Schweden-Panzer 3.0 - Volvo fährt auf Tempolimt ab

Schweden-Panzer 3.0 - Volvo fährt auf Tempolimt ab

Autolenker im Visier: Kameras und Sensoren liefern Daten, mit der die Fahrtüchtigkeit des Lenkers festgestellt wird.

Totale Überwachung des Lenkers, vom Werk verordnete Tempolimits: Alles, was der digitale Baukasten hergibt und der Sicherheit dient, wird künftig in einen Volvo eingebaut.

Volvo-CEO Håkan Samuelsson spricht von Verbesserung der Sicherheit, Tempolimits und einer Zeitenwende im Individualverkehr. Und der Verantwortung der Autokonzerne. Der schwedische Autohersteller hat sich das Ziel gesetzt, alles daran zu setzen, dass es ab dem Jahr 2020 keinen tödlichen Unfall mehr geben soll, an dem ein Volvo beteiligt ist. Mit dem jüngsten Vorstoß treibt der Autokonzern die Sicherheitsdiskussion auf die Spitze.

Ein Kernpunkt der "Vision 2020" ist das Tempolimit. Ab dem Jahr 2021 will Volvo nur noch Neuwagen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 180 Kilometer pro Stunde ausliefern. Neue Details der Strategie hat nun Volvo kürzlich präsentiert. Und die sind noch weitreichender als das geforderte Tempolimit.

Denn Volvo greift dabei tief in den digitalen Werkzeugkasten. Kameras und Sensoren sollen in den Cockpits installiert werden, um den Fahrer zu den bereits existierenden Fahrerassistenzsystemen zusätzlich zu unterstützen. Und auch zu überwachen.

Volvo forciert dabei eigene digitalen Aktivitäten, wie Mikael Ljung Aust, Driver Behaviour Specialist, betont. Die Software, die von den beiden Kameras die Daten zur Analyse bekommt, kann über die Mimik des Lenkers Übermüdung, Alkoholisierung, Drogeneinfluss oder auch Ablenkungen (etwa Tippen am Smartphone) erkennen. Dazu kommen noch Sensoren, die laufend Daten an das Fahrüberwachungssystem einer Leitstelle liefert, Unregelmäßigkeiten wie Schlangenlinienfahren oder Raserei sofort erkennt und Warnsignale an den Fahrer sendet.

Die Schweden verweisen dabei auf den akuten Handlungsbedarf und die noch immer große Zahl an Unfalltoten trotz Verbesserung der Technologien und Schutzmechanismen. Überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol- beziehungsweise Drogenkonsum sowie Unachtsamkeit durch Ablenkungen seien laut Volvo-Chef Samuelsson Hauptursachen für die Schwerstunfälle.

BIG DATA IM AUTO. Über Kameras und Sensoren wird die Fahrtüchtigkeit des Lenkers festgestellt. Im Pilotprojekt observieren derzeit zwei Kameras den Fahrer. Durch die Mimik kann die Verfassung des Lenkers analysiert werden. Aus einer Leitstelle bekommt er per Anruf Hinweise, sein Fahrverhalten anzupassen. Im Extremfall könnte das Auto aus der Ferne abgebremst werden. Alleine in den USA waren im Jahr 2017 rund 30 Prozent der Verkehrstoten auf das Fahren unter Alkohol-und Drogeneinfluss zurückzuführen.

Doch ganz will Volvo den Fahrer nicht bevormunden. Über einen "Care Key" kann der Fahrer sich selbst ein Tempolimit programmieren. So können etwa Eltern ihrem Nachwuchs und Führerscheinneuling über den Autoschlüssel eine Temposperre einprogrammieren, die noch weit unter dem von Volvo geforderten Tempolimit von 180 km/h liegt. Volvo-Chef Samuelsson will dabei auch Versicherungen an Bord holen, die für selbst gewählte Tempolimits spezielle, günstigere Tarife entwickeln sollen.

Für Volvo ist Sicherheit seit Jahrzehnten eines der Topthemen. Zur ersten Berühmtheit damit gelangte der schwedische Autokonzern im Jahr 1959, als er den Drei-Punkte-Sicherheitsgurt auf den Markt gebracht hat. Mitte der 60er-Jahre wurden Volvos serienmäßig mit Gurt am Fahrer- und Beifahrersitz ausgeliefert. Dank Sicherheitsgut haben Schätzungen zufolge alle Autohersteller zusammen weltweit seit Mitte der 1960er-Jahre eine Million Menschenleben retten können.

Analyse von 43.000 Unfällen

In einem weiteren Schritt zur Unfallvermeidung will Volvo die Automobilindustrie mit dem Project E.V.A. (Equal Vehicles for All) mitnehmen. Volvo hat seit 1972 rund 43.000 Unfälle mit 73.000 betroffenen Personen analysiert. Weit über 100 Forschungspapiere hat die Volvo Safety Gruppe erstellt. "Wir werden ab sofort die Forschungsergebnisse auch anderen Autoherstellern zur Verfügung stellen", sagt Lotta Jakobsson, Senior Technical Expert im Volvo Cars Safety Center.

Virtuell und real testet Volvo im Car Safety Centre in Göteborg seine neuesten Automodelle. 15.000 bis 20.000 Mal werden die Autos in Computersimulationen gecrashed. Danach erfolgt der reale Crash-Test mit den Modellen und Dummys als Insassen. Ungebremst mit einem Tempo von 80 km/h werden pro Tag ein bis zwei Autos gecrashed. Auch die realen Crashes sind weiterhin unverzichtbar. So wurde festgestellt, dass Frauen und Männer gleicher Größe unterschiedliche Verletzungen davongezogen haben.

Das alles nur für einen Zweck: damit in einem Schweden-Panzer 3.0 niemand mehr zu Schaden kommt.




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