Smart Mobility - eine Hoffnung für die Städte

Mobility-Expertin Sylvie Römer, Horváth & Partners

Mobility-Expertin Sylvie Römer, Horváth & Partners

Die Stadt der Zukunft soll lebenswert, intelligent, vernetzt und nachhaltig sein – dank moderner Technologien und Dienstleistungen. Viele unterschiedliche Ideen werden dafür gewälzt. Der Weg zur „Smart City“ führt über die Mobilität, erklärt Sylvie Römer, Leiterin des Future of Mobility-Teams von Horváth & Partners Automotive.

Lebenswerte Städte basieren auf Bildung und Gesundheit, umwelt- und lärmschonender Wirtschaft, erschwinglichem Wohnraum, durchdachter Mobilität sowie ausreichend Wasser- und Energieversorgung. Die aktuellen Beispiele dafür reichen von intelligenten Stromnetzen (Smart Grids) über smarte Logistikprozesse für die letzte Meile bis hin zu „Urban-Gardening“-Ansätzen. Fundamentales Element ist allerdings die Mobilität – denn ohne Lösungen dafür kommt es rasch zum Verkehrsinfarkt.

Verkehr als zentrale Herausforderung

1950 lebte ein Drittel der Weltbevölkerung in Städten, seit 2007 sind es mehr als die Hälfte. Nach Berechnungen der Vereinten Nationen sollen es 2050 bereits zwei Drittel sein. Diese Entwicklung führt dazu, dass nicht nur die Anzahl der Megastädte mit über zehn Millionen Einwohner weiter wächst, sondern auch die kleineren Städte und Metropolregionen. Rasant ansteigende CO2 -Emissionen und Überlastung der Straßen sind allen Prognosen zufolge dadurch eine Kernherausforderung. Hier stoßen die derzeitigen Verkehrs- und Infrastruktursysteme an ihre Grenzen.

In den meisten Großstädten wird das Auto bereits als Hindernis betrachtet, zahlreiche Städte verbannen sie aus ihren Zentren – oder schränken ihre Präsenz deutlich ein. Denn wenn der Verkehrskollaps droht, begleitet von immer mehr Lärm- und Luftverschmutzung, scheint dies oft die einzige Möglichkeit. Trotzdem steigt der Mobilitätsbedarf mit der Verstädterung weiter – zu groß ist die Bequemlichkeit und das Bedürfnis nach individueller und flexibler Fortbewegung. Dies steigert den Druck auf Verkehrsbetriebe und Stadtplaner.

Teilen statt Kaufen

Alle Experten sind sich einig: Urbane Mobilitätskonzepte müssen weiter gedacht und besser umgesetzt werden als bisher – und die Bedürfnisse der Bewohner in den Mittelpunkt der Überlegungen stellen. Wie also muss die Zukunft aussehen? Vier Punkte stechen dabei heraus:

1. Nachhaltig

Smarte Mobilität ist in erster Linie emissionsarm. Geteilte Fahrzeuge – wie im öffentlichen Verkehr – sind deshalb besser als individuelle, Schiene besser als Straße, Großraumfahrzeuge effizienter als kleine – gerade in der Stadt. Die Elektromobilität verhilft der Individualmobilität dabei raus aus dem schlechten Licht. Den richtigen Strommix bei Batterieherstellung und -betrieb vorausgesetzt kann zumindest lokal CO2 -frei gefahren werden. In diesem Zusammenhang ist es vor allem der Aufbau einer weitreichenden Ladeinfrastruktur und deren Instandhaltung, die auf Smart Cities zukommen.

2. Intermodal

Die Mobilität von morgen wird bedarfsorientiert und multimodal, der Mobilitätsmix neu definiert, da unterschiedliche Verkehrsträger flexibel und situationsbedingt genutzt werden. Vor allem in urbanen Gebieten mit gut erschlossenem öffentlichen Nahverkehr wird das Auto zunehmend überflüssig. Angebote öffentlicher Verkehrsanbieter werden ergänzt durch On-demand-Angebote privater Betreiber – und das im Idealfall mit nur einem Ticket. Ziel ist die Verfügbarkeit von Transportmitteln für den jeweiligen Anlass und Bedarf, um schnell und bequem von A nach B zu kommen. Erfolgreich werden da jene Anbieter sein, die über den Tellerrand hinausblicken, neue Kooperationen wagen und gemeinsame, langfristige Vereinbarungen treffen.

3. Autonom

Mit dem Aufkommen autonomer Fahrzeuge ändert sich nicht nur die Art und Weise der individuellen Fortbewegung. „Roboshuttles“ transportieren uns schon heute auf festen Strecken und schon bald durch ganze Innenstädte. Im Vergleich zum Taxi, aber auch zum eigenen Auto, das zumeist 23 Stunden am Tag steht, reduzieren sich die Kosten pro Kilometer damit auf einen Bruchteil. Das verändert den Mobilitätsmix noch einmal radikal. Wer sich selbst ein autonom fahrende Auto leistet, kann die freiwerdende Zeit für andere Tätigkeiten nutzen. Das Fahrzeug entwickelt sich so zu einem Ort des Konsums, der Entspannung und der Kommunikation – mit der Folge komfortabler Innenraumkonzepte und neuen Infotainment-Anwendungen.

4. Vernetzt

Die digitale Vernetzung von Nutzern, Diensten, Fahrzeugen und Infrastruktur ist der wichtigste Treiber einer effizienten und komfortablen Fortbewegung. Telematiksysteme sorgen dafür, dass Daten und Echtzeitinformationen von Fahrzeugen mit vernetzten Objekten aus der unmittelbaren Umgebung ausgetauscht werden können. So kann der Verkehrsfluss z.B. durch intelligente Ampelschaltungen oder Wegezölle optimiert, der Fahrer vor Staus, Unfällen und anderen Ereignissen gewarnt werden. Hierzu arbeitet die Autoindustrie mit den Kommunen an der Transformation urbaner Verkehrsinfrastrukturen in intelligent vernetzte Mobilitätssysteme.

Nutzen statt Besitzen

Fazit: Smart Mobility steht für die nachhaltige, reibungslose und intelligente Vernetzung verschiedener Verkehrsangebote durch den Einsatz innovativer Informations- und Kommunikationstechnologien und intelligenter Kooperationen. Sie setzt damit den Grundstein für eine effiziente, ökologische und flexible Mobilität. In Zukunft wird es darum gehen, Menschen den einfachen Wechsel zwischen unterschiedlichen Transport-Optionen und damit eine neue Form der Mobilität zu ermöglichen. Nutzen statt Besitzen lautet die Devise. Man kauf sich den Zugang, nicht mehr den Besitz an Mobilität.


Die Autorin

Sylvie Römer leitet das Future of Mobility-Team der Managementberatung Horváth & Partners in Stuttgart. Das Whitepaper „Die Mobilität der Zukunft in der Stadt von morgen“ vom Frühjahr 2019 finden Sie hier zum Download.


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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