Studie belegt: Realer Spritverbrauch weit über Herstellerangaben

Studie belegt: Realer Spritverbrauch weit über Herstellerangaben

Realistische Verbrauchsangaben von Fahrzeugkategorie und Kraftstoffarten bieten neue Entscheidungsgrundlagen für den Autokauf.

Der Spritverbrauch vieler Autos ist noch viel höher als bisher angenommen. Einer Analyse von Verbrauchsdaten von über 92.000 Fahrzeugen über einen Zeitraum von drei Jahren zeigt, dass sie je nach Antriebsart bis zu 200 Prozent mehr Sprit verbrauchen von den Herstellern angegeben ist. Vor allem Hybrid-Autos sind bei weitem nicht so umweltfreundlich wie angenommen. Im September kommt mit dem ab dann verpflichtenden WLTP-Messverfahren die Stunde der Wahrheit.

Die Treibstoffkosten zählen zu den wichtigsten Kostenfaktoren von Autos. Sie machen im Schnitt 25 bis 30 Prozent der Gesamtkosten der Fahrzeuge aus. Wer bisher in ein vermeintlich spritsparendes Modell investierte, erlebte allerdings so manches Wunder. Die offiziellen Verbrauchsangaben der Hersteller waren nämlich von der Realität meist meilenweit entfernt.

Das lag am bisher zur Bestimmung der Verbrauchsangaben durchgeführten Messungen gemäß der NEFZ-Richtlinie (Neuer Europäischer Fahrzyklus), die seit 1997 galt. Dabei musste der Kraftstoffverbrauch aus der Abgasmenge berechnet werden, die im Fahrzyklus der Abgasnorm ermittelt wird. Das ändert sich nun mit der Einführung des neuen, realitätsnäheren WLTP-Abgastests (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure), der ab September 2018 bei Neuzulassungen angewandt werden muss.

Verbrauch zwischen 36 und 194 Prozent über den Angaben

Wie stark der künftig mittels WLTP gemessene Verbrauch von den NEFZ-Messungen abweicht, wird sich erst langsam zeigen. Experten schätzen aber, dass die offiziellen Herstellerangaben über den Spritverbrauch ihrer Fahrzeuge nach der Umstellung auf den neuen Messzyklus um rund 20 Prozent steigen werden.

Mit 1. September 2018 löst WLTP den seit 1992 gültigen NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) für Typgenehmigungen schrittweise ab.

Einer nun vorgelegten Studie von des europäischen Fuhrparkmanagers Arval zufolge könnte der reale Spritverbrauch aber noch deutlich höher sein. Eine breit angelegten Untersuchung des Fuhrparkmanagers über dessen gesamten europäischen Fuhrpark zeigt, dass der tatsächliche Spritverbrauch der Fahrzeuge zwischen 36 Prozent und 194 Prozent über den Herstellerangaben liegt.

Arval hat dafür den Spritverbrauch von 92.000 Pkw und Lkw der eigenen europäischen Flotte über einen Zeitraum von drei Jahren dokumentiert und analysiert. 72 Prozent davon waren Pkw, 17 Prozent Nutzfahrzeuge und elf Prozent Pkw-basierte Nutzfahrzeuge. Darunter waren 78.300 Dieselautos, 8.000 Benziner, 3.100 Vollhybridmodelle und 2.200 Plug-In-Hybride. Getankt wurden 270 Millionen Liter Kraftstoff. Im Schnitt lag der reale Verbrauch um beträchtliche 40 Prozent über den Hersteller-Angaben. Das bedeutet: Für je zehn Liter Sprit, müssen zusätzlich vier Liter gekauft werden.

Diesel braucht um 20 Prozent weniger Sprit als Benziner

Der Verbrauch von Dieselfahrzeugen dabei liegt um rund 20 Prozent unter den benzingetriebenen Fahrzeugen. Das ist gemessen am Ausstoß des Treibhausgases CO2 ein erheblicher Vorteil ist. Diesel-Fahrzeuge schneiden in diesem Punkt um 8,5 Prozent besser ab als Benziner. Die Crux beim Diesel ist allerdings der Stickoxid-Ausstoß (NOx): Diesel-Fahrzeuge weisen einen um bis zu 750 Prozent höheren NOx-Wert auf als erlaubt.

Den höchsten Kraftstoffverbrauch haben der Studie zufolge Benziner. Die Abweichung von den bisherigen NEFZ-Angaben waren dafür aber bei diesen am geringsten. Eine Schlussfolgerung, die Arval daraus zieht: Wenn die Jahreskilometerleistung einen bestimmten Schwellenwert nicht überschreitet, ist Benzin häufig sehr wertvoll und sogar eine billigere und sauberere Alternative zu Diesel. Besonders dann, wenn es mit umweltbewusstem Fahren kombiniert wird.

Bei Benzinautos weichen die bisherigen Angaben auch bei Stadtautos (+43 Prozent) und Kleinwagen (+41 Prozent) am stärksten ab. So braucht ein benzinbetriebener Kleinwagen durchschnittlich 6,75 Liter auf 100 Kilometer.

Keine Kraftstoffart braucht so viel Sprit wie Benziner. Stadtautos und Kleinwagen brauchen wesentlich mehr als laut Normzyklus NEFZ angegeben.

Stadtautos und Kleinwagen brauchen über alle Kraftstoffarten deutlich mehr Sprit als Labortests glauben ließen

Kleinwägen, die bisher das Image hatten, viel weniger Sprit zu brauchen als große, trifft die WLTP-gemessene Realität am härtesten. Der tatsächliche Spritverbrauch liegt sowohl bei Kleinwägen als auch bei Stadtautos um 46 Prozent über den Herstellerangaben. Stadtautos verbrauchen mit einem - von Arval über alle Energieformen ermittelten - Durchschnittsverbrauch von 5,73 Liter sogar mehr Sprit als Mittelklassewägen (5,58 Liter); siehe untenstehende Grafik.

Da ist auch der Unterschied zu Oberklassenmodellen, die deren Verbrauch nei 5,991 Liter liegt, nicht allzu groß. Luxuswagen (7,01 Liter Realverbrauch) brauchen laut Arval-Studie um 39 Prozent mehr Sprit als angegeben. Am realistischen sind schon bisher die Angaben bei Allrad-Modellen und Pick-ups. Der tatsächliche Kraftstoffverbrauch weicht bei diesen Fahrzeigen mit 9,45 Liter Realverbrauch nur um knapp ein Viertel (24 Prozent) vom bisher offiziell angegebenen bisherigen Verbrauch ab.

Durchschnittlicher tatsächlicher Kraftstoffverbrauch je Autosegment. Analysiert wurden der Verbrauch von mehr als 90.000 Autos.

Hybride enttäuschen bei Spritangaben besonders

Am meisten differieren der Untersuchung zufolge die Angaben zwischen dem alten Abgastest NEFZ und den Echtverbrauchsmessungen bei Hybridautos. Laut dem NEFZ-Messzyklus benötigen Hybridmodelle durchschnittlich nur 3,02 Liter Sprit auf 100 Kilometer. Die Analysen der Daten von Arval ergaben jedoch 5,63 Liter - was einem Mehrverbrauch von von 51 Prozent gleichkommt.

Plug-In-Hybride, deren Strombatterie zum Aufladen an die Steckdose angeschlossen werden muss, benötigen laut Arval-Check im Echtbetrieb sogar um 194 Prozent mehr als in den offiziellen Messanalysen nach NEFZ angegeben ist. So beträgt der Verbrauch nach NEFZ 1,86 Liter auf 100 Kilometer. Den Analysen der Avral-Plug-In-Hybrid-Flotte - immerhin 2.200 Autos - sind es aber bei Benzinern mit Plug-in-Hybriden 5,58 Liter auf 100 Kilometer.

Hybrid-Fahrzeuge brauchen im Schnitt im Echttest 5,63 Liter pro 100 Kilometer. Viel mehr als die bisherigen offiziellen Angaben, aber bei moderater Fahrzweise noch immer weniger als Benziner und Dieselautos.

Ein Grund für den großen Unterschied bei den Angaben ist die veraltete Sprit-Messmethode für Hybrid-Modelle: Im bisherigen Testverfahren wurde eine Elektro-Reichweite von 40 Kilometer angenommen. Die offiziellen Zahlen in Bezug auf eine Fahrt sind daher ungeachtet der Länge unrealistisch.

Ein zweiter Grund warum Realität und Laborwerte nichts miteinander zu tun haben: Gerade bei Hybrid-Modellen kommt es extrem auf die Fahrweise an. Und bei Plug-In-Hybriden zählt auch, wie oft die Autos tatsächlich geladen werden. Nicht aufgeladen transportiert man eine schwere Batterie, die zusätzlich Sprit verbraucht. Eine Mindestaufladung ist erforderlich, um mit einem Hybrid-Auto überhaupt bessere Ergebnisse als mit einem Benziner oder Diesel erreichen zu können, doch die ist gerade bei Fuhrpark-Autos oft nicht gewährleistet.

Diesel-Plug-in-Hybride am treibstoffeffizientesten

Dennoch sind Plug-in-Hybride, die neben Strom mit Diesel betrieben werden, derzeit die energieeffizienteste Fahrzeugkategorie - ungeachtet der Differenz von bis zu 200 Prozent zum offiziell angegebenen Spritverbrauch. Die Autos brauchen, gemessen am Spritverbrauch der Arval-Flotte, nur 4,99 Liter auf 100 Kilometer. Keine andere Kategorie schafft ähnlich günstige Verbrauchswerte. Auch Hybrid-Diesel sind mit einem Verbrauch von 5,71 Liter gut unterwegs.

Im Schnitt liegt der Verbrauch von Hybrid-Autos bei 5,63 Liter. Damit sind sie aktuell die wirtschaftlichste Wahl und Hybrid-Antriebe werden als wichtigste Antriebe der kommenden zwei, drei Jahren eingestuft. Zumal in der beliebten Kategorie der Hybrid-SUVs der Verbrauch im Verhältnis zur Größe noch geringer ist.

Ein weiteres Argument für Hybridmodelle: Autos mit Elektroantrieb sind in Bezug auf ihre Energieeffizienz unübertroffen. Bis zu 80 Prozent der Energie einer Batterie wird direkt auf das Fahrzeug übertragen, um den Motor anzutreiben. Bei benzinbetriebenen Fahrzeugen liegt dieser Wert höchstens zwischen 14 und 26 Prozent.

Je geringer die gefahrenen Kilometer pro Jahr, desto größer der Spritverbrauch

Die Kilometerleistung pro Jahr hat auch wesentliche Auswirkungen auf den Kraftstoffverbrauch. „Je mehr pro Jahr gefahren wird, desto niedriger der Kraftstoffverbrauch“, so Arval in der Studie. Das liegt vor allem an den längeren Distanzen, die bei einem gleichmäßigen Tempo zurückgelegt werden.

Wer weniger als 5.000 Killometer (dunkelgrüner Balken) pro Jahr zurücklegt, braucht im Schnitt 7,8 Liter auf 100 Kilometer. Wer über 40.000 Kilometer fährt (oranger Balken) braucht nur 5,63 Liter.

Kleine Nutzfahrzeuge verbrauchen übrigens laut Studie im Schnitt 6,81 Liter Treibstoff auf 100 Kilometer und nicht wie bisher angegeben 2,11 Liter, große Nutzfahrzeuge 9,08 Liter (Plus 32 Prozent).

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