Porsche steigt aufs Gas bei E-Mobility

Porsche steigt aufs Gas bei E-Mobility

Porsche verdoppelt Budget für einen kräftigen Stromstoß - ein reines E-Auto ist ein Ziel, das bis 2022 angesteuert wird. Die Hybrid-Version Panamera Turbo S E-Hybrid war fürs erste ein wichtiges Projekt.

Die Volkswagen-Tochter Porsche packt den E-Motor unter die Haube. Sechs Milliarden Euro wurden nun für Investitionen in die Elektromobilität reserviert. Doppelt so viel, wie bisher budgetiert. Das Geld soll vor allem in die Produktpalette gesteckt werden.

Ein Porsche mit Elektroantrieb, der womöglich still und leise, statt sich lautstark und röhrend ankündigt und über die Straßen glüht? Für die echten Benzinbrüder, vor allem Porsche-Fans, war das bis vor kurzem nicht vorstellbar, vielmehr eine grauenhafte Vorstellung. Und wer bisher von null auf 100 beschleunigte erfreute sich nicht nur daran, dass er in den Sitz hineingedrückt wurde, sondern vielmehr auch daran, dass die Motorkraft auch hörbares Röhren produziert hatte.

Doch die Zeiten ändern sich. Die Automobilhersteller sind unter Druck. Sie müssen liefern. Spätestens seit Dieselgate, mit dem Volkswagen nicht nur sein Image als Umweltsünder beschädigt hat, sondern vielmehr noch den Kunden betrogen hat, steht der Autokonzern unter Druck.

Dass ausgerechnet die Sportwagentochter Porsche nun vorprescht und ankündigt bis zum Jahr 2022 in sein als "Zukunftspaket" genanntes Investitionsprogramm "mehr als sechs Milliarden Euro" investieren will, kommt dann doch ein wenig überraschend. Laut Porsche wird somit die Investition doppelt so hoch ausfallen wie geplant. Und die Überraschung: Porsche will neben den Sportwagen mit Hybrid-Motoren auch Autos mit einem Elektromotor auf den Markt bringen.

„Damit verdoppeln wir die Aufwendungen für die Elektromobilität von rund drei Milliarden auf mehr als sechs Milliarden Euro“, sagt Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG. „Neben der Weiterentwicklung unserer Modelle mit Verbrennungsmotoren stellen wir wichtige Weichen für die Zukunft.“

Doppeltes Budget

Die Verdoppelung des Budgets wurde nun vom Aufsichtsrat durchgewunken. Die Hälfte der Investitionssumme fließt in Sachinvestitionen. Etwas mehr als drei Milliarden Euro soll in die Entwicklung gesteckt werden.

Von dem zusätzlich aufgestockten Budget von drei Milliarden Euro fließen laut Porsche etwa 500 Millionen Euro in die Entwicklung von Varianten und Derivaten des Mission E. Gut eine Milliarde Euro sei für die Elektrifizierung und Hybridisierung der bestehenden Produktpalette bestimmt. "Mehrere hundert Millionen" werden für den Ausbau der Standorte verwendet. Rund 700 Millionen Euro wird laut Porsche für neue Technologien, Ladeinfrastruktur und Smart Mobility investiert. Durch das "Projekt Mission E" wird rund 1200 neue Arbeitsplätze bringen.

Apropos Standort: In Zuffenhausen wird derzeit eine neue Lackiererei und eine eigene Montage errichtet sowie eine Förderbrücke für den Transport der lackierten Karosserien und Antriebseinheiten in die Endmontage.

Das bestehende Motorenwerk wird für die Herstellung der Elektroantriebe ausgebaut, der Karosseriebau wird erweitert. Dazu kommen Investitionen im Entwicklungszentrum Weissach.

Der E-Sound of Silence

Ein ausschließlich mit Elektromotor betriebener Porsche ist in Vorbereitung. Der Sportwagen Mission E, der nur einen E-Motor unter der Haube hat, soll über eine "Systemleistung von 600 PS" verfügen. Von null auf 100 km/h soll der Wagen mit E-Motor deutlich weniger als 3,5 Sekunden benötigen.

Das wiederholte Gasgeben und bremsen soll das E-Auto laut Porsche "ohne Leistungsverlust" wegstecken. Vorsichtiges Taktieren sei nicht notwendig. Die Batterie würde angeblich nicht zu stark zu beansprucht werden, nur weil man etwa ganz normal fahren will - also Gas geben, bremsen und wieder Gas geben sich abwechselt. 500 Kilometer soll das Auto also ganz normal in einem Stück dahinfahren können, ohne es an die Steckdose andocken zu müssen.

Bei der Ladedauer verspricht Porsche Großes in der Kürze: Die 800 Volt Systemspannung wird dem E-Motor einen Stromstoß geben, so dass die Stromladung für weitere 400 Kilometer schon in 15 Minuten aufgetankt sein soll.

Das E-Tankstellen-Netz

Dass ohne ein neues, vor allem dichtes Stromtankstellennetz die E-Mobilität nicht abheben wird, wissen in der Zwischenzeit auch die Autobauer. Und da rücken die Autobauer zusammen. Aus Konkurrenten werden da sogar Partner. Die Volkswagen-Marken Porsche und Audi machen gemeinsame Sache mit den Konkurrenten BMW, Daimler und Ford. Über das Joint Venture Ionity wollen die fünf Autokonzerne rund 400 leistungsstarke Schnellladestationen errichten und betreiben. Das komplette E-Tankstellen-Netz soll entlang der europäischen Hauptverkehrsachsen errichtet werden und bis zum Jahr 2020 fertig sein. Der Startschuss für den Ausbau ist bereits im Vorjahr erfolgt

Zusätzlich verspricht Porsche sein Händlernetz – ergänzend zu Ionity – flächendeckend mit Schnellladestationen auszurüsten.

Der 4-Liter-Hybrid-Porsche fährt an

Porsche verweist bereits auf seinen neuen Panamera in dem Porsches dritte Generation des Plug-in-Hybridantriebs in zwei Varianten verbaut wurde. Die elektrische Reichweite ist allerdings bescheiden und bringt das Auto mit Strom gerade einmal bis zu 50 Kilometer weit. Der Panamera Turbo S E-Hybrid (siehe Bild, oben) verfügt über einen Vierliter-V8-Motor und Elektromotor, die 680 PS auf die Straße bringen. Porsche verortet das Modell als "das sportlichste Fahrzeug im Luxussegment" wegen seines Hybridantriebs.

Doch damit nicht genug. Die Porsche-Freunde sollen mittlerweile die Hybridautos derart goutieren, dass in Europa seit der Markteinführung rund 60 Prozent der Fahrzeuge dieser Baureihe Hybridmotor unter der Haube haben. Bei den Auftragseingängen soll die Quote etwa in Skandinavien mit rund 90 Prozent sogar weit darüber gelegen haben.

Trotz aller Bemühungen um den Stromkick, wird Porsche aber auch in Hinkunft noch Autos mit Verbrennungsmotoren bauen.

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