Vor NoVA-Einführung bei Nfz: "Markt ist leer gefegt"

Auf Gewerbebetriebe, Zusteller- und Handelsbetriebe kommen ab Juli 2021 beim Kauf von Transportern, Pritschenwagen und anderen leichten Nutzfahrzeuge Mehrkosten in fünfstelliger Höhe pro Nfz zu. Ab dann fällt auch für diese Modelle die NoVA an. Kurz davor ist der Markt fast leer verkauft. Was die Kammer und Wirtschaft besonders ärgert.

Vor NoVA-Einführung bei Nfz: "Markt ist leer gefegt"

Die Einführung der NoVA könnte Transporter bis zu rund 24.000 Euro Mehrkosten pro Neuwagenkauf verteuern.

Unternehmen decken sich derzeit mit leichten Nutzfahrzeugen bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht ein, wie noch nie. "Die Neuzulassungen im ersten Quartal sind auf einem Rekordhoch", erklärt Robert Madas, Direktor beim Gebrauchtwagenbewerter Eurotax. Denn viele Unternehmen wollen noch rasch solche Fahrzeuge erwerben, da ab Juli 2021 die NoVA-Befreiung für leichte Nutzfahrzeuge fällt. Die Kaufsteuer für diese für Unternehmen wichtige Fahrzeugkategorie soll zudem noch Jahr für Jahr bis 2024 laufend erhöht werden.


Erwarte mir Flexibilität von der Spitzenpolitik

"Der Markt dafür ist leer gefegt", berichtet Norbert Linninger, Fuhrparkleiter der Energie Steiermark. Die hohe Nachfrage trifft auf ein sehr geringes Angebot. "Die Autohersteller kämpfen durch die Pandemie mit großen Lieferengpässen. Das Problem für die Unternehmen: Die Zulassung muss bis Anfang Oktober erfolgen, sonst wird die NoVA fällig. Für viele Firmen, selbst wenn sie schon vor länger Zeit ein solches Nutzfahrzeug bestellt haben, wird sich diese Frist nicht mehr ausgehen. "Damit fallen pro Fahrzeug Mehrkosten in 6-stelliger Höhe an", so Madas. Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer forderte deshalb nun in einem Gespräch mit der Tageszeitung die Presse von der Regierung, die Frist für die Unternehmen um ein halbes Jahr zu verlängern. Mahrer: "In so einer Sondersituation erwarte ich mir von der Spitzenpolitik schon eine gewisse Flexibilität. Da geht es ja auch um Rechtssicherheit. Jemand trifft rechtzeitig eine Investitionsentscheidung und verlässt sich auf die politischen Zusagen."

Höhere NoVA-Bemessungsgrundlage seit dem Vorjahr
Die durch die Kaufsteuer erhöhen sich die Kosten für solche Firmenautos deutlich. Hinzu kommt, mit Anfang 2020 wurde die NoVA auf den neuen, höheren Normverbrauchszyklus (WLTP) umgestellt. Womit vor allem bei Modellen mit höherem CO2-Ausstoß die Steuern steigen. Ausgenommen von der NoVA sind nur Fahrzeuge ohne CO2-Emissionen, also Elektrofahrzeuge.

„Die Umstände für die Wirtschaft sind momentan schon schwierig genug – neue Steuern sind das letzte, was die von der Covid19-Krise gebeutelten Unternehmen jetzt brauchen“, klagt Franz Weinberger, Sprecher der österreichischen Nutzfahrzeugimporteure. Die NoVA für leichte Nutzfahrzeuge ist zudem "ohne Begutachtungsphase und ohne das Gespräch mit den betroffenen Branchen geführt worden", moniert Weinberger.

Neue NoVA auf Klein-Laster trifft vor allem KMU

Die NoVA, ursprünglich als Luxussteuer gedacht, gilt nun auch für leichte Nutzfahrzeuge (N1 bis 3,5 t), die von Unternehmen in erster Linie als Betriebsmittel eingesetzt werden. Als solche Nutzfahrzeuge gelten Kastenwägen, Pritschenfahrzeuge oder Pick-ups. „Die neu eingeführte NoVA trifft die Kleintransporteure, Gewerbetreibenden, Handwerker, Zustell- und Handelsbetriebe“, so Weinberger. Er erwartet, dass durch diese Steuererhöhung Auslieferungen an Lebensmittelketten mit Transportern verteuern. Der Sinn dahinter, zum jetzigen Zeitpunkt eine neue Steuer einzuführen, die Klein- und Mittelbetriebe massiv zusätzlich finanziell belastet, erschließt sich uns überhaupt nicht“, so Weinberger. Zu befürchten ist, dass die Erhöhungen an die Endkonsumenten weitergegeben werden.

Mehrkosten von bis zu 24.000 Euro pro Nutzfahrzeug

Um zu veranschaulichen, was die Einführung der NoVA bei leichten Nutzfahrzeugen bedeutet, hat der Verband der Nutzfahrzeugimporteure Beispiele von in der Praxis häufig eingesetzten leichten Nutzfahrzeugen aufgelistet.

Fiat Ducato Fahrgestell L4 35 Maxi Doppelkabine Dreiseitenkipper 2.3 Multijet 180:
NoVA 2020 € 0,00
NoVA 2021 € 14.553,70
NoVA 2024 € 21.281,80

Iveco Daily 35S16 A8 Kastenwagen 1900/3520L
NoVA 2020 € 0,00
NoVA 2021 € 8.096,60
NoVA 2024 € 13.463,60

MAN TGE 3.180 4x4 AQ
NoVA 2020 € 0,00
NoVA 2021 € 13.473,00
NoVA 2024 € 24.255,00

Mercedes-Benz Sprinter Kastenwagen 314 CDI Hochdach, lang
NoVA 2020 € 0,00
NoVA 2021 € 11.200,00
NoVA 2024 € 17.026,00

VW Crafter DoKa-Pritsche
NoVA 2020 € 0,00
NoVA 2021 € 11.420,80
NoVA 2024 € 17.348,20

"Falsche Maßnahme"

„Ein Großteil der Gewerbetreibenden wird diese Mehrkosten nicht stemmen können. Statt in saubere und moderne Neufahrzeuge zu investieren, werden deshalb Fahrzeuge mit einer älteren Abgasnorm einfach länger gefahren“, ist Weinberger überzeugt. Die NoVA habe keine ökologische Hebelwirkung, da sie nicht den Verbrauch, sondern nur die Anschaffung besteuert.
"Die Maßnahme trifft die falschen und kommt zu früh – KMU in der Falle: keine Möglichkeit auf Alternativen zurückzugreifen", warnt der Importssprecher.

Dass die Unternehmen statt auf die von der neuen NoVA ausgenommenen Elektroautos umsteigen, hält Weinburger nur in einem begrenzten Maß für realistisch. „Viele können nicht einfach auf kleinere, elektrifizierte und steuerbevorzugte Fahrzeuge umsteigen, um ihre Bedürfnisse zu decken.“ Für Handwerksbetriebe, die etwa mit voll beladenem Nutzfahrzeug auf Montage unterwegs ist, wird ein Elektrofahrzeug, mit seinen langen Ladezeiten und geringen Möglichkeiten zu tanken, selten eine Option sein.„Es wird zu massiven Mehrbelastungen kommen, ohne die Möglichkeit, auf Alternativen zuzugreifen“, so der Nutzfahrzeugspezialist. Hinzu käme, dass es bei Nutzfahrzeugen dieser Kategorie noch kaum elektrischen Alternativen am Markt gäbe.

Leichte Nutzfahrzeuge: Zweitgröße Fahrzeugklasse

Bei der Fahrzeugklasse N1 (leichte Nutzfahrzeuge) handelt es sich um die zweitgrößte Fahrzeugklasse in Österreich nach den Pkw (M1). Sie umfasst zehn Mal mehr Fahrzeuge wie die mittleren und schweren Lkw zusammen (N2, N3). Im Gesamtjahr 2019 wurden 43.425 Fahrzeuge der Klasse N1 zugelassen, das entspricht zehn Prozent der gesamten Kfz-Neuzulassungen.

Der Ausschuss der Nutzfahrzeuge ist im Arbeitskreis der Automobilimporteure in der Industriellenvereinigung angesiedelt. Mitglieder sind die Vertreter der Lkw- und Omnibusmarken DAF, IVECO, Mercedes-Benz, MAN, Renault Trucks, Scania, Tatra sowie Volvo Trucks.


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