ÖAMTC widerspricht VKI: Keine Probleme nach VW-Updates

ÖAMTC widerspricht VKI: Keine Probleme nach VW-Updates

Der Verein für Konsumentenschutz (VKI) will in einer Umfrage Probleme bei VW-Modellen ausgemacht haben, an denen nach dem Dieselskandal Software-Updates durchgeführt werden mussten. Die Tests des Autofahrerclubs ÖAMTC kommen zu einem anderen Ergebnis.

Der VKI (Verein für Konsumenteninformation) hat eine Umfrage unter seinen 27.000 Mitgliedern, die sich von VW aufgrund der Betrugssoftware geschädigt fühlen und nun den Hersteller klagen wollen, durchgeführt. Das Ergebnis ist vernichtend. Rund 10.800 der klagswilligen VKI-Mitglieder haben an der Umfrage teilgenommen.

3.600 VKI-Mitglieder mit VW-Update unzufrieden

Von 9000 Fahrzeughaltern unter den VKI-Mitgliedern, die das Update bereits durchgeführt haben, berichteten rund 3600 Teilnehmer über negative Auswirkungen durch die Umrüstung ihres Fahrzeugs. Von diesen berichteten 1.800 Personen über einen erhöhten Kraftstoffverbrauch. Leistungseinbrüche meldeten mehr als 1.400 Teilnehmer. Dass der Motor ruckeln oder nageln würde, meinten demnach 1.400 Konsumenten. Probleme beim Beschleunigen gaben mehr als 1.000 Teilnehmer an. Bei rund 650 der Befragten zeigten sich Probleme mit dem Abgasrückführungssystem. Eine schnellere Verrußung des Partikelfilters meldeten knapp 500 Teilnehmer. Einige hundert Befragte berichteten nach dem Software-Update auch von einer erhöhten Geruchsbildung oder stärkeres Gebläse, nach der Umrüstung.

ÖAMTC hat Autos vor und nach den Updates auf Prüfstand und mit mobilen Messgeräten getestet

Aufgrund dieser Einschätzungen der VKI-Mitglieder hat trend.at Max Lang, Cheftechniker des Verkehrsclubs ÖAMTC, um seine Expertise gebeten. Der Verkehrsclub hat unabhängige und aufwändige Untersuchungen vor und nach der Umrüstung von VW-Modellen durchgeführt. Ziel der ÖAMTC-Untersuchungen war, herauszufinden, ob das Update tatsächlich funktioniert. Und ob Konsumenten daraus Nachteile wie höheren Verbrauch oder verminderte Leistung entstehen. Zudem können sich Clubmitglieder, wenn sie Probleme bei der Umrüstung haben, direkt an den ÖAMTC wenden.

Keine negativen Auswirkungen auf Verbrauch, Leistung und Fahrverhalten gemessen

Sowohl die technische Analyse vor und nach der Umrüstung als auch das Feedback der Kunden ergeben ein völlig anderes Bild als die VKI-Umfrage: Bei der technischen Analyse, die sowohl auf dem Rollenprüfstand der TU Wien als auch mit mobilen Messgeräten auf der Straße durchgeführt wurden, wurden keine negativen Veränderungen nach dem Software-Update festgestellt. Die umfassenden Tests haben dem Club rund 30.000 Euro gekostet. Sie wurden ebenso vom deutschen und Schweizer Verkehrsclub durchgeführt - diese kamen zu den gleichen Ergebnissen. Die Messungen bei Rollwiederstand waren mit jenen der mobilen Abgaslabors identisch. Unter realistischeren Fahrzyklen gingen die NOx-Emissionen nach der Umrüstung zum Teil sogar stark zurück. Damit ergeben sich laut den Verkehrsclubs durch die Umrüstung weder bei Verbrauch, noch bei Leistung oder Fahrverhalten negative Auswirkungen

50 Beschwerden, die rasch gelöst werden konnten

Von VW-Fahrern, die ein Software-Update durchführen ließen, gingen beim Verkehrsclub kaum Beschwerden ein. Von den 2,1 Millionen ÖAMTC- Mitgliedern, sind rund die Hälfte Dieselfahrer, darunter viele, die einen VW besitzen. „Insgesamt haben sich nach den VW-Updates aber nur rund 50 Mitglieder beschwert“, relativiert ÖAMTC-Cheftechniker Lang die Problematik. „Wir haben uns darauf hin stets mit dem Importeur, der Porsche Holding, in Verbindung gesetzt und nach dem nächsten Werkstättenbesuch waren die Probleme gelöst“, erzählt Lang.

„Bei einzelnen Mitgliedern, die sich nach dem Update an uns gewandt haben, stellte eine leichte Steigerung der Leistung fest. Damit verbunden ist naturgemäß auch ein höherer Verbrauch“, erläutert Lang. Auch verstopfte Partikelfilter, ein Mangel den VKI-Mitglieder nannten, sind Lang nicht fremd. Wenn Partikelfilter öfter verstopft sind, liegt das aber meist daran, dass viel in der Stadt beziehungsweise im Stau gefahren wird. Bei häufigen Überlandfahrten löse sich dieses Verstopfung in Luft auf. „Mit Software-Updates hat das meist nichts zu tun.“

Verkehrsclubs lösen technische Mängel mit Technikern des Autoimporteurs auf kurzem Weg

Generell setzt der Verkehrsclub, wenn bei Autos von Mitgliedern technische Schwierigkeiten auftreten, die außerhalb der Norm sind, auf die Kooperation mit dem jeweiligen Autoimporteur. Lang: „In solchen Fällen setzt sich stets einer unserer Techniker mit einem Techniker des jeweiligen Importeurs in Verbindung und versucht auf schnellem Wege eine Lösung zu finden – ohne Anwalt.“ Diese Zusammenarbeit funktioniert laut ÖAMTC seit Jahren sehr gut. „Wenn allerdings ein Autobesitzer sich aufgrund eines Mangels beschwert, sich aber herausstellt, dass dieser beispielsweise jahrelang kein Service gemacht hat, kann dafür natürlich der Hersteller nicht verantwortlich gemacht werden“, schränkt Lang ein.

Die Ursache für die hohe Zahl der Beschwerden der VKI-Mitglieder über die Updates von VW könnten nach Einschätzung von Lang einen anderen Grund haben. „Da wurden nur Mitglieder befragt, die VW klagen wollen. Diese stehen den Updates meist wohl von vorneherein mit einer negativen Haltung gegenüber“. Seiner Erfahrung nach sind die Besitzer von VWs oder Audis, die zum Update kommen, mit ihren Autos vielfach zufrieden und würden es am liebsten gar keinem Software-Update unterziehen. Allerdings ist die Rückrufaktion für alle Halter verpflichtend, da die aktuelle Software rechtlich als „unzulässige Abschalteinrichtung“ gewertet wird. In letzter Konsequenz könnte den Haltern die Fahrzeugzulassung entzogen werden, wenn sie die notwendigen Behebungsmaßnahmen verweigern.

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