Risiko Funkschlüssel: 100 Millionen Autos per Funksignal zu knacken

Risiko Funkschlüssel: 100 Millionen Autos per Funksignal zu knacken
Risiko Funkschlüssel: 100 Millionen Autos per Funksignal zu knacken

Es ist möglich mit Hilfe eines selbstentwickelten Funksenders fremde Autos zu öffnen.

Forscher haben eklatante Sicherheitslücken bei Funkschlüsseln von Autos aufgedeckt. Welche Marken betroffen sind, warum es bei manchen Modellen leichter ist diese mit Hilfe von Funksignalen zu öffnen und wie man sich vor Einbrüchen schützen kann.

Es ist beängstigend: Einfache, selbst gebaute Funkempfänger und Sender reichen aus, um Autos zu knacken. Mit ihrer Hilfe können die Signale von Funkschlüsseln beim Verriegeln von Autos empfangen und anschließend auf Knopfdruck die Türen, den Kofferraum oder die Fenster der Wägen geöffnet werden. Dass das möglich ist haben Forscher aus Deutschland und Großbritannien im Zuge von Recherchen der deutschen TV-Sender NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung herausgefunden.

Sicherheitsforscher Timo Kasper erklärte nach Abschluss der Forschungsarbeiten zu den Sicherheitsmängeln von Funkfernverbindungen für Autos, dass weltweit rund 100 Millionen Autos betroffen könnten.

Kasper und seinem Team von Technikern gelang es mit Hilfe ihres selbst entwickelten Funkhelfers bei Modellen von fünfzehn Herstellern die Funktion, mit der Autofahrer ihre Fahrzeuge von weitem öffnen und schließen können, zu überwinden. Darunter waren Modelle von Opel, Ford, Fiat, Volkswagen, Audi, Seat und Skoda. Den Untersuchungen zufolge sind vor allem Modelle ab Baujahr 1995 betroffen.

Einer ersten Stellungnahme des VW-Konzerns zufolge können aktuelle Fahrzeuggenerationen etwa wie der Golf, der Tiguan, der Touran oder der Passat auf diesem Weg nicht geknackt werden. Die betroffenen älteren Modelle der bis zu 15 Jahre alten Fahrzeuge weisen laut VW unterschiedliche Sicherheitsniveaus auf.

Signal-Fänger

Wie leicht ein Auto per Funk zu knacken ist liegt laut Forschern an der Zahl der übertragenen Funksignale, die beim Öffnen oder Verschließen eines Fahrzeugs übertragen werden. Grundsätzlich sendet ein Autoschlüssel auf Knopfdruck ein Signal an den Wagen. Dort wird es entschlüsselt und der entsprechende Befehl ausgeführt.

Die Forscher fingen die von den Schlüsseln übertragenen Funksignale ab und reproduzierten sie. Bei Volkswagen-Modellen genügte laut Bericht ein einziger Mitschnitt des Signals. Bei Modellen etwa von Opel, Citroën, Fiat, Ford, Mitsubishi oder Nissan mussten die Forscher dagegen zumindest vier unterschiedliche Funksignale des Originalschlüssels abfangen. Detail am Rande: Alle Hersteller nutzen Chips des niederländischen Herstellers NXP mit einer identischen Verschlüsselungstechnik.

Bei Volkswagen gehe die Sicherheitslücke auf einen "Designfehler" zurück, berichtete das Recherchenetzwerk. Der Konzern habe in den vergangenen 21 Jahren nur etwa eine Handvoll unterschiedlicher Verschlüsselungen in die Autoschlüssel einprogrammiert.

Rückrufaktionen nicht zu erwarten.

„Diese Sicherheitslücken zu beheben, ist schwierig, weil die Chips fest in den Autoschlüsseln verbaut sind“, meint Forscher Timo Kaspers. Er rät laut dem Bericht Autobesitzern: „Das Kopieren des Funksignals kann nur vermieden werden, wenn man das Auto am Türschloss mit dem Schlüssel aufschließt und auf die Funkfernbedienung komplett verzichtet."

Die Erkenntnisse der Forscher wurden auf der weltweit renommierten Sicherheitskonferenz Usenix in Austin, Texas, präsentiert. In wieweit Kriminelle tatsächlich das Rüstzeug für solche Einbrüche hätten und ob und wie oft ein Einbruch auf diese Weise bereits passiert ist, darüber gibt es keine offiziellen Zahlen.

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