Rolls-Royce Phantom: Testfahrt im besten Auto der Welt

Rolls-Royce Phantom: Testfahrt im besten Auto der Welt

Auch nur ein Auto? Irrtum! Fahren Sie einmal Phantom, und Sie steigen in nichts anderes mehr ein (auch wenn das heißt, nur noch zu Fuß zu gehen).

Wer erholsame Ruhe, Abgeschiedenheit von der Welt und köstlichen Frieden sucht, kann sich in seinen Luxusatombunker zurückziehen. Muss er aber nicht.

Vielleicht die schönste unter all den Geschichten, die die souveräne Gelassenheit der Marke Rolls-Royce unter Beweis stellen, ist jene von dem Mann, dem in Ägypten die Vorderachse seines Rolls gebrochen war, woraufhin prompt ein Mechanikerteam eingeflogen wurde und eine neue einbaute. Als der Mann Monate später in Crewe nachfragte, wo denn die Rechnung wegen der gebrochenen Vorderachse bliebe, wurde ihm beschieden: Bei einem Rolls-Royce brechen keine Achsen. Natürlich nicht.

Solches hält man als einfacher Mann von der Straße für schnöselhaftes Getue von Leuten, die altmodische Kisten bauen und nicht erkennen wollen, wie sehr ihnen die Moderne in Form zeitgemäß designter, technologisch fortschrittlicher und ökonomisch sinnvoll darstellbarer Autos schon um die Ohren gefahren ist.

BIS MAN SELBER IN EINEM SITZT. In einem Phantom vor allem, dem Spitzenmodell der Marke. Vergessen sind die ordinären Schepperkisten von Daimler, die provinziellen Kübel von BMW oder die schirchen Elektroscherben von Tesla. Denn genau so stellt sich nun die Welt dar: Alles außerhalb der sechs Millimeter dicken Scheiben des Phantom ist bestenfalls ein Naserümpfen wert. Man kann auch eine Augenbraue hochziehen.

Denn es ist in der Tat ein unvergleichliches Fahrgefühl. Wir reden jetzt vom Selberfahren. Tut man in einem Phantom eigentlich nicht. "Unsere Kunden haben Zugriff auf einen Chauffeur", sagt Torsten Müller-Ötvös, der Chef von Rolls-Royce (seit 2000 in BMW-Eigentum). Diesen Zugriff hatten wir bei der Präsentation des neuen Modells, der nunmehr achten Generation seit 1925, auch. Wir hatten eigentlich vorgehabt, überhaupt nicht selber zu fahren, teils aus extra für diesen Termin sorgfältig einstudiertem Snobismus, teils, weil wir dachten, es wird von uns so erwartet. Aber nach 20 Minuten entstieg der Chauffeur dem Wagen und bat uns in feinstem Oxfordenglisch, nun selbst das Ruder übernehmen zu wollen.

Rolls-Royce Phantom: Die Business-Lounge im Fonds.

Rolls-Royce Phantom: Ein Gigant im Straßenverkehr.

Und es ist ein Ruder. Oder Steuerrad. Wie ein Schiff durchpflügt der Phantom die Wogen, und man fährt nicht los, sondern legt ab. Man tut dies geräuschlos, zumindest hört man innen nichts, denn es befinden sich 130 Kilo Dämmmaterial um einen herum. Vorne bullert ein gewaltiger Zwölfzylindermotor, der den 2,6-Tonnen-Wagen theoretisch in 5,3 Sekunden von null auf hundert prügeln könnte. Aber wer wird sich und den Phantom dermaßen erniedriegen?

ES IST DER FLIEGENDE TEPPICH. Magic Carpet Ride nennt Rolls-Royce das Fahrerlebnis mit dem Phantom, das luftgefederte Fahrwerk erkennt Unebenheiten mittels Stereokamera und weiß im Voraus, wie es diese am besten glattbügelt. Und es gibt wirklich kein anderes Auto, das so ruhig über die Straße schwebt wie der Phantom. Beim Bremsen sinkt es demütig vorne ein, in schnell wechselnden Kurven wankt es pflichtschuldig wie ein Reisebus. Aber alles in majestätischer Ruhe und Sanftheit.

Facts: ROLLS ROYCE PHANTOM EWB

  • Preis: 678.300 Euro
  • Motor: 12-Zylinder-Biturbo-Benziner, 6749 ccm, 420 kW (571 PS). Allradantrieb, 8-Gang-Automatik
  • Spitze: 250 km/h
  • 0-100 km/h: 5,3 sec
  • CO2-Ausstoß: 318 g/km
  • Verbrauch: 13,9 l/100 km
  • Ausstattung: Den Serien-Phantom gibt es eigentlich nicht. Die Autos sind grundsätzlich bespoke, also maßgeschneidert.
  • Extras: Was möchten Sie denn gerne haben? Rolls-Royce wird es möglich machen. Ausgenommen sind nur Dinge, die gegen die Gesetze der Verkehrssicherheit oder gegen die gute Sitten verstoßen (wobei natürlich: Der Kunde ist König).

Dabei ist der neue Phantom recht beweglich, denn erstmals verfügt er über Hinterradlenkung, und irgendwie spürt man das beim Abbiegen auch. Aber man wird doch stets auch spüren, dass man in einem sechs Meter langen Auto sitzt (Extended Wheelbase), und so soll es auch sein. Aus einem Phantom wird trotz der extrem leichtgängigen Lenkung kein Stadtfloh.

Aber in gewisser Weise doch ein modernes Auto. Insofern es nämlich praktisch alle Assistenten gibt, welche die Technik ersonnen hat, nur das teilautonome Fahren wurde weggelassen, denn RR-Fahrer haben Zugriff aufs vollautonome Fahren. Das ist hier der Chauffeur.

Was den so wichtigen Innenraum betrifft, ist der Phantom wieder wohltuend altmodisch, nämlich hinsichtlich des betriebenen Aufwands. Was wie Metall aussieht, ist aus Metall. Das Holz ist aus den besten Sorten, und im Armaturenbrett befindet sich jetzt hinter Glas die sogenannte Gallery, wo man eigens angefertigte Kunstwerke einmontieren lassen kann, um eine ungenannte Heidensumme. Der Kühlschrank mit den Champagnerkelchen, die alleine mehrere Tausend Euro kosten, ist da vergleichsweise schon ein alter Hut. Neu ist hingegen das Rear Seat Entertainment, aber irgendwie gibt's keine rechte Nachfrage danach. Ist auch zu banal, Fernsehen im Phantom.


Die Alternativen

Es macht wenig Sinn, einen Phantom mit einem anderen Auto zu vergleichen, denn es gibt kein vergleichbares Auto. Wenn es aber um Fortbewegungsmittel in der entsprechenden Preisregion geht, gibt es durchaus Alternativen.

Eine edles Pferd. Überraschenderweise sind die wirklich kostbaren Pferde so teuer, dass man 30 neue Phantoms um das Geld kriegen kann. Doch auch in den unteren Preisregionen um die 700.000 Euro bekommt man gute Tiere. Man sollte aber genau rechnen, ob das Pferd seine Kaufsumme durch Preisgelder bei Turnier oder Rennen wieder hereinhoppelt.

Ein Privatjet. Ein neuer Businessjet ist leider weit jenseits von dem, was ein Rolls kostet, es sei denn, die Karosserie wäre aus purem Gold. Aber mit einer Gulfstream III ist man dabei (und eine Gulfstream sollte es mindestens sein). Schon gesehen aus dem Baujahr 1984 um 757.319 Euro (auf www.aircraft24.de). 7.600 Flugstunden steckt so ein Ding weg wie nix. Hoffentlich.

Ein schickes Boot. Weil oft gesagt wird: Der einzige Konkurrent des Rolls ist die Yacht. Ist sie nicht. Wir haben hier ein ähnliches Problem wie mit Jet und Pferd (jetzt wissen wir erst, wie billig Autos sind). Aber Boot geht schon. Zum Beispiel eine nagelneue 1414 Demon von Frauscher. Kommt auf 809.880 Euro, und die regionale Wirtschaft fördert man obendrein.


Der Artikel ist der trend Ausgabe 43/2017 vom 27. Oktober 2017 entnommen.

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