Selbstfahrende Autos: Waymo sucht nach Investoren

Waymo CEO John Krafcik

Kein Man am Steuer: Waymo CEO John Krafcik

Die Entwicklung von selbstfahrenden Autos läuft weltweit auf Hochtouren. Der Google-Ableger Waymo gehört dabei zu den Vorreitern und betreibt in den USA bereits eine kleine Flotte vollständig autonomer Taxis. Nun werden Investoren gesucht.

Es ist eine der großen Visionen unserer Zeit, und in Feldversuchen sowie in geschlossenen Benutzerkreisen wird bereits erfolgreich demonstriert, dass und wie sie funktionieren kann. Die Rede ist von selbstfahrenden Autos, auch autonome Autos oder Roboter-Autos genannt. Fahrzeuge, die völlig fahrerlos durch die Straßen navigieren und die ihre Benutzer selbsttätig abholen und auch sicher ans Ziel bringen.

Für einige hundert Einwohner der US-Stadt Phoenix in Arizona ist das bereits Realität. Sie werden mit den vom Unternehmen Waymo umgebauten und aufgerüsteten Autos zur Schule, ins Büro oder auch zum Arzt gebracht - ohne dass dabei jemand am Steuer sitzen würde. Lediglich ein sogenannter Sicherheitsfahrer, der im Notfall eingreifen kann, sitzt in der Regel im Wagen - dies allerdings nur noch aufgrund strengerer Auflagen als Folge eines medial breit thematisierten tödlichen Verkehrsunfalls, bei dem ein von Uber zu Testzwecken eingesetztes autonom fahrendes Auto eine Fußgängerin tötete.

An ähnlichen Lösungen wie Waymo tüfteln derzeit weltweit hunderte Unternehmen - darunter auch etliche aus Österreich. AVL List, TTTech oder Virtiual Vehicle etwa (siehe Artikel in trend Nr. 8/2019 "Autos mit Herz und Hirn"), DiDi aus China oder das japanische Unternehmen Gacha, das einen autonom fahrenden Shuttlebus vorgestellt hat, der bis zu zehn Passagieren Platz bietet.

Waymo ist aber definitiv einer der Vorreiter in Sachen autonomes Fahren, und möglich wurde dieser Vorsprung durch die großzügigen finanziellen Mittel, die der Internet-Gigant Google seit Jahren für die Entwicklung zur Verfügung stellt. Das 2016 als Tochtergesellschaft des Google-Dachkonzerns Alphabet gegründete Unternehmen hat die Arbeiten des Projekts "Google Driverless Car" aufgegriffen, fortgesetzt und bis zum offiziell erlaubten Echtbetrieb weiterentwickelt.

Milliarden-Bewertung, Milliarden-Kosten

Das erklärt auch die stolze Bewertung, die UBS im Herbst 2018 für Waymo errechnet hat: 175 Milliarden Dollar. Sollte der globale Markt für autonome Fahrzeuge in gut zehn Jahren (2030) tatsächlich 2,8 Billionen Dollar schwer sein, könnte sich Waymo einen 60-Prozent-Marktanteil sichern, schätzt UBS. Waymo-CEO John Krafcik baut längst vor und will neben Robotertaxis auch Trucks auf die Straße schicken und hat einen Ableger in China gegründet.

Doch die Weiterentwicklung der selbstfahrenden Autos ist ein ebenso aufwändiges wie kostspieliges Unterfangen, das offenbar auch von Google alleine auf Dauer nicht finanziert werden kann - zumindest wenn der bei Google-Projekten ohnehin schon sehr abenteuerliche Ausgabenrahmen eingehalten werden soll.

Eines der bereits über 600 selbstfahrendes Auto der Waymo-Flotte.

Eines der bereits über 600 selbstfahrendes Auto der Waymo-Flotte.

Medienberichten zufolge kostet das Unternehmen Waymo dem Google-Mutterkonzern Alphabet aktuell rund eine Milliarde Dollar im Jahr. Mit rund 30,70 Milliarden Dollar Jahresgewinn im Jahr 2018 und weit über 100 Milliarden Dollar Cash-Reserven kann Alphabet diese Ausgabe zwar leicht wegstecken, allerdings musste Finanzchefin Ruth Porat unter wachsamen Blicken von Anlegern immer wieder betonen, dass der Konzern eine strikte Ausgabendisziplin bei seinen "anderen Wetten" wie Waymo walten lasse.

Suche nach Investoren

Das im Silicon Valley verankerte Informationsportal "theinformation.com" berichtet nun, dass Waymo externe Investoren sucht, allerdings ohne eine hohe Beteiligung abgeben zu wollen. Mit dem Volkswagen-Konzern und einigen weiteren europäischen Herstellern sollen diesbezüglich Gespräche geführt worden sein. Volkswagen-Chef Herbert Diess bestätigte zwar frühere Gespräche mit Waymo, seit einiger Zeit werde aber in "ernstzunehmender Weise" über eine entsprechende Partnerschaft mit Ford gesprochen. Nach jüngsten Informationen des "Wall Street Journal" steht VW kurz davor, Ford für rund 1,7 Milliarden Dollar die Hälfte des Roboterwagen-Start-ups Argo AI abzukaufen.

Volkswagen kooperiert außerdem bei der Entwicklung von selbstfahrenden Autos unter anderem mit dem kalifornischen Start-up Aurora. Dessen Mitgründer und Chef ist der ehemalige technische Leiter des Google Driverless Car Programms, Chris Urmson

Waymo kündigte außerdem an, das eigens entwickelte und technologisch sehr weit fortgeschrittene Laser-Radar, das Lidar mit dem die autonomen Autos ihre Umgebung abtesten, Partner-Unternehmen anbieten zu wollen.Eine finanzielle Beteiligung könnte auch als Anreiz für den Einsatz von Waymo-Technologie dienen.

Auto & Mobilität

Auto-Rückrufe: „Bedenkliches Qualitätsniveau der Branche“

Auto & Mobilität

Selbstfahrende Autos: „Aufwand immens, Preise unerschwinglich“

Von links: Thorsten Niklass (CEO Elli) und Martin Klässner (CEO has.to.be)

Start-ups

E-Ladestationen: Start-up has.to.be kooperiert mit Volkswagen

Kommentar
Mobility-Expertin Sylvie Römer, Horváth & Partners

Management Commentary

Smart Mobility - eine Hoffnung für die Städte