Tesla: Weltmarktführer im All - Verkaufsempfehlung für die Aktie

Tesla: Weltmarktführer im All - Verkaufsempfehlung für die Aktie

Große Pläne: Die Tesla-Produktion soll in wenigen Jahren von 84.000 auf 1 Millionen Stück steigen.

Der Elektroautobauer Tesla liefert ein Katastrophenergebnis ab, die Produktionsprobleme häufen sich und die Zahlen sind chronisch rot. Die Anleger bringt das nicht nennenswert aus der Ruhe, eine Verkaufsempfehlung gibt es trotzdem.

Diese Chuzpe muss man einmal haben. Elon Musk, Chef von Tesla, legt mit seinem Unternehmen den höchsten Quartalsverlust seiner Geschichte, und schießt zur selben Zeit - koste es scheinbar was es wolle - mit Hilfe einer Space-Rakete einen Roadster in den Orbit und schwebt nun im All. Die Anleger feierten es mit Kursgewinnen. Seltsam aber wahr.

675 Millionen Dollar Verlust in nur einem Quartal

Alles offenbar eine Frage der Perspektive. Die Anleger waren nach der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen diese Woche sogar erleichtert, hatten sie doch mit noch höheren Verlusten gerechnet. Ein richtiger Stein vom Herzen kann einem als Investor bei einem Rekordverlust von 675 Millionen Dollar wohl aber auch nicht so recht fallen. Das sieht auch Frank Schwope von der Nord/LB, einer der renommiertesten Autoaktien-Analysten Deutschlands, so und gab heute eine Verkaufsempfehlung für die Aktie des kalifornischen Elektroautoherstellers aus. Wenn auch der Umsatz mit 44 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar überraschend stark zulegte.

Produktionssprung von 84.000 auf 500.000 Stück geplant

Vor allem die letzten Monate lesen sich wie ein Report des Grauens. Seit Tesla im Juli begonnen hat das erste Massenmodell, das Model 3, zu produzieren, scheint einiges aus dem Ruder zu laufen. Die Produktion der Batterie dürfte, wie der US-Sender CNBC unter Berufung auf mehrere Mitarbeiter, alles andere als reibungslos funktionieren. Angeblich mussten im Dezember die Batterien für die Autos sogar noch immer händisch gefertigt werden. Andere wiederum behaupten gar defekte Batterien hätten das Werk verlassen, was Musk jedoch energisch dementierte. Laut Mitarbeitern sollen zudem teils völlig unerfahrene Kollegen Qualitätskontrolle durchführen. „Probleme beim Hochfahren der Produktion für das Model 3 mahnen zur Vorsicht“, so Autoanalyst Frank Schwope. Das Risiko offenbart sich schon an der enormen Produktionssteigerung, die Telsa geplant hat.

Produktion hinkt Zielen weit hinter

Zu Produktionsstart hat Marketing-Star Musk angekündigt 2018 rund 500.000 Stück zu produzieren, 2020 soll bereits die magische Marke von einer Million fallen. Was für ein Quantensprung die Ziele darstellen, zeigt das Vorjahr. In diesem wurden erst knapp 84.000 Autos gefertigt - und schon damals gab es immer wieder massive Produktionsverzögerungen. Musk will nun bis Ende des zweiten Quartals pro Woche 5.000. Bisher schafft das Werk nicht mehr als 2.500 Stück.

Technikvorsprung bei Batterie und automatisiertem Fahren schwindet

Doch nicht nur bei Qualität und Produktion kommt der Konzern derzeit ins Schleudern. Bei der Batterie-Reichweite hat Tesla bald keinen Vorsprung mehr gegenüber Verfolgern wie Nissan und General Motors. Wie weit der E-Autobauer mit den versprochenen Megachargern für das superschnelle Batterieladen ist, ist zudem nicht bekannt. Auch der sogenannte Autopilot, hat sich bisher nicht als das Gelbe vom Ei erwiesen. So hat in diesen Tagen in Kalifornien ein von einem Autopilot gesteuertes Tesla ein parkendes Feuerwehrwagen gerammt. Im Mai 2016 hatte es gar einen tödlichen Unfall mit einem per Autopilot fahrenden Tesla Model S gegeben. Der Autopilot, der genau genommen gar keiner ist, ist schon länger umstritten. Denn auch wenn es der Name suggeriert, ist es eben kein System zum komplett autonomen Fahren, sondern nur um ein Assistenzsystem, wenn auch ein recht weitreichendes und fortschrittliches. Allerdings müssen die Autofahrer im Notfall eingreifen und sind angehalten hinter dem Lenkrad zu sitzen.
Audi hat mit dem neuen A8 da längst aufgeholt und Tesla bei der Technik sogar überholt. Das deutsche Premiummodell kann im Level 3 bereits teilautomatisiert fahren. Laut dem Beratungsunternehmen Navigant Research hinkt Tesla Konkurrenten wie Ford, Bosch, Daimler, dem VW-Konzern und Volvo beim automatisierten Fahren bereits hinterher.

1,4 Milliarden Dollar versenkt

Ein weiterer Punkt der Anlegern zu denken geben sollte: Der Konzern braucht derzeit Unmengen an Barem, das nicht nur Einnahmen gedeckt ist: Im dritten Quartal hat der US-Autobauer 1,4 Milliarden Dollar an Cash „verbrannt“. Das Gesamtjahr 2017 versenkte das Unternehmen sogar wesentlich mehr Geld als 2016. Das Vorsteuerergebnis verschlechterte sich im Vorjahr von minus 746 Milliarden Dollar auf minus 2,2 Milliarden Dollar. Der Finanzinformationsdienstleister Bloomberg hat einmal errechnet, dass Tesla pro Minute 8.000 Dollar verbrennt.

"Operative Fakten machen skeptisch"

All das ruft Warner wie Schwope auf den Plan. „Die Entwicklung des Aktien-Kurses hängt davon ab, ob dem Unternehmen die Transformation vom kleinen Premium- Hersteller zum Massenhersteller im Millionen-Bereich schafft“, so der Autoaktien-Analyst. Zudem müsse der Konzern noch beweisen, dass er das Model 3 für netto 35.000 Dollar (rund 31.000 Euro) verkaufen kann, ohne es zu subventionieren. Derzeit kosten die Modelle des Konzerns im Schnitt 70.000 Dollar. Der Nord/LB-Analyst rechnet jedenfalls nicht vor dem Jahr 2020 mit schwarzen Zahlen. „Der Konzern verbrennt immer noch viel Geld und versucht, mit Marketing-Maßnahmen und euphorisch-übertriebenen Produktversprechungen von den operativen Problemen abzulenken“, sagt Schwope. Er bleibt daher ob der operativen Fakten des Unternehmens skeptisch und empfehlen die Tesla-Aktie zum Verkaufen.

Ungebrochener Optimismus der Anleger

Dem gegenüber stehen die Anleger, die in den vergangenen Jahren erheblich Geld in Tesla gebuttert haben. Der Kurs der Telsa-Aktie stieg in fünf Jahren um 855 Prozent. In den vergangenen schwierigen drei Monaten immerhin um 6,5 Prozent. Tesla ist an der Börse damit bereits rund 40 Milliarden Dollar wert. Die Aktie kostet am Donnerstag den 8. Februar 277 Dollar. Bisher spiegelte die hohe Bewertung die Realität des Unternehmens das aber nicht wieder. Schließlich hat Unternehmen bisher nur Verluste geschrieben. Doch an der Börse wird schließlich die Zukunft gehandelt. An großen Visionen hat es bisher nicht gemangelt. Je mehr Glücksritter daran glauben, umso höher der Aktienkurs noch lange bevor ein Erfolg möglicherweise Realität wird. Optimismus und große Visionen des Gründers alleine werden nicht reichen. Zwar hat Tesla bisher oft in letzter Minute doch noch seine Ziele erreicht, doch diesmal sammeln sich mehr Probleme auf einmal als je zuvor. Zumal auch das finanzielle Pulver für weitere angekündigte Modelle ziemlich verschossen sein dürfte.

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