Mit diesen Tricks werden Gebrauchtwagen-Käufer reingelegt

Mit diesen Tricks werden Gebrauchtwagen-Käufer reingelegt

Behübschte Schrottkarre oder solider Gebrauchtwagen? Leichtfertig eine Unterschrift unter einen Kaufvertrag zu setzen, kann Gebrauchtwagenkäufer teuer zu stehen kommen.

Am Gebrauchtwagen-Markt wimmelt es vor Betrügern, vor allem in Internet. Die Verkäufer sind mit allen Wassern gewaschen. Wie Sie Betrüger schon an Inseraten entlarven, bei welchen Angaben man spätestens die Finger lassen sollte und welche Tipps Sie beim Gebrauchtwagenkauf beherzigen sollten.

Die cleversten Autokäufer sind die, die einen ein- oder zwei Jahre alten Gebrauchtwagen zu einem sensationellen Preis kaufen. Am besten mit nur einem Vorbesitzer, wenigen Kilometern am Tacho und tadellosem Serviceheft. Oder etwa doch nicht? Manchmal verbirgt sich hinter dem vermeintlichen Traumauto eine behübschte Schrottkarre, die im schlimmsten Fall nie geliefert wird, aber letztlich viel gekostet hat.

Manchmal klingt das Angebot eben zu gut, um wahr zu sein. "Alles was zu billig erscheint, ist es auch", stellt ÖAMTC-Juristin Ursula Zelenka klar. Vor allem beim Kauf eines Gebrauchten im Internet lauern zahlreiche Fallen. Dort ist die Auswahl zwar riesig und die Preise sind oft günstig, aber gerade da lauert der Betrug um viele Ecken.

Die Gauner sind oft nicht einmal besonders einfallsreich. „Viele Tricks der Betrüger funktionieren seit Jahren“, so Zelenka. Üblicherweise sind diese dort besonders aktiv wo im Internet Gebrauchtwagen "von Privat zu Privat" angeboten werden. Selbst große und beliebte Gebrauchtwagenportale wie willhaben.at oder autoscout24.at sind nicht vor Lockangeboten, die von Betrügern erstellt werden, gefeit. „Betrug findet überall statt“, weiß die ÖAMTC-Expertin und nennt sechs Szenarien, bei denen besondere Vorsicht angesagt ist.

ACHTUNG bei folgenden Fällen:

1. Anbieter aus dem Ausland will Vorauskasse

Die Alarmglocken sollten jedenfalls schon mal läuten, wenn ein Anbieter angibt, im Ausland zu leben und sein Auto in Österreich verkaufen zu wollen. Eine beliebte Masche, die laut ÖAMTC in den vergangenen Jahren häufig angewandt wurde.

Ein typischer Fall: Jemand gibt an, ein ausgewanderter Österreicher zu sein, der in Norwegen, Finnland oder Spanien lebt und sein Auto hier verkaufen will. Die Zustellung des Autos soll mit einer österreichischen Spedition erfolgen. Dafür ist allerdings eine Vorauszahlung nötig oder es wird gefordert, gleich die ganze Kaufsumme vor der Lieferung zu überweisen. Selbst wenn versprochen wird, das Auto in der Folge kostenlos nach Österreich transportieren zu lassen, verlangen die Betrüger eine Vorauskasse.

Wer sich darauf einlässt, hat jedoch mit ziemlicher Sicherheit sein Geld versenkt, ohne das Wunschauto jemals auch nur zu sehen zu bekommen. Um Inserate mit solchem oder ähnlichem Inhalt sollte man daher einen weiten Bogen machen.

Es wird dringend geraten, niemals Geld vorab zu überweisen. Wer trotzdem so blauäugig ist, hat manchmal das Glück auf einen Bankmitarbeiter zu stoßen, der sich weigert eine solche Überweisung überhaupt durchzuführen. Sie kennen solche Machenschaften von Betrügern oft nur zu gut.

2. Inserat mit schweren sprachlichen Fehlern

Ein Indiz, dass etwas faul ist, können auch sprachliche Fehler und Ungereimtheiten im Inserat sein. „Wenn jemand vorgibt Österreicher zu sein, aber das Inserat in auffallend schlechtem Deutsch verfasst ist, sollte das eine Warnung sein. Ebenso wenn jemand behauptet, Ausländer zu sein, aber beispielsweise angibt, einen österreichischen Ingenieurs-Titel zu tragen. Oft klingen Formulierungen auch so, als wären sie von einem Sprachcomputer generiert worden.

Ein Österreicher, der gerade in ein anderes Land umgezogen ist, aber einen ausländischen Namen trägt, wird bei Abzocke-Inseraten ebenfalls häufig gewählt. Manchmal wird versucht ein und das selbe Auto von mehreren "Privatanbietern" zu verscherbeln. Im Internet ist nichts unmöglich.

3. Zahlen Sie niemals via Western Union

Ganoven, die vorgeben einen Wagen aus dem Ausland in Österreich verkaufen zu wollen, geht es vor allem um die Art der Finanztransaktion. Sie versuchen ihre Opfer dazu zu bringen, die Geldüberweisung mit dem internationalen Bargeldtransfer-Anbieter Bankhaus Western Union oder einem Institut mit ähnlichen Leistungen durchzuführen.

Der Haken an dieser speziellen Art der Überweisung: Diese Transaktion kann weder zurückgerufen werden, noch lässt sich der Empfänger jemals wieder ausfindig machen. Das bedeutet: Das Geld ist, einmal abgeschickt, weg. „Sobald der Verkäufer etwas anderes als eine Kreditkarte oder eine Banküberweisung verlangt, sollte man die Finger davon lassen“, warnt deshalb die Verkehrsclub-Juristin.

4. Hände weg sobald es kompliziert wird

Manchmal legen die Betrüger ihre Inserate auch so an, dass auf den ersten Blick nicht erkennbar ist, dass das Angebot von einem Anbieter aus dem Ausland stammt. „Erst wenn man sich auf das Inserat hin meldet, merkt man keinen Verkäufer aus Österreich vor sich zu haben. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Wenn auch noch die Abwicklung des Geschäfts kompliziert zu werden droht, sollte man am besten vom Kauf Abstand nehmen“, rät Zelenka.

5. Kein Geld an einen Notar oder Treuhänder ins Ausland überweisen

Wenn ein Verkäufer anbietet, einen Notar oder Treuhänder im Ausland für den Geldtransfer dazwischen zu schalten, klingt das seriös und vertrauenswürdig. Doch Profis wissen: Hier lauert eine Falle. Sobald ein Verkäufer vorschlägt, dass die Kaufsumme an einen Notar oder Treuhänder im Ausland überwiesen werden soll, riecht es schon kilometerweit nach Betrug. „Man kann meist nicht beurteilen, wie strikt die Regeln für Notare und Treuhänder im jeweiligen Land sind“, argumentiert Zelenka vom ÖAMTC.

6. Vorsicht, wenn ein Gebrauchtwagen in Kommission verkauft wird

Selbst bei Gebrauchtwagenhändlern im Inland sollte man alle Sinne schärfen, um niemandem auf den Leim zu gehen. Etwa wenn es darum geht, wer der Vertragspartner ist. So kommt es nicht selten vor, dass ein Gebrauchtwagenhändler von einem Autobesitzer den Wagen nur in Kommission nimmt und diesen für den eigentlichen Besitzer verkauft.

Doch Vorsicht: Ein Kommissions-Kauf bedeutet, dass der Händler damit auch nicht der Vertragspartner ist. Bei folgenden Problemen und Streitigkeiten ist daher nicht der Händler verantwortlich, sondern der private Verkäufer im Hintergrund. Vertragspartner ist stets derjenige, der auf der Rechnung angeführt wird. „Wenn etwas nicht passt, ist der Verkäufer unter Umständen unauffindbar“, weiß Zelenka aus Erfahrung ihrer Klienten.


6 Tipps für Gebrauchtwagenkäufer

1. Ankaufstest auch beim Kauf vom Händler

Einer der wichtigsten, wenn auch nicht immer beherzigten Tipps beim Fahrzeugkauf - vor allem beim Kauf im Internet ist: Fahren Sie das Auto Probe und lassen Sie einen Ankaufstest bei einem Verkehrsclub durchführen.

Selbst wenn man bei einem Händler einen Gebrauchtwagen kauft und man auf Nummer sicher gehen will, ist ein Ankaufstest ratsam. Zelenka: „Unter privaten Verkäufern gibt es sogar solche, die von sich aus einen Ankaufstest durchführen lassen, um so glaubwürdiger zu wirken.“ Bei einem Markenhändler kann man sich jedoch in sicheren Händen fühlen. ÖAMTC-Tipp: „Bei Händlern die ihre Autos beispielsweise aus einem Container am Schrottplatz verkaufen, ist dagegen Vorsicht angebracht und ein Ankaufstest besonders ratsam.“

2. Achten Sie auf die Dauer der Gewährleistung

Wer sich beim Kauf auf die Gewährleistung verlässt und deshalb gar auf einen genauen Check des Fahrzeugs verzichtet, bewegt sich unter Umständen auf dünnem Eis. "Ob und welche Gewährleistung im Ernstfall geleistet wird, ist so eine Sache“, schränkt Zelenka ein. Händler versuchen gerne, in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine kürzere Gewährleistungsfrist von nur einem statt zwei Jahre anzuführen. Das ist zwar erlaubt, doch vielen Käufern ist das nicht bewusst und wird von ihnen im Kleingedruckten auch leicht übersehen.

Besonders unverfrorene Verkäufer versuchen die gesetzliche Gewährleistung im Vertrag gleich komplett auszuschließen. Zelenka: „Das ist aber gesetzlich verboten.“

3. Private können Gewährleistung ausschließen – unter Bedingungen

Viele Privatanbieter sind der Ansicht, die Gewährleistungspflicht träfe sie nicht. Aber das ist ein Irrtum: Mindestanforderungen müssen auch sie gewährleisten. So hat ein Käufer sehr wohl das Recht zu erwarten, ein Auto zu kaufen, das auch fährt. Stellt der Käufer im Nachhinein fest, nur eine geschminkte Autoleiche vor sich zu haben oder stellt er einen erheblichen Schaden fest, kann dieser Forderungen stellen.

Gänzlich nichtig ist die Klausel die Gewährleistung bei Verkäufen zwischen Privaten auszuschließen, wenn Mängel arglistig verschwiegen werden. Dann ist juristisch sogar eine Rückabwicklung des Kaufs vorgesehen.

4. Fehlkauf bietet hohes Konfliktpotential

Wie knifflig die Sache mit der Gewährleistung ist, zeigt sich auch, wenn Mängel entdeckt werden, die keinen erheblichen Schaden darstellen, aber der Käufer dennoch unzufrieden mit dem Kauf ist. „Das ist der Punkt bei dem viel gestritten wird“, weiß die ÖAMTC-Juristin. Käufer haben kaum eine Chance, etwa auf Rückabwicklung des Geschäfts, wenn es ihnen nicht gelingt dem Verkäufer eine böse Absicht nachzuweisen.

Die Frage ist auch, wie weit das Problem vorhersehbar war. Aber zu viel Furcht vor Streitigkeiten, gerade bei Händlern, ist überflüssig. Zelenka: „Bei einem seriösen Händler bleiben Kunden, wenn sie mit seinem Kauf unzufrieden sind, nicht über.“

5. Verlassen Sie sich nicht auf Pickerl und Prüfgutachten

Nur weil ein Auto ein Pickerl hat, bedeutet das noch lange nicht, dass es in einem guten Zustand ist. „Das Gutachten besagt nur, dass das Auto noch fahrtüchtig ist und sich in freier Natur aufhalten darf, mehr nicht“, stellt Zelenka klar. Wenn eine §57a Überprüfung auch noch eineinhalb Jahre oder länger zurück liegt, ist es das Papier nicht wert.

Ein gültiges Pickerl lässt etwa auch keinen Rückschluss darüber zu, wie verrostet ein Auto bereits ist, denn erst wenn der Rost ein kritisches Ausmaß erreicht hat, wird das vermerkt.

6. Ohne Rechtsschutzversicherung kann es teuer werden

Wenn man sich als Käufer übervorteilt wähnt bleibt am Ende noch die Möglichkeit, den Rechtsweg zu beschreiten. Wenn man aber keine Rechtsschutzversicherung hat, sollte man sich diesen Schritt besonders gut überlegen. "Das kann ansonsten schnell teuer werden", warnt die ÖAMTC-Juristin, „ohne Rechtsschutzversicherung sollte man seine Chancen sehr sorgfältig abwägen.“

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