"Die Marktanteile der Autohersteller werden ab 2020 neu gemischt"

"Die Marktanteile der Autohersteller werden ab 2020 neu gemischt"

Andreas Kostelecky, Chef von Mitsubishi Österreich, sieht große Veränderungen auf die Branche zukommen.

Andreas Kostelecky, Chef von Mitsubishi-Österreich, über die Herausforderungen der Autohersteller und der Händler und warum die neuen EU-Vorschriften ab 2021 die Branche durcheinander würfeln dürften.

trend: Was ist für die Autohersteller und –händler die größte Herausforderung für 2020?
Kostelecky: Das von der EU gesetzte CO2-Ziel von 95 Gramm pro Kilometer für neu zugelassene Pkw zu erreichen. Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren. Nur Hersteller, die dann im Schnitt über sämtliche verkaufte Neuwagen gesehen, laut den offiziellen Messungen keinen höheren Ausstoß pro Kilometer erreichen, müssen keine Strafe zahlen. Derzeit liegt der erlaubte Ausstoß bei 130 Gramm. Das wird ein riesiger Sprung. Die Branche steht vor einem Gezeitenwechsel.

trend: Wie weit sind die Autohersteller derzeit vom 95-Gramm-Ziel entfernt?
Kostelecky: Der Durchschnitt der Hersteller erreicht 126 g CO2/km. In anderen Ländern, wie in Norwegen, wird das 95 Gramm/CO2-Ziel durch die vielen zugelassenen Elektroautos schon erreicht. Hersteller, die den neuen Grenzwert überschreiten, müssen für jeden einzelnen Neuwagen, der den durchschnittlichen CO2-Ausstoß über die Ziel-Marke hebt, Strafe zahlen.

trend: Wie kann es gelingen so viele Neuwagen mit deutlich geringerem CO2-Ausstoß zu verkaufen als im Vorjahr?
Kostelecky: Das ist die große Frage. Den größten CO2-Hebel nach unten erzielt man mit dem Verkauf von Elektro- und Hybridmodellen. Viele Hersteller haben deshalb für dieses Jahr neue Elektro- und Hybridmodelle angekündigt. Die Aufgabe wird aber nur mit dem richtigen Modellmix mit einer hohen Anzahl an CO2-armen und –freien Modellen gelingen. Insgesamt ist die Zahl der verkauften Elektro- und Plug-In-Modelle dafür aber in Österreich noch viel zu niedrig. 2019 wurden in Österreich nur rund drei Prozent aller Neuzulassungen mit reinem Elektroantrieb verkauft und nicht einmal ein Prozent waren Plug-In-Hybride.


Die Möglichkeiten zu optimieren, stoßen langsam an die Grenzen.

trend: Viele Hersteller haben in den vergangenen Jahren bei neuen Modellen fast jedes Mal eine CO2-Reduktion von 10 oder 20 Prozent präsentiert. Warum klagt die Branche nun so stark über die neuen, wieder etwas strengeren CO2-Vorgaben der EU?
Kostelecky: Man sollte sich vor Augen führen, dass der CO2-Ausstoß der Neuwagen vor wenigen Jahren durchschnittlich noch bei 180 Gramm pro gefahrenem Kilometer lag. Auch wenn mittels sogenannter Super-Credits besonders sparsame Fahrzeuge mehrfach angerechnet werden: Die neuerlichen Reduktionsvorgaben zu erreichen, ist für die Hersteller mindestens genauso schwierig, wie die Reduzierung von 180 Gramm auf 130 Gramm. Die Möglichkeiten, sparsame Diesel und Benziner weiter zu optimieren, stoßen langsam an die Grenzen des technisch und wirtschaftlich Machbaren. Der von der EU gesetzte CO2-Grenzwert ist zudem der schärfste weltweit.

trend: Wie geht es Mitsubishi an, die EU-Vorgaben zu erreichen? Wie stark werden die für das Erreichen des CO2-Grenzwerts nötigen Plug-In-Hybride von den Kunden angenommen?
Kostelecky: Unser erster Plug-In-Hybrid, der Mitsubishi Outlander PHEV kommt bei unseren Kunden gut an. Der Spritverbrauch ist gering, und bei einem CO2-Ausstoß von nur 40 g/km auch attraktiv. Davon haben wir im Vorjahr rund 250 Stück verkauft. Das entspricht einem Umsatzanteil von fünf Prozent. Um das 95-Gramm-Ziel zu erreichen müssten es aber deutlich mehr sein. Heuer peilen wir 400 verkaufte Plug-In-Modelle an. Große Hoffnungen setzen wir auch auf unser neues Citymodell, den Mitsubishi Space Star ´20, mit einem weiter entwickelten Benzinmotor und einem 1 bis 1,2-Liter-Motor mit 3-Zylinder, der im März auf den Markt kommt. Sein Verbrauch liegt bei 4,5 Liter, der CO2-Ausstoß bei 115 Gramm nach dem neuen Prüfzyklus WLTP. Elektromobilität wird sich auch im kommenden Modellportfolio noch stärker widerspiegeln. Um welche Modelle und um welche elektrifizierten Varianten es sich dabei handeln wird, können wir derzeit noch nicht beantworten, aber in Zukunft wird ein großer Teil unserer Neuwagen-Verkäufe mit einem Plug-In-Hybrid ausgestattet sein.


Diesel stoßen rund 15 Prozent weniger CO2 aus als Benziner.

trend: Wie stark werden die neuen CO2-Ziele den Automarkt verändern?
Kostelecky: Die Marktanteile werden neu gemischt. Es wird Gewinner und Verlierer geben. Wer den Anforderungen für die neuen CO2-Vorgaben am besten entspricht und auch Modelle in entsprechender Stückzahl liefern kann, wird zu den Gewinnern zählen.

trend: Ist der Diesel zum Sterben verurteilt?
Kostelecky: Gerade in Bezug auf die CO2-Vorgaben, ist das nur schwer vorstellbar, auch wenn es derzeit der politische Wille ist, diesen Antrieb weiter zurückzudrängen. Vor vier Jahren lag der Diesel-Anteil bei über 50 Prozent, heute sind es gerade einmal 30 Prozent. Bei einem weiteren Rückgang des Dieselantriebs, wird das CO2-Ziel, aber noch schwerer erreichbar sein. Im Schnitt stößt ein Diesel rund 15 Prozent weniger CO2 aus als ein Benziner.

trend: Was ist die Strategie von Mitsubihsi für 2021?
Kostelecky: Wir von Mitsubishi konzentrieren uns auf drei Bereiche: Wir sehen das Kleinwagen-Segment als Chance, auch wenn sich viele Hersteller aus dem Kleinwagensegment zurückziehen. Im März bringen wir die dritte Generation des Space Star auf den Markt. Auf der Vienna Autoshow feiern wir damit Europapremiere. Der Colt, das Vorgängermodell des Space Star, hat seinerzeit europaweit über eine Million verkauft. In Österreich wollen wir im Kleinwagensegment unter die Top-10 kommen. Eine weitere Stärke von uns, Pick-Ups, wollen wir weiter forcieren. Der Mitsubishi L200 hat im Vorjahr den dritten Platz in der Absatzstatistik nach Ford Ranger und VW Amarok erreicht. Die im Vorjahr abgesetzten 730 Stück wollen wir heuer noch übertreffen und an die 1.000 Pick-Ups absetzen. Dazu haben wir kürzlich eine Kooperation mit dem Red Bull Ring vereinbart, der Mitsubishi als 4x4-Partner ausgewählt hat. Auf dem großen Offroad-Parcour in Spielberg stehen mehrere L200 Pick-Ups für Geländefahrten bereit. Und als drittes wichtiges Standbein wollen wir unseren Plug-In-Hybrid-Anteil 2021 deutlich ausweiten.

Zur Person:
Andreas Kostelecky (53) ist seit Anfang 2015 Geschäftsführer von Denzel Autoimport/ Mitsubishi Österreich. Er war zuvor fünf Jahren als Verkaufsleiter bei Mitsubishi Österreich tätig und war davon drei Jahre Prokurist der Denzel Autoimport GmbH. Gemeinsam mit Gregor Strassl, Vorstand der Wolfgang Denzel Auto AG und schon bisher Geschäftsführer der Denzel Autoimport GmbH

Auto & Mobilität

Gebrauchtwagenmarkt: VW Golf verdrängt 3er BMW an der Spitze

Auto & Mobilität

E-Mobility: Die Batteriepläne der deutschen Autoindustrie

Auto & Mobilität

Volvo: SUV-Boom sorgt für Absatzturbo

Auto & Mobilität

Hyundai plant erstes Auto-Abo Österreichs