Neue Abgastests & Euro-6-Norm: 100 Modelle nicht bestellbar – Die Liste

Neue Abgastests & Euro-6-Norm: 100 Modelle nicht bestellbar – Die Liste

Das neue Abgastestverfahren WLTP und die neue Abgasnorm, die ab September gelten, sorgen für massive Engpässe bei der Lieferbarkeit von Modellen - die Übersicht.

Der Sommer wird für Autokäufer brennend. Doch nicht der Hitze wegen. Die Gretchenfrage lautet: Kriegt man als Neuwagenkäufer das Modell seiner Wahl oder nicht? Vielleicht ist es kurzfristig nicht erhältlich, vielleicht auch nie wieder. Den gleich zwei Ereignisse stellen derzeit den kompletten Markt auf den Kopf: Der neue Abgasverbrauchstest WLTP und die neue Abgasnorm 6c. Beides wird ab September eingeführt. Das bringt die Hersteller schon im Vorfeld massiv in Bedrängnis. Viele können deshalb schon jetzt nur noch eine eingeschränkte Modellpalette anbieten. Selbst erst kürzlich im Markt eingeführte Facelifts können teilweise noch nicht geliefert werden. Andere wie der Klassiker, BMW M3, dürften ab Ende August produziert werden. Nur ein Beispiel von vielen. Insgesamt sind, laut einer Umfrage von trend.at bei 13 Herstellern 100 Modelle derzeit nicht lieferbar.

Engpässe bei Rollprüfständen

Ursache für diese nie dagewesene Verknappung von Modellen ist vor allem der neue, deutlich strengere Testzyklus WLTP. Der bisherige NEFZ wurde, nach massiver Kritik, Verbrauch und Emission wären bei diesen Tests deutlich niedriger als in der Realität, gekippt. Das neue Verfahren muss bis 1. September 2018 bei allen Neuwagen durchgeführt werden. Ansonsten darf das betroffene Modelle ab diesem Zeitpunkt nicht mehr verkauft werden. Um die Verbrauchswerte nach dem neuen Testverfahren WLTP durchzuführen, sind Rollprüfstände nötig. Die Armada von Modellen, die auf die dafür notwendigen Rollenprüfständen müssen, reichen bei weitem nicht aus. Und die Ingenieure kommen mit den Untersuchungen einfach nicht hinterher. Dabei gehen die Hersteller nach einem klaren Muster vor: Stückzahl vor Nische – Volumenmodelle werden bevorzugt. Und wahrscheinlich haben ein paar Hersteller zu spät mit den Prüfungen begonnen - schließlich wurden die Neuregelung nicht über Nacht ausgerufen.

Neue Abgasnorm 6c ab September

Doch damit nicht genug. Mit WLTP hält gleichzeitig auch die neue, strengere Abgasnorm Euro 6c Einzug. Das bedeutet: Im Schnitt deutlich höhere Abgaswerte in Kombination mit strengeren Abgasgrenzwerten. Ab dem 1. September 2018 nämlich nur noch Fahrzeuge der Abgasnorm 6c oder besser zugelassen werden. Wenn jemand zu diesem Zeitpunkt ein Neufahrzeug mit Euro 6b anmeldet, ist das nicht mehr möglich. Der Unterschied zwischen den beiden Normen liegt in der Partikelanzahl pro Kilometer.

Durch die neue Abgasklasse 6c stoßen die neuen Benziner rund 90 Prozent weniger der schädlichen Partikel aus. „Viele Modelle schaffen diese niedrigere Emissionsgrenze nicht mehr“, erklärt Walter Wendt, neuer Chef von Lexus Österreich, dessen Modellpalette, ebenso wie die Schwesternmarke Toyota sämtliche Emissionshürden, dank Hybridtechnik, locker schafft. Die Folge: Es fliegen reihenweise Benzin-Modelle aus dem Sortiment der Hersteller.
Der Wechsel zur neuen Abgasnorm Euro 6c, macht für die allermeisten Benzin-Direkteinspritzer einen Otto-Partikelfilter (OPF) nötig. Manche Hersteller kommen damit besser zurecht, andere weniger. BMW-Österreich-Sprecher Michael Ebner: "Unsere Produktion ist so flexibel ausgelegt, dass betroffene Modelle durch andere Motor- und Modellvarianten ausgeglichen werden können. Daher bleiben auch alle Absatzziele unberührt." Das selbe gilt für die bekannten Benziner-Modelle von Mini.

Viele aktuelle Modelle nicht mehr oder vorübergehend nicht mehr erhältlich

Die Folge strenger Abgasnormen und Abgastests: Viele Motoren müssen mit großem Aufwand auf die neuen strengen EU-Abgasnormen abgestimmt werden. Die Konsequenzen sind einschneidend: manche Modelle werden vorübergehend nicht produziert, andere verschwinden vom Markt.

Händler versuchen Autos bis September günstig loszuwerden

Für Autokäufer ist dieser Sommer damit eine Schnäppchen-Zeit wie selten. Denn, wohin mit den Euro 6b-Bestandsfahrzeugen, die ab September nicht mehr neu zugelassen werden dürfen? Genau: Sie müssen billig unter die Käufer gebracht werden. Christian Pesau, Geschäftsführer des Arbeitskreises der Automobilimporteure in Österreich: „Viele Händler werden versuchen Lagerfahrzeuge, die die neuen Abgaswerte nicht schaffen, ist September günstig loszuwerden.“

Viele Facelifts werden bis Herbst von den Herstellern zurückgehalten

Bei vielen anderen Herstellern bedeutet die neue Abgasstufe, dass sie Modell entweder gänzlich aus dem Sortiment nehmen müssen oder, auch eine beliebte Methode, die betroffenen Modell wird erst wieder angeboten, wenn das Facelift da ist. Um vorher noch die Lagerfahrzeuge mit der bisherigen Schadstoffklasse gut abverkaufen zu können, halten die Importeure die Markteinführung von neu überarbeiteten Modellen derzeit noch zurück. Hyundai etwa kommt im Herbst mit einer ganzen Palette von Produkterneuerungen auf den Markt. So gibt es ab September einen neuen Santa Fe, einen neuen i10, neuen Motor für den ix 20, einen neuen Tucson. Die Produktion für den Spritschlucker Grand Santa wird ganz eingestellt. Schließlich zählt der Ausstoß der gesamten Modellpalette des jeweiligen Herstellers. Ähnlich ist die Markenpolitik anderer Hersteller.

Neuwagen schon bestellt? Hauptsache Euro 6c tauglich

Für jene, die einen Neuwagen bestellen und nicht sicher sind, ob sie diesen vor dem 1. September bekommen, kann es haarig werden. Wenn das Auto nämlich nicht der neuen Abgasklasse entspricht, erhält es ab September auch keine Straßenzulassung. Wer dann auf dem finanziellen Totalschaden sitzen bleibt, ist unklar.

Autos und Bestellbarkeit - die Liste

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die aktuelle Bestellbarkeit von Autos. Sie können die Liste mit Hilfe des Suchfelds nach Belieben durchsuchen bzw. nach Marke, Modell und Bestellbarkeit sortieren, indem Sie auf das jeweilige Feld in der Kopfzeile der Tabelle klicken.

Marke Modell Bestellbarkeit
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Welche Hersteller welche Modelle derzeit nicht liefern können: Die große Übersicht

Zurück zum neuen WLTP-Zyklus. In Deutschland hat das Online-Neuwagen-Kaufportal Carwow eine Umfrage unter mehreren Herstellern über die aktuellen Liefereinschränkungen aufgrund des Abgastests sowie Auswirkungen der neuen Abgasnorm 6c durchgeführt. Trend.at hat auf dessen Basis eine Umfrage unter österreichischen Automobilimporteuren gestartet. Wir stellen unseren Lesern nun die Ergebnisse der in der Slideshow unten zur Verfügung. Die Liste macht ersichtlich, welche Modelle derzeit voll lieferbar sind und welche nicht oder nur eingeschränkt lieferbar sind.

Audi A6, sämtliche Audi S Modelle nicht oder eingeschränkt lieferbar

Besonders stark betroffen sind VW, Audi, Skoda und Renault. Von den Ingolstädter Premiummodellen etwa können derzeit zwölf Modellvarianten nicht oder nur eingeschränkt bestellt werden. Betroffen sind, wie bei anderen Herstellern auch, in erster Linie PS-stärkere Modelle. So gibt es derzeit teils erhebliche Engpässe beim A6, dem A6 Allrad-Quattro, dem A6 Avant, aber auch beim A7 Sportback. Nicht voll bestellbar sind auch sämtliche Audi S - vom S1 bis zum S Q7. Auch alle Audi TTs sind derzeit nicht lieferbar (siehe Liste). Aber sind nicht nur die Exooten, die derzeit nicht zu haben sind. Selbst bei Blockbustern wie dem VW Golf müssen Hersteller mitunter passen.

VW: 17 Modell-Varianten nicht erhältlich

Die Modellpalette von VW ist einer der größten und kämpft auch mit verhältnismäßig vielen Ausfällen. Auch VW-Kunde können derzeit deshalb nicht jedes Auto kaufen kann, das sie wollen, weil es nicht zur Verfügung steht. Geduld brauchen Käufer derzeit beim Arteon, dem vielen Varianten des Golf, des Passats, dem Sharan, dem Tiguan und dem Touran.

Skoda: Bei 14 Modellen Lieferschwierigkeiten

Wie VW stehen die Kunden auch bei der Schwesternmarke Skoda vielfach vor geschlossenen Orderbüchern. Davon betroffen sind die Modellbaureihen Fabia, Karoq, Kodiaq, Ocativa, Rapid und Superb. Seat dagegen kann, bis auf den Alhambra, derzeit alle Fabrikate ohne Probleme liefern (siehe Liste oben).

Renault: 12 Modelle nicht in vollem Umfang lieferbar

Ähnlich knapp bei Modellen ist man bei Renault. Die Franzosen können den österreichischen Markt derzeit mit zwölf Modellen nicht beliefern. Darunter der Clio, der Grand-Kangoo, der Koleos und der Megane.

Die Musterschüler: Toyota, Opel, Hyundai und Volvo

Doch es gibt auch Musterschüler. So sind Käufer derzeit bei Hyundai, Toyota, Opel und Volvo derzeit mit keinerlei Einschränkungen bei der Auswahl neuer Modelle konfrontiert. Auch BMW kann die meisten Modelle liefern, nur bei mehreren Benziner-Baureihen wie dem 7er oder dem X1 fehlt der Partikelfilter. BMW unterbricht daher bei diesen Modellen den Verkauf.

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