Stickoxide ade? Was die Diesel-Nachrüstung mit Katalysator taugt

Stickoxide ade? Was die Diesel-Nachrüstung mit Katalysator taugt

Derzeit wird heftig darüber diskutiert, wer die Nachrüstung von Dieselautos mit einem SCR-Katalysator zahlt. Trend.at sprach mit Arbö-Cheftechniker Erich Groiss was die Technik überhaupt bringt und ob damit für Leistung und Verbrauch Nachteile verbunden sind.

Derzeit wird darüber diskutiert, Dieselautos, die nicht der Euro-6-Norm entsprechen, mit einem sogenannten SCR-Katalysator auszurüsten. Diese Technik soll den Stickoxid-Ausstoß drastisch reduzieren.

Die große Frage ist jedoch: Wer übernimmt die Kosten für die Nachrüstung von Dieselautos? Die SPÖ spricht sich zwar dafür aus, dass Fahrzeugbesitzer nicht zur Kasse gebeten werden, will die Kosten aber auch nicht der Allgemeinheit aufbürden. Laut ÖVP müsse man erst darüber diskutieren, in welchem Verhältnis die Einzahlungen von Autofirmen und Staat stehen sollen - und ob man überhaupt Steuergeld dafür in die Hand nehmen soll.

Doch was bringt der Einbau eines SCR-Katalysators überhaupt? Trend.at sprach dazu mit Arbö-Cheftechniker Groiss.

Wie funktioniert ein SCR-Katalysator?
Groiss: Um die gesundheitsschädlichen Stickoxide zu reduzieren, muss AdBlue-Flüssigkeit, das ist eine unschädliche hochreine Harnstoff-Lösung, in den Abgasstrang eingespritzt werden. Durch die Verbrennung von Sprit entstehen Stickoxide (NOx), die im SCR-Katalysator (SCR=selektive katalytische Reduktion) mit Hilfe des Ammoniaks aus dem Harnstoff in harmlosen Stickstoff und Wasserdampf verwandelt wird. Stickoxide werden so stark reduziert.

Welche Autos kommen überhaupt für den Einbau eines SCR-Katalysators in Frage?
Groiss: Alle Modelle, die der Euro-Norm-5 entsprechen. Bei älteren Modellen fehlen die elektronischen Voraussetzungen dafür, da für die Funktion nicht nur eine Hardware notwendig ist, sondern auch eine Software, die die Feinabstimmung der AdBlue-Menge steuert.

Reicht nicht ein Software-Update aus, wie es VW bei seinen vom Dieselskandal betroffenen Autos verwendet hat? Groiss: Bei diesen Software-Updates wurden gerade einmal der von den Herstellern (Anm. Red. ohne Schummelsoftware) angegebenen Stickoxid-Ausstoß erreicht. Mehr als eine Reduktion der Stickoxide von 30 Prozent sind bei einem Software-Update nicht drinnen.

Wie stark sinkt der N0x-Ausstoß durch einen SCR-Katalysator ?
Groiss: Da kommt hinten fasst nur noch saubere Luft heraus. Das Ergebnis nach dem Einbau eines Katalysators liegt bei rund 90 Prozent. Ein solch gutes Ergebnis ist ohne Hardware nicht möglich.

Sinkt mit dem Einbau des Katalysators steigt der Verbrauch?
Groiss: Es kommt zwar durch dein Einbau des Katalysators zu mehr Gegenstau in der Verbrennungsphase, aber der Verbrauch steigt dadurch nur minimal. Etwa im Schnitt nur um zwei Prozent. Aber das steht in keinem Verhältnis zum starken Rückgang des äußerst gesundheitsschädlichen NOx, den der SCR-Kat bewirkt.

Besteht die Gefahr, dass die Leistungsfähigkeit durch den Einbau dieser Hardware des Motors sinkt? Wir konnten das leider zwar selbst noch nicht testen. Aber mir ist kein einziger Fall bekannt, indem es zu einer geringeren Leistung gekommen ist.

Sind bei Modellen, die die strenge Euro-6- Norm erfüllen, solche Katalysatoren eingebaut?
Groiss: Im Grund ja. Sonst wären die neuen Modelle mit Dieselantrieb, die ab September 2018 in Kraft treten, die strengeren und realistischeren Abgasprüfmodi, chancenlos. Denn Diesel dürfen ab diesem Zeitpunkt, trotz verschärfter Abgastests, den aktuelle Limit von 80 Milligramm NOx pro Kilometer nicht überschreiten.

Bei den Modellen, die mit der Euro-6-Norm ausgestattet sind, kommen die SCR-Kats direkt von den jeweiligen Herstellern, beziehungsweise deren Zulieferern. Wer bietet für die älteren Euro-5-Modelle Katalysatoren an?
Groiss: Die Hersteller haben in ihren neuen Diesel-Modellen Katalysatoren eingebaut, die exakt auf ihre jeweiligen Modelle abgestimmt sind. Denn es geht bei diesen Katalysatoren stets darum die richtige Menge AdBlue zuzuführen, um die Stickoxide so gut als möglich, zu eliminieren. Für die Nachrüstung verschiedener Marken und Modelle, sind deren Katalysatoren daher nicht geeignet.

Gibt es Unternehmen, die für verschiedene Marken und Modelle Katalysatoren herstellen können?
Groiss: Bisher ist dazu die Firma Baumot, ehemalige Twintech Katalysatoren, in der Lage ein universell in allen Modellen einsetzbare Lösung anzubieten. Sie stellt Katalysatoren her, die für alle gängigen Marken und Modelle geeignet sind und übernimmt dann auch noch die Feinjustierung für die einzelnen Modelle.

Was kostet ein solcher später eingebauter Katalysator voraussichtlich?
Groiss: Im Schnitt dürften diese pro Auto, je nach Größe, zwischen 1.500 und 2.500 Euro liegen. Für größere SUVs beispielsweise, wird es aber wohl teurer. Aber noch ist das Unternehmen nicht in Großproduktion gegangen. Die Preise dürften deshalb wahrscheinlich insgesamt noch sinken.

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