Die Schwachstellen: Wo Warenlieferungen stocken

Bis zu 40 Kilometer Stau an den EU-Binnengrenzen, um Lkws abzufertigen, machen Warenlieferungen zu einem Drahtseilakt. Einer Schlüsselfunktion kommt auch den Adriahäfen Koper und Triest zu. Nicht überall gelingt der Warenfluss in der Corona-Krise gleich gut.

Die Schwachstellen: Wo Warenlieferungen stocken

Mittelmeerhafen Koper: Alle Waren per Lkw

Reißen Lieferketten oder gelingt es den Warenfluss aufrecht zu halten? Viel hängt derzeit davon ab, wie viele Waren, trotz Grenzschließungen für die Bürger, aus dem Ausland per Lkw nach Österreich gelangen – und vor allem in welcher Zeit.


Die echte Schwachstelle in unserer Lebensmittelversorgung ist der Grenzverkehr

Ähnlich viele Lebensmittel-Importe wie -Exporte
So stauen sich derzeit viele Lkws an den Grenzen innerhalb der EU. Wann Waren geliefert werden, ist für viele Unternehmer nicht abschätzbar. „Die echte Schwachstelle in unserer Lebensmittelversorgung ist der Grenzverkehr“, so der steirische Agrarlandesrat Hans Seitinger. Und ergänzt: "Wir kämpfen derzeit von Stunde zu Stunde." Wenn auch keine Engpässe generell drohen. Nur einzelne Waren könnten, zumindest kurzfristig von Ausfällen betroffen sein. Auch die nötigen Gebinde, etwa für Jogurt, stammen aus Italien. Aber auch nicht alle Agarprodukte werden im Land erzeugt. So stehen Agrarimporte von zwölf Milliarden Euro pro Jahr einem nahezu gleichen Volumen von Agrar-Ausfuhren gegenüber.


Wie gut die Lieferkette funktioniert, hängt damit zum einen von den Transporten per Lkw ab. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen hat wegen der Grenzkontrollen in Europa deshalb bereits vor Engpässen beim Warenangebot gewarnt.

Lkws an der EU-Binnengrenze: Bis zu 40 Kilometer Stau
Alle Transporte sollten in höchstens 15 Minuten Grenzen passieren können, fordert von der Leyen in einer Videobotschaft. Zudem sollten Wochenend- und Nachtfahrverbote für Lastwagen ausgesetzt werden. Denn der Ausbruch der Corona-Pandemie hat große Auswirkungen auf den Verkehr. Die Lastwagenstaus betragen teils mehr als 40 Kilometern und die Wartezeiten an den Grenzen bis zu 18 Stunden. „Das muss aufhören“, fordert die Kommissionschefin. "Denn das verzögert die Lieferung wichtiger Güter und kann zu Engpässen im Warenangebot führen", warnt Van der Leyen. In der Coronavirus-Krise haben bisher 14 europäische Staaten Grenzkontrollen eingeführt.

Für Österreich wichtige Häfen Koper und Triest
Doch nicht nur Lkws sind für den reibungslosen Warenumschlag nötig, auch die Bahn und Schifffahrt. Eine Schlüsselfunktion, ob die Warenlieferungen funktionieren, kommt da Häfen zu und wie gut diese organisiert sind. Für Österreich wichtig, neben den nordischen Häfen wie Rotterdam und Hamburg, sind die beiden Adriahäfen Koper und Triest.

Mangelware Lkw-Fahrer
Doch der Warenumschlag klappt nicht in beiden Häfen gleich gut. So liegen derzeit im Hafen von Koper Frachten mit Mineralstoff-Mischungen, die dringend zur Tierfutterproduktion in Österreich benötigt werden. "Aber es finden sich kaum Lkw-Fahrer, die durchs Risikogebiet fahren wollen", beklagt der Argarlandesrat. Jetzt wird deshalb überlegt, Fahrer des Bundesheeres damit zu beauftragen die Container aus Italien zu holen.

Koper: Container-Anzahl in zehn Jahren verdoppelt – ein Drittel geht nach Österreich
Die Bahnverbindungen reichen offenbar nicht. Und das obwohl der Adriahafen Koper in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist. So wurden im Vorjahr dort rund 23 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Koper ist ein wichtiger Hafen für Österreich. Ein Drittel des gesamten Güterumschlags im slowenischen Seehafen entfällt auf Waren von oder nach Österreich. Die Menge an Containern und Autos, die in Koper in den letzten zehn Jahren umgeschlagen wurden, hat sich verdoppelt. Auch die Zahl der Lkws im Hafen Koper hat sich seit 2009 verzweifacht. Nur die Zahl der Züge ist von 17.000 auf lediglich 22.300 gestiegen. Doch die Versäumnis die Infrastruktur für die Zugverbindung zu verbessern, macht sich nun in der Krise bemerkbar.

Güterverkehr per Bahn boomt
Auf der anderen Seite, in Italien - der große Konkurrent - der Hafen von Triest. Im italienischen Hafen werden pro Jahr über 60 Millionen Tonnen Waren umgeschlagen, fast drei Mal so viel wie in Koper. Triest ist auch der stärkste Hafenstandort Italiens. Nun verkündete der Präsident des Hafens Triest, Zeno D'Agostino, dass der Einbruch des Warenverkehrs wegen der Coronavirus-Krise nur minimal sei, die Verbindungen zu den Nachbarländern, darunter Österreich, offen und intakt. "Die Nachfrage nach Warenlieferungen per Bahn in Richtung Österreich ist angesichts der Probleme mit dem Straßentransport gewachsen", so D'Agostino.

ÖBB: wichtigstern Partner des Hafens von Triest
Die gute Zugverbindung für den Gütertransport von Triest nach Österreich und von dort auch weiter in andere Länder, liegt auch an der engen wirtschaftlichen Verschränkung mit der ÖBB. Die Rail-Cargo-Gesellschaft der ÖBB ist mit einem Marktanteil von 45 Prozent der wichtigste Distributionspartner des Triester Hafens. Und diese Zusammenarbeit soll noch massiv ausgebaut werden. Zuletzt schon, hatten wegen der Probleme in Zusammenhang mit den Tiroler Fahrverboten, mehrere italienische Speditionsfirmen verstärkt auf die Bahn gesetzt. Seit dem Ausbruch der Coronavirus-Epidemie sei die Nachfrage nach Bahntransporten in Richtung Österreich und Deutschland noch mehr gestiegen, berichtete D'Agostino.


Der Straßenverkehr nach Ungarn liegt lahm, nur unsere Züge verkehren

80 Prozent aller Bahntransporte vom Hafen Triest aus, führen nach Kärnten. Über Villach werden die Waren nicht nur nach Österreich und Deutschland, sondern auch nach Luxemburg, Ungarn und in die Tschechische Republik transportiert. In dieser Krise ist es gerade die Bahn, die noch am besten in der Lage ist, die Grenzen zu überqueren. „Warenlieferungen mit der Bahn sind jetzt besonders gefragt und werden es auch in Zukunft sein. Der Straßenverkehr nach Ungarn liegt lahm, nur unsere Züge verkehren. Nach Kroatien liefern wir per Schiff. Die Bahn hält in dieser großen Krise stand", sagte D'Agostino.

Koper: 250 Millionen Euro für leistungsstärkere Bahn
Doch der Hafen Koper will aufholen, wenn es auch für die Corona-Krise zu spät kommt. Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat Slowenien einen Kredit in der Höhe von 250 Millionen Euro für den Bau der neuen leistungsstarken Bahnstrecke zwischen dem slowenischen Hafen Koper und dem Hinterland gewährt.

Auch die Hafenbehörde Triest plant seit dem Vorjahr, die Bahnverbindung auszubauen - ausgerechnet mit Hilfe des chinesischen Baukonzerns CCCC.

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