"Rechne 2025 bei Elektroautos mit einem Marktanteil von fünf Prozent "

"Rechne 2025 bei Elektroautos mit einem Marktanteil von fünf Prozent "

Magna-Europachef Günther Apfalter erwartet in nächster Zeit bei Elektroautos nicht den großen Durchbruch.

Magna-Europachef Günther Apfalter über seine Einschätzung zum Elektroautomarkt, die E-Hoffnungen des Konzerns, warum er der Förderung von Elektroautos wenig abgewinnen kann, über den Bau eines zweiten Autowerks und die Versäumnisse der Politik.

trend: Derzeit wird der Ausbau der Elektromobilität von der Politik stark forciert. Magna Steyr in Graz startet ab Jahresende mit der Produktion des ersten Elektroautos, dem Jaguar I-Pace. Werden Sie die Anstrengungen erhöhen, auch für andere Hersteller E-Modelle zu bauen? Ist das auch ein Aushängeschild für die Elektro-Kompetenz von Magna?

Apfalter: Der I-Pace ist eines von derzeit fünf Modellen weltweit, die auf einer eigenen E-Plattform basieren. Das ist unser Eintritt in dieses Geschäft. Wir sind der einzige Zulieferer der Welt, der ein Elektroauto bauen kann. BMW hat ganz aktuell entschieden, auch den 5er-Hybrid bei uns fertigen zu lassen. Wir sind also schon mittendrin in der Umsetzung dieser Strategie, mit unserer E-Kompetenz bei den Kunden zu reüssieren.

Welche Einschätzung, wie schnell sich die E-Mobilität verbreiten wird, liegt denn der Magna-Strategie zugrunde ?

Apfalter: Ein schwieriges Thema, zu dem es jeden Tag zig unterschiedliche Vorträge gibt. Wir gehen davon aus, dass reine Elektroautos im Jahre 2025 zwischen drei und fünf Prozent Marktanteil haben werden, die Hybriden 20 bis 25 Prozent. Aber die Autos, die 2025 vom Band laufen, sind jetzt schon mehr oder weniger fertig konstruiert.

Sie haben einmal gesagt, dass die Förderung für E-Autos in Österreich zu früh gekommen ist.


Elektroautos müssen vom Kunden gewollt werden. Dafür fehlt aber noch sehr viel Infrastruktur.

Apfalter: Man sieht das auch an den Zulassungen. Hätte man noch gewartet, so hätte sich die Regierung einiges Geld erspart. Im Endeffekt bin ich der Meinung, dass jede Förderung eine künstliche Marktbelebung ist. Das Produkt muss vom Endkunden gewollt werden. Dafür fehlt aber noch sehr viel Infrastruktur. Beispiel Ladestationen: Mit einem Verbrennungsmotor dauert der Ladevorgang inklusive Zahlen drei bis fünf Minuten, bei einem E-Auto sind es mindestens 20 Minuten. Was an der Tankstelle passiert, wenn die Fahrzeuge dort um den Faktor zehn länger stehen, wird niemals groß diskutiert.

Wie sehen Sie die Zukunft des Dieselmotors? Die ersten Städte haben konkret angekündigt, diesen Antrieb aus dem Stadtgebiet verbannen zu wollen.

Apfalter: Der Dieselanteil wird unseres Erachtens zurückgehen. Auf Prozentsätze lasse ich mich nicht ein, das weiß heute niemand. Auf Magna hat dieses Thema auch relativ wenige Auswirkungen.

Wie sich Mobilität in Zukunft abspielen wird, hat aber sehr wohl Auswirkungen auf Ihren Konzern. Je mehr Menschen in den Städten leben, desto stärker wird der Trend, den Autoverkehr dort massiv einzudämmen, um Stau-und Parkplatzprobleme in den Griff zu kriegen.


Apfalter: Es ist klar, dass das Problem des ruhenden Verkehrs in den Städten gelöst werden muss, damit der Lebensraum attraktiv bleibt. Wir haben im Haus Mitarbeiter, die sich mit diesen Themen intensiv beschäftigen, also damit, wie Magna auch von neuen Verkehrskonzepten profitieren könnte.

Und zwar wie? Uns würden Details interessieren.


Es könnte in Zukunft die Möglichkeit geben, hochgradig autonome Shuttlesysteme einzurichten, die über Smartphone bestellt werden können.

Apfalter: Wir werden zur gegebenen Zeit darüber berichten. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, dass in definierten innerstädtischen Bereichen neben den Öffis hochgradig autonome Shuttlesysteme eingerichtet werden, die du über das Smartphone beauftragst. Die bringen dich dann entweder zu zweit oder zu zehnt an dein Ziel. Das bedingt natürlich zum Teil eine geistige Umstellung der Gesellschaft. Und ich glaube, Magna wird einiges dazu beitragen können.

Neben dem Elektro-Jaguar I-Pace wird Magna-Steyr die Produktion eines zweiten Fahrzeuges von Jaguar Land Rover bekommen. Können Sie schon sagen, welches das sein wird?

Apfalter: Nein, das wird Jaguar demnächst bekanntgeben. Sicher ist, das wir mit der Produktion des I-Pace Anfang 2018 beginnen werden. Außerdem kann ich bestätigen, dass wir weiterhin die Mercedes G-Klasse fertigen werden, die wir schon seit 38 Jahren bauen.

Und Sie werden einen großen Auftrag von Toyota bekommen - wann geht es da los?

Apfalter: Dazu möchte ich mich nicht äußern. Generell haben wir alles so getaktet, dass zwischen den einzelnen Produktanläufen immer genügend Zeit ist.

Wann werden Sie mit Magna Steyr wieder auf die einstige Rekordproduktion von 250.000 Autos pro Jahr kommen?

Apfalter: Heuer gehen wir in Richtung 100.000. Im Jahr 2018 wird es, wenn sich die Nachfrage wie geplant entwickelt, auf die 200.000 zugehen.

Die Entscheidung, ein zweites Autowerk neben Graz zu bauen, ist gefallen. Bleibt es beim Standort in Slowenien, obwohl es schon Proteste von Umweltschützern gibt, oder könnte auch Ungarn wieder ins Spiel kommen?


Slowenien liegt für ein zweites Werk gut im Rennen.

Apfalter: Also zunächst einmal planen wir als ersten Schritt nur ein Lackierwerk in Slowenien. Da läuft gerade der Prozess, alle notwendigen Genehmigungen für den anvisierten Baubeginn im Herbst zu kriegen. In der Region sind 90 Prozent der Bevölkerung für das Projekt. Ein paar Gegenstimmen, die von der Politik auch gehört werden müssen, gibt es immer. Das ist Routinearbeit für uns - Magna hat aktuell 321 Fabriken und eröffnet jedes Jahr 15 bis 20 neue. Slowenien liegt sicher gut im Rennen, aber einen Plan B braucht es immer, wenn nicht sogar einen Plan C.

Diese Lackieranlage soll dann aber schon zu einem Werk für die Montage kompletter Autos ausgebaut werden?

Apfalter: Wenn Nachfrage und Aufträge entsprechend da sind, kann man das Step by Step ausbauen, ja.

Ist die Strategie dabei, dass man an einem Standort mit günstigeren Lohnkosten als in Österreich auch kleinere Autos bauen könnte?

Apfalter: Man könnte. Magna Steyr bewegt sich im Segment der Premiumfahrzeuge. Wenn es uns gelingt, entsprechende Aufträge zu generieren, könnten wir in diesem anderen Werk auch Autos in anderen Segmenten produzieren.

Die neue G-Klasse von Mercedes soll teilautonom fahren, da steckt auch viel Know-how von Magna drinnen. Wo liegen denn die Entwicklungsschwerpunkte des Konzerns?

Apfalter: Natürlich haben wir einen Fokus auf kamerabasierten Systemen, also Advanced Driver Assistance Systems (ADAS). Oder auf Konnektivität: Magna Steyr hat gerade mit Telemotive eine Ingenieurfirma in Deutschland gekauft, die sich ausschließlich damit beschäftigt. Aber Magna treibt bei allen Komponenten Innovationen an: von der Innenverkleidung über die Sitze bis zu den Spiegeln. Inklusive Elektromobilität, klarerweise.

Branchenfremde wie Google oder Apple wollen im Zuge der Digitalisierung in den Automarkt einsteigen. Will Magna da als Partner von der Entwicklung bis zur Produktion mitmischen?

Apfalter: Wir sind aufgrund unserer Kompetenzen ein guter Partner, das gilt für alt eingesessene Partner ebenso wie für neue. Aber warten wir einmal ab, wer von den gehandelten Neuen dann effektiv ein Fahrzeug auf den Markt bringt. Ein Auto konstruieren, bauen, warten und nach dem Verkauf betreuen -das ist etwas schwieriger als beim Smartphone.

Sie sind oft in Kalifornien, offenbar sind die Gespräche mit Apple doch recht konkret...

Apfalter: Es gibt Spekulationen, an denen wir uns aber nicht beteiligen. Ich bin viel unterwegs am Globus, oft auch in den USA, und Kalifornien gehört zu den USA.

Unabhängig davon: Werden viele Newcomer ein Auto auf den Markt bringen, oder werden sich die meisten, die sich damit beschäftigen, wieder aufgeben?


In Europa liegt die Markenloyalität beim Autokauf bei über 40 Prozent.

Apfalter: Zweiteres. Denn das Wesentliche ist ja, eine Marke zu kreieren und die Kunden samt dem damit verbundenen technischen Konzept zu überzeugen. Die Markenloyalität beim Automobilkauf ist nach wie vor sehr hoch, in Europa liegt sie bei über 40 Prozent. Ganz abgesehen vom Werkstattnetz, das brauche ich auch, wenn ich ein autonom fahrendes Auto habe.

Man hört, dass immer mal wieder chinesische Milliardäre das Ansinnen haben, eine eigene Automarke haben zu wollen?

Apfalter: Das kommt vor. Aber man muss sich mögliche Geschäftspartner anschauen, weil wir nur mit jenen zusammenarbeiten möchten, die seriös sind.

Noch eine Frage zu China, wo Magna ein besonders hohes Wachstum hat. Gibt es Überlegungen, dass man in Graz für chinesische Hersteller Autos für den europäischen Markt bauen könnte?

Die Auftragslage in Graz ist zum Glück so, dass wir jetzt ziemlich voll sind. Wenn wir ein zweites Werk haben, könnten wir das machen. Aber derzeit spüre ich noch keine Tendenzen, dass die Chinesen in Europa was bauen lassen wollen. Ob das in fünf Jahren anders ist, werden wir sehen.

Wie beurteilen Sie denn generell den Standort Österreich? Eine ganz aktuelle Umfrage der Industriellenvereinigung Oberösterreich etwa hat vernichtende Ergebnisse zur Arbeit der Regierung und der Sozialpartner gebracht. Wo liegen denn die Probleme?

Man muss zwei Dinge unterscheiden. Mit unserer Mitarbeiterschaft sind wir sehr zufrieden. Auf der anderen Seite liegen die Reformen, die Österreich zu erledigen hätte, ich weiß nicht seit wie vielen Jahren auf dem Tisch, und alle warten, ob sie auch umgesetzt werden -egal, ob das jetzt Kammern, Sozialpartner oder die Regierung betrifft.

Sie waren ja selbst Mitglied einer Arbeitsgruppe von Ex-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner. Ist da irgendwas herausgekommen?


Leider dauert das in der Politik immer sehr lange. In gewissen Bereichen sollte man einen Staat aber führen wie ein Unternehmen.

Apfalter: Ich glaube, zwei Punkte sind abgearbeitet worden, andere sind noch offen. Leider dauert das in der Politik immer sehr lange. Mir ist schon klar, dass man einen ganzen Staat nicht wie ein Unternehmen führen kann, aber gewisse Bereiche kann und sollte man führen wie ein Unternehmen. Warten wir einmal, was die Neuwahlen bringen.


Arbeitszeitflexibilisierung ist das Gebot der Stunde, um wettbewerbsfähiger zu werden.

Was wären denn Ihre dringendsten Wünsche an die nächste Regierung?

Apfalter: Die Arbeitszeitflexibilisierung müsste endlich einmal erledigt werden. Das ist das Gebot der Stunde, um wettbewerbsfähiger zu werden. Zum Glück hat Magna mit der Belegschaftsvertretung, die sehr nahe am Management dran ist, eigene Vereinbarungen geschlossen. Außerdem müssen wir die Lohnnebenkosten nach unten bringen. Und statt Steuern zu erhöhen, müsste die Öffentliche Hand Ausgaben einsparen. Wir sind bei Magna auch gezwungen, jedes Jahr Einsparungen zu bringen, die dann an die Kunden weitergegeben werden.

ZUR PERSON:
GÜNTHER APFALTER, 56, studierte Agrarökonomik an der Universität für Bodenkultur Wien und trat 1985 ins Traktoren-Geschäft von Steyr-Daimler-Puch ein. Bei der späteren Case Steyr AG brachte es der Linzer bis zum CEO. 2001 Wechsel zu Magna. Der Sohn des einstigen Voest-Generaldirektors Heribert Apfalter ist seit 2010 Präsident von Magna Europe.

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