt. Wenn sich Kinder in die Haar kriegen und der Kampf auf der Rückbank außer Kontrolle zu geraten droht, kann man die Mittelkonsole wie einen Rammbock zwischen die Füße der Streithähne schieben. Oder die Mittelkonsole, wenn alles friedlich ist, als Getränkehalter nutzen. Wenn weder erweiterte Ablage noch räumliche Streitschlichtung gefragt ist, schiebt man Teile der Konsole wieder in Richtung Motorblock. Die Mittelkonsole kann in der Längsrichtung um insgesamt 27 Zentimeter verschoben werden. Das Handschuhfach ist kein kleines bemühtes Facherl im Halbdunkeln, in das ohnehin nicht mehr als das Fahrzeughandbuch und ein paar Taschentücher passt, sondern eine große, übersichtliche Schublade zum Herausziehen.

Kleiner Hubraum mit guter Leistung

Das Interieur ist in der getesteten Topversion mit schwarzen Polsterung in Stofflederoptik mit weißen Nähten, matten, feinen Zierleisten und Griffen, für einen doch relativ günstigen Van tadellos. Das Cockpit ist komplett digital und kann mit einem Fingertipp in der Sportversion mit großem Drehzahlmesser abgebildet werden oder mit großen Geschwindigkeitsmesser.

Der Grand Scénic, mit seinen 1.598 Kubikzentimeter Hubraum, vor allem auf Sparsamkeit getrimmt, verfügt vom Start weg zwar über kein überschäumendes Temperament, aber wenn die 4,7 Meter-Schlachtschiff einmal in Schwung ist, kommt man trotz des kleinen Hubraums für so ein großes Auto gut vorwärts. In 10,9 Sekunden ist man auf Tempo 100. Dafür löst das Modell das technische Versprechen auf wenig Verbrauch auch ein: Auf längeren Strecken schafft dieser im Schnitt unter sechs Liter pro 100 Kilometer. Begleitet wird man, in der Topversion, übrigens von einem exklusiven Sound, die den Boxen der Marke Bose entströmt. Als junges Familienglück lebt man schließlich nicht nur vom Verzicht allein.

Das Fahrwerk verzeiht so manche Straßenunebenheit, über die man vielleicht in einem unbedachten Moment drüber bügelt. Selbst wenn man sich mit der Familienkutsche ordentlich in die Kurve wirft, gerät der Van nicht so leicht ins Wanken.

Mit 160 PS gut motorisiert

Da der Grand Scénic doch ein ansehnlicher Brocken ist, verträgt er die 160 PS in der getesteten Version schon ganz gut. Zu einem unkomplizierten Fahrvergnügen verhilft auch der Tempomat mit Abstandsregler. Dieser passt sich automatisch der Geschwindigkeit des vorausfahrenden Autos an, sofern man nicht zum Überholen ansetzt. Wertvoll ist, gerade bei einem Auto dieser Größe, auch die Rückfahrkamera. Denn wo dieses schier endlos scheinende Auto im Rückspiegel endet, lässt sich auch für ein geschultes Auge manchmal nur erahnen.

Dass der Scénic doch mehr Van als SUV Coupé ist merkt man am Platzangebot. Hohes Dach, großer Radstand und tief gelegter Fahrzeugboden machen den elegant Van zu einem bequemen Auto, nicht nur im Fonds. Auch in der zweiten Reihe ist genug Knie- und Kopffreiheit, selbst für ausgewachsene Kinder. Nur in die dritte Reihe füllt man sich, falls genutzt, schon mal etwas eingepfercht.

Selbst über den Preis gibt es nichts zu meckern. Der startet bei 22.190. Auch die getestete Topversion dCi 160 EDC Bose ist mit fast 40.000 Euro, für die vielen Extras die geboten werden, im Rahmen.

Daten zum Testfahrzeug:
Typ: Renault Grand Scenic dCi 160
Hubraum: 1.598 ccm
Leistung: 160 PS (118 kw)
Drehmoment: 380 Newtonmeter
Beschleunigung: Von 0 auf 100: xx s
Testverbrauch: 5,9 Liter
C02-Ausstoß: 122 g/km
NoVA: 6 %
Kofferraumgröße: von 189 bis 1.773 Liter
Basispreis: 22.190 Euro
Basispreis Renault Grand Scenic Energy dCi 160 EDC Bose: 34.890 Euro
Preis Testauto Renault Grand Scenic Energy dCi 160 EDC Bose
inklusive den Ausstattungsoptionen Glaspanoramadach, Lederpolsterung, Bronze-Metallisee-Lackierung, Tempomat mit adaptiver Geschwindigkeitsregelung, aktiver Spurhalteassistent, Head-Up-Display und automatischer Abstandswarner, Sitzheizung vorne und Notrad: 39.161,40 Euro

Auto & Mobilität

Neuer Billigbus-Anbieter fährt Wien - Budapest

Deutschland vor Dieselfahrverboten – Österreich zittert

Auto & Mobilität

Deutschland vor Dieselfahrverboten – Österreich zittert

Auto & Mobilität

SsangYong Rexton: Der Geheimtipp unter den XL-SUVs