Tesla Österreich-Chef Hammerl: "Wir sind ja schon ein bisserl provokant"

Tesla Österreich-Chef Hammerl: "Wir sind ja schon ein bisserl provokant"

Daniel Hammerl - Country Manager von Tesla Österreich

Der US-Autopionier Tesla Motors hat in Österreich sein erstes Innenstadt-Autohaus eröffnet. Der trend sprach mit Tesla-Österreich-Chef Daniel Hammerl über Preise, E-Mobilität, Konkurrenz, Subventionen und die Expansion.

Betritt man den neuen Tesla Store in der Wiener Wallnerstraße, kaum 100 Meter entfernt der Top-Einkaufsmeile Kohlmarkt, Graben und dem sogenannten "Golden Quarter", glaubt man zunächst ein Geschäft zu betreten, in dem es nicht nur Autos, sondern auch Software, Smartphones und Computer zu kaufen gibt. Ein Hauch von Apple ist unverkennbar in dem neuen Autohaus, das nun als Nachmieter in die einstige Postfiliale eingezogen ist. Das reduzierte Design der Verkaufstische zieren die kabellosen Mac-Computer samt Maus und Tastatur.

Der "Benzinbrüder-Charme" (samt Geruch; sic!) eines herkömmlichen Autohauses? Fehlanzeige! Was klarerweise daran liegt, dass die drei ausgestellten Automodelle des E-Autopioniers Tesla mit Elektromotoren angetrieben werden. Über der Mittelkonsole ist zudem schon von weitem ein 17-Zoll-Monitor-Bildschirm zu erkennen, der unverkennbar darauf hinweist, dass hier Auto und Computer eine Einheit bilden (sollen).

Mit der Eröffnung des Tesla Stores in Wien will der US-Autohersteller in Österreich neu durchstarten. Und weitere Tesla Stores sollen in Österreich heuer noch eröffnet werden. "Einen wollen wir in Salzburg heuer eröffnen", sagt Daniel Hammerl, Country-Manager von Tesla in Österreich. Rechtzeitig zum Verkauf des Model 3, das allerdings erst 2018 in Österreich erhältlich sein wird, will der US-E-Autopionier in Österreich seinen Direktvertrieb weiter ausgebaut haben. "Die Leute wollen das Auto anschauen, angreifen und rein sitzen - und wir wollen ihnen hier die Angst nehmen", sagt Hammerl. Es gilt mehr als nur ein Auto zu verkaufen.

Hammerl kam vor fast sieben Jahren von Nokia. "Per Zufall" ist er zu Tesla hinzu gestoßen, wie er im Gespräch mit trend.at erklärt. Kein Zufall sei die große Nachfrage nach den mit Elektromotor angetriebenen Tesla-Autos, die von unterschiedlichsten Kunden nachgefragt werden.

trend: Herr Hammerl, Sie haben mit dem Tesla Store in Wien nun quasi der Öffentlichkeit eine neue Marke gesetzt. Bleibt ihr Standort im 23. Bezirk erhalten?
Daniel Hammerl: Wir freuen uns natürlich, dass wir nun auch in zentraler Lage unseren Tesla Store eröffnen. Das Interesse an unseren Autos ist groß. Die Leute sollen die Autos auch einmal direkt vor Ort anschauen können, den Standort im 23. Bezirk werden wir weiterhin behalten.

trend: Sie haben hier drei Modelle ausgestellt - das Augenmerk fällt derzeit aber vor allem auf das Model 3, das sich vor allem in den USA einer großen Beliebtheit erfreut und erst heuer in den USA auf den Markt kommen soll. Wann werden Sie das Auto in Österreich ausliefern?
Hammerl: Die Nachfrage nach Modell 3 ist tatsächlich riesig. Die Produktion startet diesen Sommer, in Österreich werden wir es aber erst im Jahr 2018 auf den Markt bringen. Einen genauen Termin kann ich im Moment aber noch nichts sagen.

trend: Ist das realistisch angesichts der Tatsache, dass Tesla seine selbst gesteckten Absatzzahlen für 2016 von 80.000 Autos nicht erreicht hat, was auch ihr Konzern-Chef Elon Musk offiziell, unter anderem auch per Twitter, bestätigt hatte?
Hammerl: Wir haben die Produktionszahlen mit 76.230 Autos erreicht, wie auch Elon Musk gesagt hat. Es gab nur Probleme bei der Softwareumstellung von Autopilot 1 auf die nächste Version 2. Da haben wir etwas länger gebraucht, was zu einer leichten Verzögerung geführt hat. Dafür bekommen die Kunden einen leistungsfähigeren Autopiloten, unter anderem wurde die Zahl der Kameras von zwei auf acht erhöht, mehr Nahfeldsensoren eingebaut und der Rechner ist nun 30 mal so schnell wie das Vorgängermodell.

trend: Das heißt die aktuellen Automodelle S und der SUV Model X werden normal ausgeliefert? Wie lange muss der Kunde auf die Lieferung warten?
Hammerl: Die Nachfrage ist unverändert groß. Gegenüber dem Jahr 2015 war es ein Plus von 52 Prozent. Von der Bestellung bis zur Lieferung muss der Kunde derzeit zwischen drei und vier Monate rechnen.

trend: Wie viele Autos haben Sie voriges Jahr in Österreich verkauft und was ist ihr Ziel für das Jahr 2017?
Hammerl: Im Jahr 2016 haben wir 717 Autos ausgeliefert, was einem Plus von rund 60 Prozent entsprochen hat. Konkrete Planzahlen zu 2017 darf ich Ihnen nicht nennen. Klarerweise wollen wir auch heute wieder kräftig zulegen. Und das Potenzial ist gegeben, die Nachfrage ist sehr gut. Die Steigerung im Vorjahr stimmt uns optimistisch.

trend: Das heißt, dass sie locker weit über der 1000er Marke kalkulieren?
Hammerl: Wie gesagt, Zahlen darf ich Ihnen keine nennen, aber Österreich hat genug Potenzial für ein kräftiges Wachstum. Im Premium-Segment gibt es weiterhin kräftiges Wachstum.

trend: Wer sind Ihre Kunden?
Hammerl: Das sind Leute quer durch die Gesellschaft, aus allen Berufsgruppen, auch Leute, die ein sauberes Zweitauto haben wollen, aber auch Leute, die kein Auto haben und sagen: das will ich mir leisten, das ist eine gute Sache, ein Auto mit E-Motor ist eine saubere Sache und vor allem nachhaltig.

trend: Die allerdings viel Geld mitbringen müssen. Ihre drei Modelle, wie Sie hier stehen, sind Autos, die 80.000 Euro aufwärts kosten und somit alles andere als ein sogenannter 'Volkswagen' oder sagen wir ein 'Volksauto' werden können. Ich denke, das kann sich kaum ein Durchschnittbürger leisten. Da fällt auch eine Subvention von bis zu 4000 Euro kaum ins Gewicht, um ein Auto mit E-Antrieb zu kaufen.
Hammerl: Der Preis spielt in den Überlegungen schon eine Rolle, Rechnet man aber die Total Cost of Ownership, als die Gesamtkosten über einen Zeitraum von 15 Jahren oder mehr, dann sieht das anders aus. Auf die Akkus gibt es eine Garantie von acht Jahren, wir gehen von einer Lebensdauer von mindestens 15 Jahren aus. Wer eine vierstellige Spritrechnung pro Monat zu zahlen hat, überlegt sich schon, ob er umsteigt. Wir haben viele Kunden, die zuvor etwa einen großen Audi oder 5er BMW gefahren haben und nun gewechselt sind. Die Subventionen sind wichtig, um ein noch stärkeres Bewusstsein zu schaffen. Nur wegen der Subvention kauft sich kein Kunde ein E-Auto.

trend: Nach dem Preis ist die Reichweite ein weiteres Problem, das die Kaufentscheidung beeinflusst und gar die Leute abbiegen lässt, um kein E-Auto zu kaufen.
Hammerl: Unsere Autos kommen auf eine Reichweite von über 400 Kilometer etwa bei SUV Modell X. Aber es kommt freilich auf den rechten Fuß an, also auf das Fahrverhalten und die Geschwindigkeit. Der Fahrstil, ob man schnell fährt, viele Berge überquert, aber auch Kälte beeinflusst den Verbrauch. Aber das Auto kann überall, an jeder Netzsteckdose, aufgeladen werden.

trend: Sind die Reichweite und Ladezeit für Ihre Kunden genug?
Hammerl: Die Leute, die unsere Autos fahren, haben sich darauf eingestellt und sehen das nicht als Problem an. Und außerdem hat sich die Ladezeit drastisch verringert. An den Superchargern braucht es eine halbe Stunde bis die Akkus aufgeladen sind. Und nochmals: Es gibt einen Bedarf, das sehen wir an den Absatzzahlen. Wer kann schon mit Zuwachsraten von 60 Prozent aufwarten? Also: Wir dürften auch aus Sicht unserer Kunden einiges recht gut machen, auch wenn es bei den Ladestationen noch mehr Aktivität braucht, die aber auch vom politischen Willen abhängt.

trend: Sie haben mit ihrem Supercharger ein eigenes System von E-Tankstellen begonnen aufzubauen. Bei gerade elf Superchargern verteilt auf ganz Österreich ist das etwas dünn. Werden Sie das Netz ausbauen, gegebenenfalls ein eigenes Netz mit eigenem Standard aufbauen?
Hammerl: Im abgelaufenen Jahr haben wir drei weitere Standorte aufgebaut. Und auch heuer werden noch einige dazu kommen. Aber: Wir wollen keinen eigenen Standard schaffen, das ist nicht zielführend. Es muss möglich werden, dass die Zahl der Ladestationen insgesamt in Österreich gesteigert wird, nicht nur in Parkhäusern, wo Autofahrer zusätzlich Parkgebühren zahlen müssen, sondern auch flächendeckend österreichweit. Und dafür braucht es auch einen politischen Willen. An den Autobahnraststätten ist das schwierig, weil da die Ölkonzerne ihre Interessen haben. Was politisch möglich ist, zeigt etwa das Beispiel Amsterdam, die Stadt der Fahrräder. Dennoch: Dort werden in der ganzen Stadt Ladestationen gebaut. Und das hilft der Verbreitung von E-Autos überhaupt.

trend: Sie provozieren und fordern quasi als Newcomer eine alt eingesessene Branche mit starken Lobbyisten heraus, dass das Bauen von E-Autos möglich ist, dass Auto sogar über einen Computer gesteuert werden kann und alleine, ohne Lenker, autonom fährt. Allerdings: Der tödliche Unfall, als im Sommer 2016 ein Tesla-Fahrer in den USA ungebremst in einen LKW hineingerast ist, weil das Auto im Selbstfahrmodus gefahren ist und seine Sensoren das Hindernis LKW nicht erkannt haben, ging um die ganze Welt. Ist die Technik noch nicht ausgereift?
Hammerl: Das war tragisch. Aber wir sprechen beim Autonomen Fahren immer von Assisted Driving. Das Auto fährt dabei nicht im Selbstfahrmodus. Der Fahrer bekommt immer Warnmeldungen und Hinweise, wenn er die Hände vom Lenkrad nimmt. Wenn er sich darüber hinwegsetzt, diese Steuerungs- und Warnhinweise ignoriert, sich aber auf andere Dinge konzentriert, gar neben dem Autofahren Filme oder Videos schaut, dann ist das halt gefährlich. Und das ist auch nicht der Sinn. Und eines zu den Unfällen: Die Zahl der Unfälle mit Tesla-Autos ist prozentual weit niedriger als bei Crashes herkömmlicher Autos.

trend: Nochmals zu ihrem neuen Standort: Autohäuser haben sich üblicherweise in Wien an der Ringstraße und nicht in der Innenstadt angesiedelt direkt neben einer Fußgängerzone - was versprechen Sie sich davon?
Hammerl: Ich habe die Location schon lange im Visier gehabt. Und ich denke, dass der Standort optimal ist, die Leute hier auch mal schnell vorbeischauen, sich informieren, auch wenn sie nicht gleich kaufen wollen. Dann kommen sie später wieder. Und kaufen. Ich kenne die Gegend ja in- und auswendig. Alleine die Geschichte des Hauses hat ja immer wieder viel Diskussionsstoff und Kontroversen hergegeben. Und das passt ja auch zu uns, zu Tesla, wo wir im Vergleich zur Branche einen etwas anderen Weg gehen. Und ehrlich: Wir sind ja schon auch ein bisserl provokant.

trend: Ein Geschäft alleine gibt ja auf Dauer noch nicht viel her, vor allem wenn Tesla heuer die Produktion von rund 80.000 auf eine halbe Million steigern will. Bleibt es beim Direktvertrieb, werden Sie in diesem Jahr dann noch weitere Geschäfte eröffnen?
Hammerl: Wir haben natürlich ambitionierte Ziele und schauen uns auch nach weiteren, geeigneten Locations um. In Salzburg werden wir neben dem derzeitigen kleinen Standort einen weiteren eröffnen. Wo das sein wird kann ich noch nicht sagen. Eines kann ich nur sagen: Der Standort muss wie in Wien passen.

trend: Und weiter im Westen - etwa in Innsbruck?
Hammerl: Logischerweise wollen wir auch weiter in Richtung Westen expandieren. Wohin wir gehen, das werden wir sehen.


Zur Person

Daniel Hammerl ist seit dem Jahr 2011 bei Tesla. Per Zufall ist er eigenen Angaben zufolge bei Tesla eingestiegen. Der Betriebswirt war zuvor über drei Jahre bei Nokia, davor war er von 2004 bis 2007 im Produktmarketing der Telekom Austria tätig. In einem "One-Man-Büro" habe er im Jahr 2014 in Wien die Dependance des US-Elektro-Autopioniers gestartet. Im 23. Wiener Gemeindebezirk folgt bald danach die erste Niederlassung mit Schauraum und Servicestelle.

Tesla Motors

Der im Jahr 2003 in Palo Alto im Silicon Valley gegründete E-Autohersteller hat im Jahr 2015 rund vier Milliarden Dollar Umsatz erzielt. Vier Fahrzeugmodelle hat das Unternehmen bisher hervorgebracht.

Der Tesla Roadster wurde im Juni 2006 nach dreijähriger Entwicklung auf den Markt gebracht. Das Nachfolgemodell ist der das Model S, das im Oktober 2012 erstmals ausgeliefert wurde. Ein SUV als drittes Modell aus dem Hause Tesla wurde von Tesla-Gründer und CEO Elon Musk schon im Jahr 2010 angekündigt. Die Markteinführung ist nach mehrmaliger Verschiebung erst Ende September 2015 erfolgt.

Das vierte Modell, das Modell 3, soll den Massenmarkt für Tesla öffnen. Das Auto wird in der zweiten Jahreshälfte in den USA ausgeliefert. In Europa soll der Marktstart 2018 erfolgen.

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