Polestar: So will die neue Elektro-Automarke in Österreich reüssieren

Die schwedische Elektroautomarke Polestar ist im Oktober 2021 mit dem ersten Schauraum und dem Modell Polestar 2 in Österreich gestartet. Was das Auto kann, wo in Österreich Testfahrten angeboten werden, welche Vorteile der reine Online-Verkauf bietet, wo Reparaturen und Services erfolgen sollen und welche Modelle als Nächstes kommen sollen.

Polestar: So will die neue Elektro-Automarke in Österreich reüssieren

Polestar präsentiert die neue Elektroautomarke und tourt dafür durch die Bundesländer. Gekauft wird ausschließlich digital.

Bisher ist die Marke Polestar nur wenigen ein Begriff. Doch das soll sich ändern. Die elektrische Performance-Marke des schwedischen Autoherstellers Polestar - gegründet von Volvo und Geely - soll in den nächsten Wochen in Österreich stärker bekannt gemacht werden.

Premium-High-Performer mit 600 PS machte den Anfang
Polestar wurde zwar schon 2017 gegründet, doch zunächst wurde nur ein Prestigemodell, der Polestar 1, in stark limitierter Stückzahl gebaut. „Dieses Premium-High-Performance-Modell soll die Marke auf die Bühne bringen“, erläutert Thomas Hörmann, Managing Director von Polestar Österreich. Weltweit gibt es davon nur 1.500 Stück. Die Letzten davon laufen Ende 2021 vom Band. Der Sportwagen ist zwar ein Hybrid, wird aber seinem Anspruch als Hochleistungsmodell mehr als gerecht: Das System leistet 609 PS, das Drehmoment 1.000 Newtonmeter. Der Preis hat es ebenso in sich: 159.000 Euro. „In Österreich gibt es eine Handvoll dieser Sammlerstücke“, verrät der Manager.

Seit April 2021 Autos online am Start
Vor zwei Jahren wurde mit dem Polestar 2 erstmals auch ein erschwinglicheres Modell, und dem Tesla Modell 3 nicht ganz unähnlich, vorgestellt und sukzessive auf die ersten Märkte ausgerollt. Seit wenigen Monaten ist das Fahrzeug in zehn Ländern erhältlich, Österreich, Finnland und Dänemark sind jene, wo das neue Mittelklasse-Elektroauto erst jüngst seinen Start hatte, wenn auch bereits seit April 2021 über die österreichische Homepage von Polestar Testfahrten gebucht und für den Kauf vorreserviert werden konnten. Über 1.000 Anfragen für Testfahrten und 600 Reservierungen gab es bereits damals. 60 Stück wurden bereits verkauft.


Eckdaten Polestar 2

Die Fließheck-Limousine ist in zwei Varianten erhältlich, als Long Range Dual Motor mit 408 PS, 300 kW, Allrad, 660 Newtonmeter Drehmoment, von 0 auf 100 km in 4,7 Sekunden und mit einer Reichweite von bis zu 480 Kilometer (nach WLTP). Als Modell mit Long Range Single Motor mit 231 PS, 170 kW und Frontantrieb, der es in 7,4 Sekunden auf 100 km schafft, soll es mit einer Ladung bis zu 540 Kilometer schaffen. Das günstigere Modell gibt es zum Einstiegspreis von 47.900 Euro.


Erster Schauraum und Roadshows

Erster Standort: Der Polestar Space Vienna
Seit Anfang Oktober 2021 ist das erste vollelektrische Modell der Schweden nun auch in einem eigenen Schauraum, dem sogenannten Polestar Space Vienna, zu besichtigt werden. Die Adresse des Space in der Wallnerstraße 5 im ersten Wiener Bezirk ist für Elektroauto-Fans keine unbekannte. Der Schauraum diente bereits dem kalifornischen Konkurrenten Tesla dazu, seine Fahrzeuge zu präsentieren. Weitere solcher Spaces sollen folgen, davon voraussichtlich einer in Graz und einer in Linz. Mehr sei auch nicht vorgesehen, ein stationärer Handel ohnehin nicht geplant. Weltweit gibt es Polestar in 14 Ländern in denen es über 50 dieser Spaces gibt.

Testfahrten in den Landeshauptstädten möglich
Damit der High-Performer aus Schweden made im chinesischen Taizhou, auch über die Hauptstadt-Grenzen hinaus bekannt wird, werden in einem ersten Schritt bis Ende November 2021 Vorführwagen gezeigt. Der Auftakt erfolgte im Oktober in Salzburg, als nächstes macht das Modell mit E-Power in Innsbruck Station, ehe es weiter nach Dornbirn und Linz geht. Auf diesen Roadshows sind Testfahrten online unter polestar.com buchbar. In Zukunft sollen solche Testfahrmöglichkeiten in den Bundeshauptstädten regelmäßig stattfinden.

Polestar-Österreich-Chef Thomas Hörmann beim Gespräch mit dem trend im neuen Polestar Space Vienna in der Wallnerstraße 5 im ersten Wiener Bezirk.

So laufen Beratung und Verkauf ab

Verkauf: Online only
Als Newcomer unter den Autoherstellern kommt Polestar zwar nicht ganz ohne Schauraum, dafür aber ohne stationären Handel aus. Denn der Verkauf findet, ab Oktober auch ausschließlich digital statt. Als absolute Beginner als Autobauer kann es sich Polestar leisten, beim Verkauf gleich von Beginn an die Devise „Digital Only“ auszugeben, ohne damit wie bei etablierten Herstellern befürchten zu müssen, alteingesessene Händler vor den Kopf zu stoßen. „Die Beratung in den Schauräumen ist für den Kunden mit keinerlei Verkaufsdruck verbunden. Niemand in den Schauräumen arbeitet bei uns auf Provision“, betont Hörmann. Die gesamte Costumer Experience sei digital getrieben. Ein Trend, der sich generell abzeichne und der durch die Pandemie verstärkt wurde, so der Polestar-Boss weiter.

E-Commerce-Gesetz ermöglicht Rücktritt vom Kauf
Der Onlinehandel hat für die Käufer auch einen speziellen Vorteil gegenüber dem Kauf in einem Geschäft oder Schauraum. Wer im stationären Handel ein Auto nach seinen genauen Vorstellungen konfigurieren lässt und bestellt, muss das Auto hinterher laut Gesetz auch kaufen, selbst wenn dieser nach dem Kauf feststellt, dass doch lieber ein anderes hätte. Anders ist es beim Online-Kauf. Dort gilt das E-Commerce-Gesetz (ECG). Das gibt Privatkunden das Recht, die online etwas gekauft haben, die Ware ohne Angabe von Gründen innerhalb einer Frist von 14 Tagen und weitgehend ohne Kosten von derartigen Verträgen zurücktreten kann. „Diese gesetzlichen Bestimmungen gelten natürlich auch für Polestar“, weist Hörmann auf diese Besonderheit des Online-Autokaufs hin. Wenn das auch bisher in keinem der zehn europäischen Märkte, wo dieses Gesetz gilt, noch nicht passiert ist. „Das ist das Risiko, das man als Unternehmen eingeht, wenn man ein teures Produkt digital verkauft.“

Lieferzeit: In drei Wochen zum vorkonfiguriertem Auto
Von Lieferproblemen sehen sich die Schweden derzeit nicht betroffen. Hörmann: „Die Verfügbarkeit von Modellen ist etwas, was uns derzeit wesentlich von vielen anderen Herstellern unterscheidet.“ Einer der Gründe dafür: die geringen Variationsmöglichkeiten. So stehen im Großen und Ganzen sechs Farben, zwei Motoren und drei Ausstattungspakete zur Auswahl. "Vorkonfigurierte Modelle sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Geschäftsmodells“, so der Polestar-Österreich-Chef. Vorkonfigurierte Polestar 2 werden innerhalb von rund drei Wochen ausgeliefert. Sonst dauert es im Schnitt drei Monate. Ab 2022 soll es auch die Möglichkeit bestehen, sich das bestellte Fahrzeug auch nach Hause liefern zu lassen. Derzeit sind die neuen Autos allesamt noch bei Volvo Grünzweig in Mödling abzuholen.

Werkstatt-Netz


Werkstätten von Volvo
„Viel mehr als ein stationärer Verkauf zählt für die Kunden ein gutes Werkstattnetz“, weiß der Polestar-Österreich-Chef. „Da sind wir gut aufgestellt, da Polestar das Werkstattnetz unseres Schwesterunternehmens Volvo nutzt“, so der Manager der Marke. In Österreich ist Polestar diesbezüglich bisher mit 27 Volvo-Händler Partnerschaften eingegangen, diese für die neuen Modelle auch geschult wurden. „Wir können uns damit vom Tag eins des Marktstartes auf ein gut ausgebildetes, qualitativ hochwertiges Service- und Reparaturnetzwerk verlassen.“

Ausblick


Diese Modelle sind bis 2025 geplant
In den nächsten Jahren soll die Produktpalette weiter ausgebaut werden. 2023 soll der Polestar 3 in Österreich auf Österreichs Straßen rollen. Der Preis für diesen SUV, der sowohl in China als auch hin den USA produziert wird, soll zwischen 80.000 und 100.000 Euro liegen. Ebenfalls in der Pipeline, der Polestar 4, ebenfalls ein SUV und der Polestar 5, eine Limousine.

Gut gefüllte Kassen
Die Kassen für Investitionen sind gut gefüllt. Der chinesische Autohersteller Geely, der 2010 Volvo übernommen hat, und der schwedische Autobauer Volvo haben bereits 640 Millionen Euro in Polestar gesteckt. Investoren aus China und den USA haben im April 2021 weitere 550 Millionen Euro zugeschossen.

Große Expansionspläne
Bisher wurden mit der schrittweisen Online-Einführung der beiden ersten Modelle im Vorjahr 10.000 Stück weltweit abgesetzt. Aber schon 2025 sollen, wenn alles nach Plan läuft, 290.000 Stück per Click & Go abgesetzt werden. Damit wäre die Marke dann laut Management nachhaltig profitabel.

Take Aways
  • So kommen Sie zu einem neuen Polestar:
    Besichtigung im neuen Polestar Space Vienna oder
    auf einem der Tour-Stationen durch die Bundesländer
    Testfahrt buchen
    Das gewünschte Modell um 1.000 Euro reservieren
    Den Kauf online auf der Homepage von Polestar abwickeln
    Sobald das bestellte Fahrzeug eingetroffen ist, bei Volvo Grünzweig in Mödling abholen
    Service und Reparatur bei einem von bisher 27 Volvo-Händlern.

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