Selbstfahrende Autos: Konsumenten sind noch skeptisch

Zukunft: Im Auto mitfahren statt mit dem Auto fahren.

Zukunft: Im Auto mitfahren statt mit dem Auto fahren.

Vor wenigen Jahren waren selbstfahrende Autos noch reine Utopie, mittlerweile gibt es wohl keinen ernst zu nehmenden Autohersteller mehr, der nicht an Lösungen für dieses immer realer erscheinende Szenario feilt. Auch Quereinsteiger - Start-ups und etablierte Technologieunternehmen - mischen dabei mit. Die Konsumenten sind allerdings noch skeptisch.

Zwei Tage vor der Eröffnung des Genfer Automobilsalons 2017 hat Volkswagen-Vorstandschef Matthias Müller der Fachpresse ein besonderes Fahrzeug vorgestellt: Den Sedric, eine im Volkswagen-Future-Center wirklich gewordene Utopie eines völlig autonom fahrenden Autos. Eine wohl auch absichtlich etwas gewagte Zukunftsstudie, die aber als erstes Vehikel aus dem Hause Volkswagen demonstriert, wie Autos in zehn, fünfzehn Jahren konzipiert sein könnten und zeigt, wie die Mobilität Mitte des 21. Jahrhunderts aussehen könnte.

Ein Fahrer wäre demnach dann nicht mehr notwendig. Alle Insassen wären dann Passagiere in einem Vehikel, das mit Hilfe von Navis, Sensoren und Computerprogrammen selbst durch den Alltag steuert. Als autonomes Fahrzeug der Stufe fünf - der höchsten, heute aufgrund rechtlicher Einschränkungen noch gar nicht gestatteten Stufe eines selbstfahrenden Autos - hat der Sedric konsequenterweise auch keine Bedienelemente, die ein menschliches Eingreifen erfordern würden: Kein Lenkrad, keine Pedale, keine Armaturen, die zur Steuerung des Autos notwendig wären. Die Fahrten des Autos könnten stattdessen per Smartphone vorbestimmt werden. Der Sedric könnte etwa zuerst die Kinder zur Schule und anschließend die Eltern ins Büro fahren in der Zwischenzeit selbstständig parken, Einkäufe erledigen, Besucher chauffieren und am Nachmittag weitere Wege absolvieren - etwa die Kinder zum Musikunterricht oder zum Sportplatz bringen, ehe er nach Büroschluss wieder vorbeischaut, um die Eltern von der Arbeit abzuholen.


Autonomiestufen von Autos

  • Level 0: Keine Assistenzsysteme, der Fahrer steuert das Auto ohne weitere Unterstützung selbst.
  • Level 1: Einige Assistenzsysteme wie die automatische Geschwindigkeitsregelung unterstützen das Fahren.
  • Level 2: Die heute bereits weit verbreitete Variante der Teilautomatisierung, die unter anderem eine Spurhaltefunktion, automatisches bremsen und beschleunigen und automatisches Einparken umfasst.
  • Level 3: Die technisch aktuell machbare Variante, die mit einigen Einschränkungen unter anderem von Tesla angewandt wird, sofern das rechtlich zulässig ist. Dabei kann das Auto unter anderem auch Überholmanöver inklusive aller notwendigen Anzeigen selbsttätig durchführen. Der Fahrer wird bei Bedarf aufgefordert, entsprechend einzugreifen.
  • Level 4: Das Fahrzeug ist vollautomatisiert und dauerhaft autonom gesteuert. Es kann allerdings noch sein, dass der Fahrer aufgefordert wird, die Steuerung zu übernehmen.
  • Level 5: Es gibt keine Möglichkeit mehr für einen Fahrer, die Steuerung zu übernehmen. Es ist lediglich die Angabe eines Fahrziels nötig.

Abgesehen davon, dass ein Auto wie der Sedric aufgrund der rechtlichen Bestimmungen aktuell noch keine Straßenzulassung erhalten würde - in der EU wird sofern einige Verbesserungen erfolgt sind, eine politische Einigung zur Zulassung von Autos der Autonomiestufe 3 bis zum Jahr 2020 erwartet - sind die Konsumenten solchen Vehikeln gegenüber derzeit auch noch sehr skeptisch, wie eine vom Beratungsunternehmen Deloitte durchgeführte Erhebung zeigt.

Fahrzeug-Automatisierug und Akzeptanz bei Konsumenten

Fahrzeug-Automatisierug und Akzeptanz bei Konsumenten

Die in 17 Kernmärkten unter 22.000 Konsumenten durchgeführte Erhebung zeigt, dass deutsche Autofahrer der Vorstellung nicht mehr selbst fahren zu können besonders skeptisch gegenüber stehen. Nur jede Vierte kann sich mit dieser Idee anfreunden. Schon beim eingeschränkten autonomen Fahren (Level 3 bis 4) steigen die Deutschen auf die Bremse. Die Akzeptanz dafür liegt bei unter einem Drittel der Befragten. Heute bereits bekannte und eingesetzte Methoden (Level 1 bis 2) werden dagegen gut angenommen. Hier liegt die Zustimmung bei deutlich über 50 Prozent. Dem autonomen Fahren gegenüber weitaus aufgeschlossener ist man dagegen in China und Indien. Dort liegt die Akzeptanz von Level 5 Fahrzeugen heute schon bei 60 Prozent.

Die größten Bedenken haben die Konsumenten hinsichtlich der Sicherheit der Fahrzeuge. Obwohl erwiesen ist, dass Sensoren wesentlich zuverlässiger reagieren als das Menschen selbst tun überwiegt die Skepsis (siehe Grafik).

Selbstfahrende Autos: Konsumenten bezweifeln die Sicherheit.

Selbstfahrende Autos: Konsumenten bezweifeln die Sicherheit.

Berichte über Unfälle mit im Probebetrieb eingesetzten selbstfahrenden Autos haben die Konsumenten weiter verunsichert, fast die Hälfte gibt aber an, sich zukünftig durch positive Erfahrungswerte und Sicherheitsnachweise überzeugen zu lassen. Die Skepsis der Deutschen lässt Rückschlüsse auf den österreichischen Markt zu. „Die österreichischen Konsumenten agieren ähnlich wie die deutschen. Hersteller sind gefordert vermehrt Tests und Nachweise zu erbringen, die das Vertrauen in die innovative Technologie stärken. Umfassender und professioneller Datenschutz spielt dabei eine entscheidende Rolle“, betont Karin Mair von Deloitte Österreich.

Zertifizierte Prüfsiegel, die die Sicherheit von selbstfahrenden Autos bestätigen, könnten ein Hebel sein, um das Vertrauen der Bevölkerung in selbstfahrende Autos zu steigern und damit deren Akzeptanz und Verbreitung zu fördern. Bei Vorliegen eines schriftlichen Sicherheitsnachweises würde etwa schon rund die Hälfte der Deutschen autonome Autos begrüßen, allerdings auch nur dann, wenn für die neuen Technologien keine Mehrkosten anfallen.

„In unseren Breiten sind die Autofahrer eher vorsichtig und prüfen Neuerungen genau. Wie der internationale Vergleich zeigt, müssen Anbieter innovativer Technologien einige Überzeugungsarbeit leisten", zieht Matthias Kunsch, Senior Manager von Deloitte Österreich den Schluss. Das könne mit der Weiterentwicklung sicherheitsrelevanter Sensoren gelingen, die etwa Objekte automatisch erkennen und Kollisionen verhindern. "Damit würde das Vertrauen der Kunden in autonom fahrende Autos gesteigert werden“, meint Kunsch.


Service

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Deloitte Developmen LCC "What's ahead for fully autonomous driving"
Zusammenfassung der Studienergebnisse
PDF-Dokument, 24 Seiten (4,31 MB)
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