NoVA: Neue Abgastests machen Neuwagen künftig deutlich teurer

Die Entscheidung der EU Autos realistischen Abgastests zu unterziehen, wird Neuwagenpreise in Österreich in die Höhe schnellen lassen. Denn damit erhöht sich die Berechnungsbasis für die C02-Steuer NoVA. Die Nettopreise könnten so zwischen vier und sechs Prozent steigen. Das Finanzministerium hat bereits einen Stichtag für die neue Steuerbemessungsgrundlage genannt.

NoVA: Neue Abgastests machen Neuwagen künftig deutlich teurer

Noch beteuern Autohändler, dass die NoVA in Zukunft kaum steigen wird. Doch es könnte auch anders kommen.

Autofahrer können sich in Zukunft anhalten. Denn auf Käufer von Neuwagen rollt eine neue Teuerungswelle zu. Die Einigung der EU-Kommission auf realitätsnähere Abgastests hat es nämlich in sich. Diese wirkt sich auf die Höhe der Steuern von Neuwagen in Österreich aus. Je nach C02-Ausstoß hebt der Fiskus hierzulande beim Kauf eines neuen Wagens eine Steuer ein, die sogenannte NoVA (Normverbrauchsabgabe). "Steigt die Berechnungsbasis, steigen die Steuern", stellt Arbö-Sprecher Sebastian Obrecht klar.

20 Prozent höherer C02-Ausstoß?

Statt der bisherigen Labortests (NEFZ), die vom tatsächlichen Ausstoß der Modelle doch erheblich abweichen, sollen diese vom sogenannten WLTP-Zyklus abgelöst werden. Man will damit der kompletten Ökobilanz eines Fahrzeugs ein gutes Stück näher kommen. Die Unterschiede könnten gravierend ausfallen. Das CAR Institut in Duisburg und das Ökoglobe-Institut der Uni Duisburg-Essen sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Autos unter realitätsnahen Bedingungen im Schnitt 27 Prozent mehr Sprit schlucken und Schadstoffe ausstoßen als derzeit angegeben. Bei Kleinwagen wie beim Smart geht Motorexperte Stefan Carstens allerdings nur von einem Anstieg von zehn Prozent aus. Andere Experten gehen im Schnitt von 20 Prozent höheren Emissionen aus.

Kleines Auto mit geringem C02-Ausstoß könnte um vier Prozent mehr kosten

Um ungefähr feststellen zu können, um wie viel Neuwagen in Zukunft teurer werden, lassen ein paar Rechenbeispiele auf Basis eines 20-prozentigen C02-Anstiegs von Modellen erahnen, wie sehr österreichische Steuerzahler auf diese Weise zur Kasse gebeten werden. Die Anhebung der Bemessungsgrundlage dürfte selbst für viele Käufer emissionsarmer Modelle bitter ausgehen. Beim Kauf eines Neuwagen mit einem durchschnittlichen C02-Ausstoß von 100 Gramm pro Kilometer zahlt man vom Nettokaufpreis derzeit zwei Prozent NoVA. Steigt die Berechnungsbasis auf 120 Gramm kostet das selbe Modell bereits um vier Prozent mehr. Das verursacht bei einem Nettopreis von 20.000 Euro zusätzlich Steuern in Höhe von 1.200 Euro. Plus Extra-Umsatzssteuer von 240 Euro. Der Finanzminister lässt grüßen.

Große Limousinen könnte um sechs Prozent teurer werden

Damit werden auch viele PS-starke und damit hochpreisige Modelle empfindlich teurer. So zahlt man derzeit beim Kauf einer BMW 5er Limousine mit einem Ausstoß von beispielsweise 159 Gramm C02/Kilometer vier Prozent NoVA auf den Nettokaufpreis. Klettert die C02-Berechnungsbasis theoretisch um 20 Prozent auf 179 g/km, würde man in Zukunft für selbe Auto um sechs Prozent mehr Steuern zahlen. Bei einem aktuellen Nettokaufpreis von 50.000 Euro würde sich durch den NoVA-Anstieg alleine der Nettopreis um 3.000 Euro erhöhen. Kommen dann noch 600 Euro Umsatzsteuer dazu.

NoVA-Deckelung hilft, dass Autopreise nicht durch die Decke gehen

Am besten sind wohl jene dran, die solche PS-Monster kaufen, die ohnehin über der 32-Prozent-NoVA-Grenze liegen. Wer etwa einen Range Rover V8 Supercharged mit über 500 PS erwirbt, zahlt bei einem C02-Ausstoß von derzeit 299 Gramm pro Kilometer statt 41 Prozent 32 Prozent. An dieser Höchstbemessungsgrundlage dürfte sich auch in Zukunft nichts ändern.

Fahrzeughandel rechnet mit deutlich niedrigerem Anstieg

Der Fahrzeughandel geht bei der NoVA-Erhöhung jedoch von deutlich konservativeren Schätzungen aus. "Unsere Techniker gehen von einem NoVA-Anstieg von im Schnitt einem Prozent aus", so Burkhard Ernst, stellvertretender Gremialobmann des Fahrzeughandels. Doch wie realistisch diese Annahme ist, bleibt abzuwarten.

NoVA selbst errechnen

Wer sich selbst spielen möchte, wie viel sein Wunsch-Neuwagen in Zukunft mehr kosten könnte, kann die NoVA je nach C02-Höhe ausrechnen. Einfach den C02-Ausstoß, (etwa 120 g/km) minus 90 dividiert durch fünf: Ergibt die Normverbrauchsabgabe in Prozent. Für alle Neuwagen, die weniger als 90 Gramm C02 ausstoßen, muss auch weiterhin keine NoVA bezahlt werden.

Autohersteller werden alle Hebel in Bewegung setzen

Zumindest dürften die Autohersteller alles daran setzen, die Emissionen weiter herunterzuschrauben. Schließlich steht mit den neuen realitätsnäheren Angaben über die Emissionen das Image der Hersteller auf dem Spiel. Und merklich höhere Angaben über Emissionen dürften sich auch auf den Verkaufsprospekten weniger gut machen.

NoVA-Erhöhung ab 2020

Doch der Countdown läuft. Die Umstellung auf den neuen Testzyklus (WLTP) erfolgt ab 1. September 2017. Österreichische Neuwagen-Käufer erhalten jedoch vom Finanzministerium noch eine Galgenfrist. "Wir haben schriftlich vom Finanzministerium, dass die höhere Berechnungsbasis für die NoVA erst ab 2020 gelten wird", erklärt Christian Pesau, Geschäftsführer des Arbeitskreises der Automobilimporteure. Bis dahin werden sowohl der neue als auch der alte Werte angegeben werden.

Schadstoffmessverfahren wird komplizierter

Fahrzeughändler Ernst sieht jedoch Probleme bei der Messung der Emissionen und erwartet Unschärfen. "Mit jedem zusätzlichen Feature im Auto, wie eine Klimaanlage, steigt der Ausstoß. Das Verfahren wird so komplizierter als bisher". Aber nach einem gewissen Lernprozess werde man Schwierigkeiten bei der Berechnung wohl in den Griff bekommen.

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