So will die voestalpine durch schwieriges Fahrwasser steuern

So will die voestalpine durch schwieriges Fahrwasser steuern

Automotive: Ein wichtiger Umsatzbringer, der bei ablaufender Konjunktur besonders leidet.

Wie der neue voestalpine-Boss Herbert Eibensteiner der Konjunktur- und Autoflaute trotzen will, warum er die Zukunft von E-Autos nicht ganz einfach einschätzt, wie bei der Stahlproduktion der CO2-Ausstoß massiv gedrosselt werden soll und wo das Unternehmen unbedingt dabei sein soll.

Der neue Chef der voestalpine, Herbert Eibensteiner, bereitet seinen Stahlkonzern auf ein schwieriges Jahr vor. „Das reduzierte Wachstum veranlasst uns Kosten,Volumen und Cashflow anzupassen“, so Eibensteiner anlässlich einer Unternehmenspräsentation. Die Kosten sollen jährlich um 100 Millionen Euro sinken. Eine der Folgen: An der Börse hinterlassen die wirtschaftlichen Turbulenzen ihre Spuren. In den vergangenen zwölf Monaten büßte die Aktie rund 40 Prozent ihres Wertes ein.

Auswirkungen der Flaute der Autoindustrie spürt die Voest im gleichen Ausmaß
Der Handelskonflikt brächte einen raueren Wind für die Stahlbranche mit sich. Vor allem die schwierige Situation der deutschen Autoindustrie trifft den Konzern. „Als Zulieferer spüren wir deren wirtschaftliche Entwicklung eins zu eins. Unser Umsatz hängt zu einem großen Anteil an der deutschen Autoindustrie“, spricht Eibensteiner offen die Schwierigkeiten an. Ein Drittel seines Umsatzes erwirtschaftet der des Konzern in der Autoindustrie.

3.000 Roboter in einem Werk
Um zu sparen soll auch die Digitalisierung weiter vorangetrieben werden und Prozesse optimiert werden. Im neuen, volldigitalisierten Edelstahlwerk der voestalpine sollen an die 3.000 Roboter arbeiten. "Das sind wahrscheinlich mehr Roboter als in einer Autofabrik", meint Eibensteiner. 2021 soll das volldigitalisierte Werk in Kapfenberg in Betrieb gehen. 350 Millionen Euro werden dort investiert.

Die Hälfte der chinesischen Elektroautobauer sind bereits wieder verschwunden
Nicht ganz einfach abzuschätzen sei das Geschäft mit der Elektromobilität. Das Stahlunternehmen produziert dafür Produkte wie Batteriedeckel, Elektrobänder für Hybride und spezielle Leichtbau-Karosserien.

Wie schwierig das Geschäft mit Elektroautos ist, beschreibt Eibensteiner anhand der aktuellen Entwicklung in China. „Die Förderungen für Elektroautos werden langsam zurückgenommen, wodurch die Verkäufe sofort zurückgegangen sind.“ Von 50 chinesischen Elektroautobauern ist seither rund die Hälfte wieder verschwunden.
Der Einstieg in die Formel E im Vorjahr hält der Voest-Boss dennoch für wichtig: „Alle unsere großen Kunden sind dort vertreten. Es ist eine gute Trägerrakete für Produkte und Innovationen in diesem Bereich."

Wasserstoff statt Kohle und Koks für die Stahlproduktion
Einen stärkeren Fokus als bisher will man bei der voestalpine auf Nachhaltigkeit legen und testet dazu eine Wasserstoff-Anlage, die den Weg zu einer CO2-freien Stahlerzeugung ebnen soll. Koks und Kohle sollen so durch Wasserstoff ersetzt werden. „Realistisch ist eine großflächige Einspeisung ins Werksnetz aber erst ab 2035“, schränkt Eibensteiner ein. Derzeit entstehen mit jeder Tonne erzeugtem Stahl rund 1,6 Tonnen CO2. „Die Erzeugung von Wasserstoff ist eine Hoffnung für die Industrie, aber man muss auch bedenken, wie der Strom für dessen Produktion erzeugt wird. Am Ende geht es um den Ersatz von CO2.“ Eibensteiner fordert daher von der Politik: „Grüner Strom muss billiger und nicht wie derzeit teurer werden.“

Investiert wird neben solchen Zukunftsprojekten auch in Lehrlinge und Weiterbildung. Derzeit sind rund 1.300 Lehrlinge beim Konzern beschäftigt. Eibensteiner: „In drei, vier Jahren schaut die Welt, was die Konjunktur betrifft, wieder anders aus und dann haben wir fertige Lehrlinge.“

Zulieferteile für die Flugzeug bringen hohe Margen
Eines der Ziele Eibensteiners ist, in den nächsten zehn Jahren das Geschäft breiter aufzustellen, den Umsatzanteil der Autoindustrie zu reduzieren und über ein ausgewogeneres Produktportfolio zu verfügen. „Die Bereiche Flug und Bahn sollen ausgebaut werden“, so der Manager. Teile für die Flugzeugbranche seien mit einem Umsatzvolumen von 400 Millionen Euro noch ein relativ kleiner Bereich im Portfolio. „Dieser bringt aber hohe Margen.“ Der Umsatz soll auch im Bahngeschäft ausgeweitet werden. Zupass kommt dem Konzern dabei, dass im Zuge der Klima-Diskussion in Europa der Ausbau der Bahn-Infrastruktur wieder ein großes Thema ist.

Viel zu holen ist für die Railway-Systems-Division der voestalpine auch in China. Das größte aller Schienenprojekte ist die Wiederbelebung der Seidenstraße. Ein wichtiges Element ist unter anderem dabei auch der Bahnausbau im Westen Chinas und die Schienenverbindung von China nach Europa: 50 Städte in 15 Ländern werden miteinander verbunden. Eibensteiner: „Da wollen wir dabei sein.“

In der Division „Railway Systems“ bietet die Voest komplette Bahninfrastruktursysteme an. Der Bereich umfasst 7.000 Mitarbeiter an 70 Produktions- und Vertriebsstandorten auf allen fünf Kontinenten. Der Jahresumsatz in diesem Bereich beträgt derzeit rund 1,4 Milliarden Euro.

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