Steuerpaket 2020: Neuer Schwung für E-Bikes erwartet

Fahrrad- und E-Bike-Produktion am laufenden Band in der neuen KTM-Fabrik in Mattighofen.

Fahrrad- und E-Bike-Produktion am laufenden Band in der neuen KTM-Fabrik in Mattighofen.

Eine Woche vor der Nationalratswahl wurde vom Parlament im Rahmen des Steuerreformpakets die Vorsteuerabzugsmöglichkeit für Elektro-Fahrräder beschlossen. Das dürfte die Nachfrage weiter ankurbeln.

Als "größte real existierende Elektromobilität" hatte Stefan Limbrunner, Geschäftsführer des größten österreichischen Fahrrad-Herstellers, der KTM Fahrrad GmbH mit Sitz in Mattighofen, die immer populärer werdenden E-Bikes (Fahrräder mit E-Motor-Unterstützung) schon seit geraumer Zeit bezeichnet. Nicht ohne Grund, geht doch die Zahl der jährlich in Österreich verkauften E-Bikes mittlerweile in Richtung 100.000 Stück - je nach Zählweise sogar deutlich darüber.

Im letzten Jahrzehnt sind Elektroantriebe für Fahrräder von einer Ausnahmeerscheinung zu einer Normalität geworden und die Nachfrage ist so groß, dass die Hersteller kaum mehr mit der Produktion nachkommen. Viele Modelle sind ausverkauft, noch ehe die Produktion überhaupt angelaufen ist, Kunden und Händler müssen oft mit monatelangen Lieferzeiten rechnen. "Wir haben in den ersten vier Wochen des neuen Geschäftsjahres mehr Räder verkauft als im Gesamtjahr 2018", sagt Limbrunner.

Dem anhaltenden E-Bike-Boom und der weiterhin steigenden Nachfrage Rechnung tragend hat KTM im vergangenen Jahr auch kräftig investiert und in Mattighofen zehn Millionen Euro in eine neue E-Bike-Fertigung investiert, in der Ende August die Produktion aufgenommen wurde. "Wir haben jetzt die modernste Fahrrad-Produktion in Österreich, wenn nicht sogar in Europa", sagt Limbrunner stolz. 1.000 Fahrräder - der Großteil davon mittlerweile E-Bikes - können nun pro Tag montiert und ausgeliefert werden.

Neue Bestimmungen ab 2020

Und die Nachfrage könnte demnächst einen weiteren Schub bekommen, denn in einer der letzten Sitzungen vor der Nationalratswahl 2019 hat der Nationalrat beschlossen, per 1. Jänner 2020 die Möglichkeit des Vorsteuerabzugs für gewerblich oder dienstlich genutzte Elektro-Fahrräder, E-Mopeds und E-Motorräder einzuführen.

Ebenfalls beschlossen wurde die Verordnungsermächtigung für den Finanzminister, den Sachbezug für Elektro-Fahrräder und Fahrräder zu regeln. Wenn nun auch noch die Sachbezugwerteverordnung so geändert wird, dass sie analog zu den Elektroautos auch für Elektro-Fahrräder gilt, dann wäre auch die lohnsteuerfreie Privatnutzung der Dienst-Elektro-Fahrräder möglich. Elektro-Fahrräder wären somit E-Pkws gleichgestellt und eine lange und oft wiederholte Forderung der Fahrrad-Branche und des Handels erfüllt.

Elektrofahrräder haben schließlich in den vergangenen Jahren in verschiedensten Formen und Ausprägungen in der Wirtschaft Einzug gehalten. So sind sie etwa von den vielfältigen innerstädtischen Liefer- und Zustelldiensten nicht mehr wegzudenken. Als Lastenfahrräder kommen sie bei Paketzustelldiensten, der Post oder Botendiensten zum Einsatz, als wendigere E-Bikes bei den populären Essen-Lieferanten oder auch in größeren Unternehmen und deren Werken, wo sie zum Beispiel von Service-Mitarbeitern für Wege am Firmengelände genutzt werden.

Steuervorteil als Kaufanreiz

Der durchschnittliche Verkaufspreis eines Elektro-Fahrrads liegt aktuell bei etwa 2.700 Euro, die steuerliche Absetzbarkeit würde daher für die Unternehmen eine Entlastung von etwa 450 Euro pro gekauftem Rad bringen.

In der Branche rechnet man damit, dass der geringere reale Kaufpreis die Nachfrage weiter ankurbeln wird. Österreichweit könnten durch den neuen Steuervorteil bis 2025 zusätzlich gut 100.000 Elektro-Fahrräder in allen möglichen Varianten verkauft werden - mit einem nachhaltigen Effekt auf die CO2 -Bilanz: bis zu 250.000 Tonnen des Treibhausgases würden dadurch eingespart.

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