Tesla Model Y - Elon Musks nächste große Wette

Tesla Model Y

Tesla Model Y

Elektroauto-Pionier Tesla hat sein nächstes Modell präsentiert - den Model Y, einen SUV auf Basis des Model 3. Tesla CEO Elon Musk will damit die Kunden en masse begeistern.

Mit einer wie üblich großen Show hat Elon Musk das nächste Modell in der Produktpalette des Elektroauto-Spezialisten Tesla präsentiert: Den Model Y, einen SUV auf Basis des aktuellen Hoffnungsträgers Model 3.

Obwohl SUVs - wie man auch bei Tesla weiß - rein von ihrem Konzept gesehen die am wenigsten ökologische Form eines PKWs sind, führt offenbar auch in der Mittelklasse kein Weg an einem entsprechenden Modell vorbei, will man die Kunden in großem Stil ansprechen. Der Model Y soll daher für Tesla das richten, was der Model 3, von dem in Österreich eben erst die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden, entgegen aller Hoffnungen vielleicht doch nicht erfüllen kann: Dem Elektroauto den Durchbruch in der breiten Käuferschicht unterhalb des Luxus-Segments ebnen.

Eine Wette auf die Zukunft

Doch es ist wie so oft bei Tesla: Was vielversprechend klingt, ist mit hohen Risiken und Fragezeichen verbunden. Fest steht: Tesla ist schon mit seiner bestehenden Produktpalette immens im Stress und steht massiv unter Druck. Immer größer werden die Befürchtungen, dass Tesla sich übernehmen könnte.

Der Model 3 brachte das Unternehmen bereits ans Limit. Das Auto wurde im März 2016 erstmals präsentiert. Bis zum Produktionsstart vergingen eineinhalb Jahre und in vielen Ländern wie auch in Österreich dauerte es weitere eineinhalb Jahre, bis die ersten Autos verfügbar wurden.

Tesla Model Y

Tesla Model Y

Starke Nerven brauchten da nicht nur die Kunden, die jeweils 1.000 Euro als Anzahlung geleistet hatten, sondern auch Tesla selbst. Elon Musk sprach im Zusammenhang mit dem Model 3 wiederholt von einer "Produktionshölle" und räumte ein, dass die Firma zwischenzeitlich kurz vor der Pleite stand.


Tesla Model Y

Technische Details

  • Preis: ab 39.000 $
  • Produktionsstart: Herbst 2020
  • Reichweite: Standardmodell 390 km, Long-Range-Modell 540 km
  • Beschleunigung: 3,7 s 0-100 km/h
  • Höchstgeschwindigkeit: 241 km/h
  • Antrieb: Hinterrad (Standard) oder Allrad Dual-Motor
  • Sitzplätze: bis zu 7
  • Ladung: Supercharging (Pay-Per-Use)
  • Informationen und Vorbestellung: tesla.com/de_DE

Inzwischen läuft die Produktion zwar, doch der Druck auf das Unternehmen wurde kaum geringer. Tesla kam in Geldnot, binnen einiger Monate gab es zwei große Kündigungsrunden, zahlreiche Tesla-Geschäfte wurden oder sollen noch geschlossen und der Verkauf zurück uns Internet verlagert werden.

Dazu kommen die Reibereien zwischen Tesla und der US-Börsenaufsicht SEC. Musk hatte via Twitter erklärt, Tesla von der Börse nehmen zu wollen, die SEC forderte darauf Konsequenzen. Musk musste unter anderem den Chefposten im Tesla-Verwaltungsrat aufgeben. Anleger Klagen wollen zudem gerichtlich ein permanentes Verbot von Musks "unkontrolliertem Gebrauch von Twitter für fehlerhafte Statements über das Unternehmen" erreichen.

Das lastet auch auf dem Aktienkurs. Die Tesla-Aktie (ISIN US88160R1014) hat im laufenden Jahr bereits 13 Prozent an Wert verloren, vom 52-Wochen Hoch (397,57 $) ist man mittlerweile weit entfernt. Nach der Präsentation eröffnete die Aktie bei 292,45 $. Zumindest ein kleines Plus ist sich ausgegangen, die Euphorie früherer Tage ist jedoch vorüber, die Aktie zwischen Höhenflügen und Abstürzen hin und hergerissen und ein spekulativer Titel (siehe Chart).

Tesla-Aktie, ISIN US88160R1014, 5-Jahres-Entwicklung. Für aktuelle Kursinformationen bitte auf den Chart klicken.

Tesla-Aktie, ISIN US88160R1014, 5-Jahres-Entwicklung. Für aktuelle Kursinformationen bitte auf den Chart klicken.

Präsentation mit Pauken und Trompeten

Die Präsentation des Model Y in Los Angeles war hingegen ein Heimspiel für Elon Musk: Der Tesla-Chef wurde mit tosendem Applaus begrüßt, als er zum Right-Said-Fred-Song "I'm too sexy" die Bühne betritt. Verabschiedet wird er hinterher mit "Elon, Elon, Elon!"-Sprechchören.

"Vor elf Jahren haben wir im wahrsten Sinne des Wortes ein einziges Auto hergestellt und in einem Jahr wird es eine Million sein", kündigte Musk an, ehe der neue SUV auf die Bühne fuhr. Ab 2020 soll er produziert werden und alles übertreffen wird, was es je an Nachfrage nach Tesla-Autos gegeben hat: "Wir werden wahrscheinlich mehr Model Y bauen als Model S, X und 3 zusammen".

Tesla Model Y

Tesla Model Y

Der Model Y wird quasi die Jedermann-Version des Luxus-Vehikels Model X sein. Er soll eine Reichweite von bis zu 480 Kilometern pro Batterieladung schaffen und zum Einstiegspreis von 39.000 Dollar vor Steuern und E-Autoprämien bis zu sieben Insassen Platz bieten. Für Tesla ist der Model Y auch deshalb wichtig, weil er weitgehend aus den gleichen Teilen wie der Model 3 gefertigt werden soll, was eine einfache und kostengünstige Produktion erwarten lässt.

Teslas eigentliche Bewährungsprobe wird jedoch sein, tatsächlich liefern zu können. Und sich mit dem Model Y auch gegen die Angebote der anderen Hersteller durchsetzen zu können. Der Pionier-Status wird Tesla dabei nur noch wenig helfen, denn nahezu alle etablierten Autohersteller der Welt haben mittlerweile auf den E-Auto-Kurs eingeschwenkt und werden zeitnah zum Verkaufsstart des Model Y eigene Angebote bieten. Auch die großen deutschen Automobilhersteller, denen in den letzten Jahren immer wieder vorgehalten wurde, den E-Auto-Trend "verschlafen" zu haben.

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