Diesel: 150 Modelle über Schadstoff-Grenzwerten

Diesel: 150 Modelle über Schadstoff-Grenzwerten

29 Millionen Dieselautos in Europa übersteigen die Grenzwerte - vielfach bei weitem.

Die europäische Umweltschutzorganisation Transport & Environment hat geprüft, ob die Dieselautomodelle die vorgeschriebenen Stickoxid-Grenzwerte einhalten. Das Ergebnis ist desaströs.

Seit Jänner 2014 müssen neu typisierte Modelle die Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Die Norm soll die Einhaltung strenger Stickoxid-Grenzwerte (NOx-Werte) gewähren. Doch das tun diese mitnichten, wie nun eine Studie der Umweltschutzorganisation Transport & Environment (T&E) aufdeckt. Die Auto-Umweltaktivisten haben dazu 230 Dieselmodelle auf die Emission der gesundheitsschädlichen NOx-Werte geprüft. 66 Prozent und damit 151 Dieselmodelle erfüllen, laut Studie die vorgeschriebene Euro 6 Norm nicht. Zwei Drittel der Modelle, die angeben die Abgasnorm Euro-6 zu erfüllen, stoßen laut der T&E-Studie nach wie vor bei der Nutzung auf den Straßen im Schnitt sogar drei Mal so viel Schadstoffe aus, wie das 80-Gramm-Limit pro gefahren 1000 Kilometer erlauben. Die meisten dieser Modelle werden seit 2015 verkauft.

29 Millionen „schmutzige“ Dieselautos in Europa unterwegs

Das Ausmaß des Dieselskandals wird jedoch erst deutlich, wenn man die Zahl der betroffenen Autos betrachtet. So ergab die Kalkulation von T&E, dass derzeit in Europa offenbar 29 Millionen Dieselautos die offiziellen Stickoxid-Grenzwerte übersteigen. Laut der Umweltschutzorganisation sind diese Schätzungen aber noch konservativ ausgelegt. Die Zahl entspricht rund 76 Prozent aller in Europa zwischen 2011 und 2015 verkauften Dieselautos.

VW hat seine Lektion gelernt

Die größten NOx-Sünder, gemessen an der Euro 6 Norm, sind laut Studie Fiat und Suzuki, die den erlaubten Schadstoffausstoß gar um das 15-fache überschreiten. Mehr als 14-fache als zulässig, stoßen auch Modelle von Renault und Nissan aus. Der größte Stickoxid-Sünder unter den Premium-Modellen ist Mercedes, dessen Autos mehr als das 6-fache über den Grenzwerten liegt. Seine Lektion gelernt hat offenbar der VW-Konzern. Die Modelle des Konzerns verfügen über den geringsten Stickoxid-Ausstoß unter allen von T&E geprüften Modellen. Die vom Dieselskandal betroffenen Modelle stammen fast alle aus den Modellreihen der Euro-5-Generation.

Autohersteller, die mit ihren Dieselmodellen über oder weit jenseits der in der EU vorgeschriebenen NOx-Grenzwerte liegen.

Autohersteller, die mit ihren Dieselmodellen über oder weit jenseits der in der EU vorgeschriebenen NOx-Grenzwerte liegen.

Die schlechteste Performance gemessen am NOx-Limit der vorangegangenen Euro 5 Norm, liefern Renault, inklusive Dacia, Land Rover, Hyundai, Opel und Nissan. Die besten Werte und damit diejenigen mit dem geringsten NOx-Ausstoß bei Euro 5 Modellen weisen Seat, Honda, BMW, inklusive Mini, Ford und Peugeot auf.

Und die Umweltschutzorganisation hat auch gleich ein Ranking der EU-Länder mit stark umweltschädlichen Autos auf den Straßen. Allen voran ist das Frankreich, wo 5,5 Millionen der gesundheits- und umweltschädlichen Dieselautos auf den Straßen sind, gefolgt von Deutschland (5,3 Millionen) und Großbritannien (4,3 Millionen). Österreich liegt mit 737.000 Stück an 7. Stelle.

In Österreich sind 737.000 Dieselautos unterwegs, die mehr Schadstoffe ausstoßen als laut EU-Normen erlaubt.

In Österreich sind 737.000 Dieselautos unterwegs, die mehr Schadstoffe ausstoßen als laut EU-Normen erlaubt.

Die "schmutzigsten" Dieselmodelle im Überblick

- Audi A8
- BMW 2er GT, 5er, 4er, X3
- Citroen C4 Picasso
- Dacia Sandero
- Fiat 500x
- Ford C-Max, Focus, Kuga, Mondeo
- Honda CR-V, HR-V
- Hyundai i20, i30 und i40

"Das muss ein Ende haben"

Greg Archer, Direktor bei T&E: „Ein Jahr nach dem VW-Dieselgate verkaufen die Autohersteller weiterhin äußerst umweltschädliche Dieselmodelle. Das noch dazu mit der stillschweigenden Duldung der europäischen Regierungen.“ Er fordert deshalb: „Das muss ein Ende haben. Nur ein Rückruf aller umweltschädlichen Dieselautos wird die Luftqualität deutlich verbessern und die Glaubwürdigkeit der europäischen Justiz wiederherstellen.“ Was den Umweltschützer noch ärgert: "Sind die Modelle einmal von staatlichen Behörden nach Umweltnormen zugelassen, kontrolliert keine unabhängige Instanz mehr den tatsächlichen Ausstoß, der bei der Nutzung entsteht."

Dieselgate der Hersteller: "Kein Verbrechen ohne Opfer"

Die Akzeptanz der stark umweltschädlichen Dieselautos durch die europäischen Regierungen bleibt laut Umweltschützer Archer zudem kein Verbrechen ohne Opfer. Die European Environment Agency führt vielmehr in Europa 72.000 Todesfälle auf schädlichen Ausstoß von Dieselautos zurück. In Deutschland seien deshalb bereits rund 10.000 Menschen an den Folgen von Dieselauto-Abgasen gestorben.

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