Der Diesel-Skandal und seine langen Schatten

Diesel Tank

Diesel: Fährt im Tank tatsächlich der Tod mit?

Zwei Jahre nach Auffliegen des Dieselskandals stellt eine Studie den Zusammenhang zwischen Autoabgasen und europaweit jährlich 10.000 Todesfällen her. Politik und Industrie suchen indessen weiter einen Ausweg aus dem Schlamassel.

Während Dieselmotoren - was in der andauernden Diskussion beinahe untergegangen ist - weniger Kohlendioxid (CO2) ausstoßen als Benzinmotoren und somit klimaschonender sind als Benziner, ist ihr Ausstoß von Stickstoffoxid (NOx) vergleichsweise höher. Wobei die von der EU festgelegten Emissionsgrenzwerte in den letzten Jahren allerdings dazu geführt haben, dass die Abgaswerte von Benzinern und Dieselautos laufend reduziert und sich einander zusehends angenähert haben.

Während nach der im Jahr 2000 für neue Typen in Kraft getretenen Euro 3 Norm Dieselautos noch 500 mg NOx pro Kilometer und Benziner 150 mg NOx ausstoßen durften, sind des mit der aktuellen, am 1. September 2017 in Kraft getretenen Euro 6c Norm zufolge nur noch 80 mg/km bei Diesel und 60 mg/km bei Benzinern.

Der Schatten dieser strengen Bestimmungen: Die Grenzwerte können von den Herstellern oft nur noch unter Laborbedingungen erfüllt werden. Die europaweit vermehrte Zulassung von Diesel-Autos seit 1990er-Jahren, die unter anderem von den günstigeren Verbrauchswerten der Dieselfahrzeuge begünstigt wurde, hat die allgemeine NOx-Belastung außerdem zusätzlich verschärft. Mittlerweile fährt fast jedes zweite in Europa zugelassene Auto mit Dieselmotor. Mit über als hundert Millionen Wagen gibt es in Europa zwei Mal so viele Diesel-Autos wie im Rest der Welt. In Östereich kommen auf 1000 Einwohner 311 Diesel-Pkw. Doch nicht nur Autos, auch LKW, Traktoren oder Schiffe werden in der Regel von Dieselmotoren angetrieben.

Stickstoffoxide tragen unter anderem zur Bildung von Feinstaub bei, der Atemwegsbeschwerden verursachen kann. Auch Sehprobleme, Appetitlosigkeit, angegriffene Zähne und Kopfschmerzen werden auf Stickoxide zurückgeführt, die zudem zur Bildung von saurem Regen beitragen.

Eine nun vom britischen "Environmental Research Letters" publizierte Studie stellt europaweit jährlich etwa 10.000 Todesfälle in Zusammenhang mit dem Ausstoß von Feinstaub durch Dieselmotoren. Fast die Hälfte dieser Todesfälle, könnte demnach verhindert werden, wenn die von den Autoherstellern für die jeweiligen Modelle angegebenen Abgaswerte auch tatsächlich eingehalten würden. In Österreich gibt es laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) jährlich etwa 80 vermeidbare Todesfälle durch Diesel-Belastungen.

Neue Motoren, neue Abgastests

Zwei Jahre nach dem Auffliegen des Dieselskandals erhält die Diskussion um Dieselmotoren und Fahrverbote mit der Studie neue Nahrung. Allerdings arbeiten sowohl die Politik als auch die Industrie an neuen Lösungen für sauberere Motoren. Neu typisierte Autos müssen bereits seit September 2017 den RDE-Test (Real Driving Emissions) bestehen, bei dem die Prüfung unter realen Bedingungen auf der Straße erfolgt. Im September 2019 wird der RDE-Test für derzeit schon typisierte Fahrzeuge verpflichtend.

Bisher am Markt befindliche Motoren wurden nur am Prüfstand bei konstanten 20 Grad Außentemperatur getestet. Dabei wurde unter anderem nicht beachtet, dass die Abgasbereinigung, bei der Abgase in den Motor zurückgeführt ein zweites Mal verbrannt werden, stark von der Außentemperatur abhängig ist und nur bei Temperaturen zwischen 15 und 33 Grad im gewünschten Umfang funktioniert. In den österreichischen Landeshauptstädten ist das durchschnittlich nur an rund 40 Prozent aller Tage der Fall.

Abgasreinigung bei Dieselmotoren

Abgasreinigung bei Dieselmotoren

Die NOx-Reinigung wird auch durch weitere Faktoren beeinträchtigt: Ab einer gewissen Meereshöhe - also bei Bergfahrten - wird die Abgasrückführung eingeschränkt. In den ersten Minuten nach dem Start funktioniert sie noch nicht, weil der Motor bzw. die Abgase noch kalt sind. Auch bei Vollgas auf der Autobahn funktioniert die Stickoxid-Reinigung nicht so, wie es der Test am Prüfstand glauben lässt.

Mit neuen Motoren verspricht die Industrie eine Verbesserung der Situation. Dann soll zumindest das sogenannte "Temperaturfenster", in dem die Stickoxidreinigung zur Gänze aktiv ist, bis in die Minusgrade hineingehen. Auch die Abgasreinigung mittels Harnstoff, die bei neuen EURO 6 Motoren bereits zum Einsatz kommt, soll weiter verbessert werden.

Der VCÖ fordert, dass Hersteller pro verkauftem Diesel-Pkw 2.500 Euro in einen Fonds für zusätzliche öffentliche Verkehrsverbindungen vom Umland in die Städte einbezahlen. Zudem seien die betroffenen Fahrzeuge auf Kosten der Hersteller zurückzunehmen. Die Bundesbeschaffungsbehörde sollte weiters keine Diesel-Pkw mehr anschaffen und Fahrzeuge mit überhöhten NOx-Ausstoß an die Hersteller zurückzugeben. Auch die steuerliche Begünstigung von Diesel gegenüber Benzin soll dem VCÖ zufolge wegfallen. Der österreichische Verkehrsminister Jörg Leichtfried hält indessen Diskussionen über Verbote einzelner Technologien wie Diesel für den falschen Weg und betonte erneut, dass es ein Diesel-Verbot mit ihm als Minister nicht geben wird.

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