Realitäts-Check: Bis zu 56 Prozent mehr Spritverbrauch

Realitäts-Check: Bis zu 56 Prozent mehr Spritverbrauch

Erstmals gehen Peugeot und Citroen mit realen Verbrauchswerten auf Basis eines Tests im normalen Straßenverbrauch, an die Öffentlichkeit. Der Unterschied zu den bisherigen Angaben ist gewaltig.

Abgaswerte von Autos, die im Labor gemessen werden, klingen zu schön um wahr zu sein. Die Realität sieht auch anders aus. Der PSA Konzern mit den Marken Peugeot und Citroën hat drei Modellen einem CO-2-Realitätscheck unterzogen. Dieser wurde auf Basis eines Prüfverfahrens der unabhängigen europäischen Umweltschutzorganisation Transport and Environment (T&E) überwacht und geprüft.

Der Test wurde nahe Paris mit mehreren Passagieren, Gepäck und unter der Benützung von Airkondition und realen Fahrbedingungen durchgeführt. Anders als bei den derzeitigen Prüfverfahren die im Auto enthaltene Technik gerne abgeschaltet, beispielsweise die Klimaanlage. Möglich ist bei diesem Normzyklus auch der Einsatz von Technologie, die ihre Vorteile vor allem im Test ausspielen und kaum auf der Straße – das ist laut T&E-Experten zufolge etwa bei Start-Stopp-Systemen der Fall. Wenn dann auch noch Hersteller legale Spielräume im Testverfahren zu ihren Gunsten auszunützen, ist die Mogelpackung perfekt.

Abweichungen bis zu 56 Prozent

Um den offiziellen Regeln zur Ermittlung der Verbrauchswerte realistische Daten entgegenzusetzen, hat der PSA Konzern die drei Modelle Citroën Grand C4 Picasso, Citroën DS3 und Peugeot 308, jeweils als Diesel mit 120 PS getestet. Die Ergebnisse sind erwartungsgemäß ernüchternd. Der Peugeot 308 verbrauchte demnach nicht, wie laut Werk angegeben, 3,2 Liter auf 100 Kilometer, sondern 5,0 Liter. Ähnlich schlecht schnitt der Citroën Grand C4 Picasso ab. Satt wie vom Werk angeben 3,8 Liter Sprit zu brauchen, waren es 5,6 Liter. Damit lagen die Verbrauchswerte zwischen 35 und 56 Prozent höher, als laut den Angaben des Werks.

Fahrtests, etwa auch von Format, haben ähnliche Größenordnung bereits vermuten lassen. Doch häufig wurde ein Mehrverbrauch gegenüber den Werksangaben von rund 20 Prozent genannt. Nun könnte sich abzeichnen, dass auch bei anderen Herstellern und Modellen der Echtverbrauch und die Angaben des Werks zum Verbrauch auf Basis der offiziellen Standardprüfung doch erheblich differieren.
Citroën und Peugeot wollen trotzdem den nächsten Schritt in Sachen Transparenz wagen. Ende des Sommers sollen 30 Modelle aktuelle Modelle der beiden Marken nach dem strengen Spritprüfverfahren der europäischen Umweltorganisationen T&E erfolgen.

Neues Prüfverfahren ab 2017 näher an der Realität?

Bisher werden die Abgase eines Neuwagens am Prüfstand mit den sogenannten Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) gemessen. Ab 2017 sind Autohersteller jedoch dazu verpflichtet den sogenannten WLTP-Zyklus, eine neue Methode, um den tatsächlichen Verbrauch von Autos, anzuwenden. Angeblich ist dieses Verfahren realitätsnäher als das NEFZ-Verfahren. Die Standzeiten sollen sich während dieses Testverfahrens von 25 auf 13 Prozent verringern. Die Maximalgeschwindigkeit von derzeit 120 auf 131 km/h erhöhen. Auch Sonderausstattungen für Gewicht, Aerodynamik und Bordnetz im Ruhezustand werden berücksichtigt. Der Verbrauch der Klimaanlage jedoch wieder nicht. Einen Zusatzverbrauch von 40 bis gar fast 60 Prozent und damit eine Annäherung an den realistischen Wert, scheint damit aber nicht wahrscheinlich.

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