Osteuropa überschwemmt österreichischen Markt mit billigen Autoteilen

Osteuropa überschwemmt österreichischen Markt mit billigen Autoteilen

Selbst Originalteile für Autos, importiert aus Osteuropa, werden um bis zu 30 Prozent billiger nach Österreich geliefert.

Die österreichischen Autoteilehändler verzeichnen 2019 ein schlechtes Jahr. Grund ist der dramatische Anstieg an Billig-Importen von Autoersatzteilen aus dem Osten, nicht selten Originalteile. Wie der Ostimport zu Dumpingpreisen funktioniert und wofür die Teilehändler plädieren.

Die österreichischen Autoteilehändler sind derzeit massivem Wettbewerbsdruck ausgesetzt. „Unser Umsatz ist in den vergangenen drei Jahren im Schnitt in der Branche um 30 Prozent eingebrochen. In den vergangenen Monaten war der Umsatzrückgang in der Branche sogar noch stärker“, schildert Wolfgang Dytrich, Vorsitzender der Großhandel mit KFZ-Teilen in der Wirtschaftskammer, die Situation. Dafür verantwortlich sind Billig-Importe von Autoersatzteilen, oft Originalteile, aus osteuropäischen Ländern. Das Problem existiert zwar bereits schon länger, „doch die Händler aus Osteuropa, die nach Österreich liefern, werden dabei immer professioneller.“ Weshalb das Jahr 2019 laut Kammer für den Kfz-Teilehandel in Österreich ein schlechtes werden wird.

Schwunghafter Osthandel zu Dumpingpreisen - Just-in-time in Österreich
Das Geschäftsmodell ist einfach. Die Teilhändler aus Osteuropa erhalten die Teile, aufgrund der niedrigeren Kaufkraft vor Ort, wesentlich billiger als die Händler in Österreich. In Folge dessen hat sich ein schwunghafter Handel mit den deutlich günstigeren Ostwaren nach Westeuropa entwickelt hat. Die Lieferung nach Österreich erfolgt Just-in-time, zwar mit Aufschlägen, aber noch immer deutlich günstiger als die hierzulande angebotenen Produkte.
Die Preise, die Autozulieferer für Ersatzteile im Osten Europas verlangen, sind recht unterschiedlich. Teilweise werden die Produkte in diesen Ländern um bis zu 30 Prozent günstiger verkauft. Entsprechend hoch ist die Spanne beim Verkauf in Österreich.

130 Euro für einen Teile-Transport über hunderte Kilometer
Den Transport der Teile übernehmen meist Selbstständige. „Diese bekommen, wie wir hören, rund 130 Euro für eine Fahrt von beispielsweise 700 Kilometer. Sie liefern Teile aus allen Teilen Osteuropas, sogar aus ferneren Ländern wie der Ukraine nach Österreich“, so Dytrich. Die häufig im Internet bestellten Waren sind dann in zwei Tagen hier.
Die Personalkosten sind extrem niedrig. „Die Kosten für Mitarbeiter und Zusteller sind bis zu einem Zehntel günstiger als bei uns“, so Walter Birner, vom Verband der freien Teilehändler, der rund 3.000 Teilhändler in Österreich vertritt.


Keine rechtlichen Einschränkungen

„Es gibt keine rechtlichen Einschränkungen, um diese Billigimporte zu verhindern“, hält Teileobmann Birner fest.

Preisabschläge der Autozulieferer im Osten sollen reduziert werden
Als sinnvolle Maßnahme, um den Handel billiger Teile einzudämmen, wäre nach Ansicht von Dytrich, die Bandbreite der Preise in Osteuropa auf zehn Prozent zu reduzieren. „Dann würden sich die Transportkosten aufgrund der geringeren Aufschläge nicht mehr rechnen.“

Je größer der Preisunterschied, umso größer das Risiko eines Fakes
Für Endkonsumenten ist der Einbau von Ersatzteilen aus dem Ausland nicht ohne Risiko. „Selbst für ein geschultes Auge ist es oft nicht erkennbar, ob es sich um ein Fake oder ein Originalteil handelt“, so Dytrich und erzählt eine Anekdote. „Ein westlicher Anbieter hat in China eine Autoteilemesse besucht, an der dieser selbst keinen Stand hatte, hat dort aber einen solchen vorgefunden. Mit haargenau seinem Logo und seinen vermeintlichen Produkten.“ Bei Fakes ist alles möglich, sogar Messestände. Wenn ein gefälschtes Produkt letztlich nicht die Qualität des Originals aufweist, kann das gerade bei Autoteilen ins Auge gehen. „Je größer der Preisunterschied zum Original und von je weiter im Osten das Produkt nach Österreich geliefert wird, umso größer die Wahrscheinlichkeit ein Fake zu kaufen“, so die Erfahrungswerte von Teilegroßhändler Dytrich.

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