Neuwagen- und E-Auto Boom: Markterholung oder kurzer Hype?

Der Autohandel hat im ersten Quartal 2021 mit einem zweistelligen Plus ein kräftiges Lebenszeichen gegeben. Der Absatz neuer Elektroautos hat sich mehr als verdoppelt. Branchenvertretern ist dennoch nicht zum Jubeln zumute.

Neuwagen- und E-Auto Boom: Markterholung oder kurzer Hype?

Der kapitalintensive Kauf von Autos leidet in der Coronazeit besonders.

Der Fahrzeughandel hat im ersten Quartal 2021 das tiefe Tal, in das er in der Corona-Krise geschlittert ist, verlassen. Die Nachfrage ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum um gut 16 Prozent nach oben geklettert. Im März lagen die Pkw-Neuzulassungen mit 29.526 Fahrzeugen nur noch um 7,6 Prozent unter dem Wert vom März 2019. Im Vergleich zum ersten Monat mit Corona-Lockdown, dem März 2020, gab es sogar einen Anstieg um 177,1 Prozent.

Besonders markant war das Wachstum beim Marktsegment der Autos mit alternativen Antrieben. So wurden im März 6.620 rein elektrische Pkw (+172,7 Prozent), 10.483 Benzin-Hybrid-Pkw (+138,3 Prozent) und 3.462 Diesel-Hybrid-Pkw (+188,3 Prozent) zugelassen. Damit war nahezu jeder dritte neu zugelassene Pkw mit einem alternativen Antrieb ausgerüstet (siehe Grafik).

E-Auto Neuzulassungen

E-Auto Neuzulassungen

Doch ist die allgemeine Erholung im Autohandel von Dauer? Hält der starke Wachstumstrend bei Elektroautos an? Klaus Edelsbrunner, Kfz-Obmann des Bundesgremiums Fahrzeughandel in der Wirtschaftskammer, hat da so seine Zweifel. „In den Schauräumen ist es derzeit extrem ruhig.“ Auch für Elektroautos fänden sich kaum Interessenten, weiß Edelsbrunner, der unter anderem in Graz einen Peugeot-Handel betreibt: "Seit die Investitionsprämie am 28. Februar ausgelaufen ist, sind die Käufer solcher Modelle von einem Tag auf den anderen ausgeblieben."

Ohne Förderungen bleiben Käufer aus

Die Förderungen hatten den Kauf von Elektroautos für Unternehmen zuvor massiv vergünstigt. “Durch die Kombinationen mehrerer Förderungen gab es bis dahin für Unternehmen so hohe finanzielle Anreize, Elektroautos zu kaufen wie nie zuvor. Das hatte den Kauf eines Elektrofahrzeugs auch für Unternehmen interessant gemacht, die zuvor nie daran gedacht hatten, ein solches zu kaufen“, resümiert Ute Teufelberger, Vorständin des Bundesverbandes für Elektromobilität (BOE).

Klaus Edelsbrunner, WKÖ-Obmann Bundesgremium Fahrzeughandel

Klaus Edelsbrunner: "Firmen, die Elektroautos wollten, haben bereits gekauft."

Wie beträchtlich die Förderungen waren, lässt sich an einem Beispiel erkennen. Ein Kastenwagen mit E-Antrieb mit einem Listenpreis von 44.000 Euro kostete mit allen Förderungen nur noch 16.000 Euro und war damit auch deutlich billiger als ein vergleichbares Dieselmodell. Autohandelsobmann Edelsbrunner: „Die Firmen, die Elektroautos kaufen wollten, haben gekauft, solange es diese Vergünstigungen gab.“

Die hohe Zahl an E-Auto-Neuzulassungen im März zeugt ebenfalls nicht von einem anhaltenden Boom trotz Förderende: „Das sind nur die Zulassungszahlen in der Statistik der Käufe, die im November und Dezember des Vorjahrs abgeschlossen wurden und nun erst ausgeliefert wurden." Der Großteil der E-Auto-Käufer, die in den vergangenen Monaten abgesetzt wurden, waren Firmenkunden. „Neun von zehn Elektroautos wurden von Unternehmen gekauft“, schätzt Edelsbrunner. Dass Private E-Autokäufer, für die es nach wie vor Förderungen gibt, stärker zugreifen, glaubt er nicht. Nur wenn es etwas Neues dazu gibt und darüber berichtet wird, kämen wieder vermehrt Anfragen.

Autohandel 2021: Sehr unterschiedliche Prognosen

Hoffnung auf ein Jahr mit halbwegs soliden Absatzzahlen im Autohandel hat Edelsbrunner nicht. „Viel mehr als 240.000 Neuzulassungen werden sich nicht ausgehen.“ Das wären damit sogar um knapp 9.000 Stück weniger als 2020. Schon für den April hat der Gremialobmann düstere Erwartungen: Er rechnet mit einem Zulassungsrückgang von 25 bis 30 Prozent.

Hans Peter Schützinger, Sprecher Geschäftsführung Porsche Holding Salzburg

Hans Peter Schützinger: "Zuversichtlich, dass 2021 ein akzeptables Autojahr wird."

Hans Peter Schützinger, Sprecher der Geschäftsführung der Porsche Holding Salzburg, ist da optimistischer: „So schwierig und unterschiedlich sich die Situation aktuell für den Autohandel darstellt, das erste Quartal und die aktuellen Auftragseingänge machen uns zuversichtlich, dass 2021 ein akzeptables Autojahr wird.“ Die Porsche Holding Salzburg, die die Modelle des VW-Konzerns vertreibt, rechnet für den österreichischen Gesamtmarkt mit 290.000 Neuzulassungen.

Warum der Autoabsatz 2021 stagnieren könnte

Dass der Handel mit Neuwagen heuer stagnieren könnte, dafür sprechen mehrere Gründe. Derzeit setzt der Lockdown in den bevölkerungsstarken Bundesländern Wien und Niederösterreich dem Handel erheblich zu. „Zudem sind rund eine Million Menschen in Kurzarbeit und wissen nicht, ob sie danach noch einen Job haben“, nennt Edelsbrunner ein weiteres Argument für die Kaufzurückhaltung. Dem Handel setzen auch Lieferschwierigkeiten zu. „Wer jetzt bestellt, kriegt vor Juli oder August kein Fahrzeug.“

Bei Lkws ist die Lage noch verheerender. „Wir sind für heuer bei Lkws praktisch ausverkauft“, so der Peugeot-Händler. Das ist umso ungünstiger für Käufer, als für alle Klein-Lkws, die bis 31. Oktober 2021 geliefert werden, noch keine NoVA entrichtet werden muss. Für alle anderen wird es durch die neue Kaufsteuer für Nutzfahrzeuge deutlich teurer.

Wenig Ladestellen, teures Aufladen

Der kurze Boom bei E-Autos könnte nicht nur wegen des Aus für die Investitionsprämie wieder verpuffen. Ein weiterer Gründe ist die nach wie vor schwache Lade-Infrastruktur zum Tanken.

Laut e-tankstellen-finder.at gibt es derzeit in Österreich 5.508 E-Ladestellen. „Aber das ist noch immer viel zu wenig. Und das Strom-Tanken ist nach wie vor zu teuer. Man muss oft noch immer für das Landen und das Parken zahlen“, ärgert sich der Edelsbrunner. Erst kürzlich habe er selbst einen Kleinwagen für eine Reichweite von 100 Kilometer betankt und dafür 13 Euro bezahlt. Eine echte Konkurrenz für einen Verbrenner ist das Ökomodell damit nicht.

Das Problem, dass es hierzulande nach wie viele unterschiedliche Tankkarten und keine einheitlichen Ladetarife gäbe, sei nach wie vor ungelöst. Edelsbrunner: „An der Autoindustrie liegt es nicht mehr, dass der E-Autohandel nicht in Schwung kommt. Wir bieten mittlerweile ein breites Angebot. Nun sind unter anderem die Kommunen gefordert, leistbares Tanken mit Strom zu ermöglichen.“

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