Lufttaxis: Mobiler Zukunftstraum in der Warteschleife

Lufttaxis: Mobiler Zukunftstraum in der Warteschleife

Fliegen statt im Stau stehen: Ehe Lufttaxis eine echte Alternative sein können müssen noch viele Fragen geklärt werden.

Autonom fliegenden Lufttaxis wird von vielen Seiten eine große Zukunft vorausgesagt. Ob und wann diese Zukunftsvision Realität wird steht allerdings noch in den Sternen. Europaweit gibt es für den Betrieb der Flugobjekte noch keine Regelungen.

“Urban Air Mobility” ist eines der heißesten Themen bei den Überlegungen zur Zukunft des innerstädtischen Verkehrs. Hinter dem Begriff versteht man gemeinhin autonom fliegende Drohnen mit Platz für ein bis zwei Passagieren. Schon 2025 sollen autonom fliegende Lufttaxis auf ersten, festgelegten Routen Passagiere transportieren. Unternehmen wie Airbus, Boeing, Google, Rolls-Royce, Audi, Bell und der oberösterreichische Flugzeugkomponentenhersteller FACC - gemeinsam mit dem chinesischen Technologie-Konzerm EHang - tüfteln an Konzepten dafür.

Zuerst sollen Flugtaxis in Megacities mit über zehn Millionen Einwohnern und in Metropolregionen, die an chronischer Verkehrsverstopfung leiden, eingesetzt werden. 2050 sollen die bemannten Drohnen dann auch schon in kleineren Städten mit rund einer halben Million Einwohnern zum Alltag gehören. Die unbemannten Fluggeräte sollen sich zunächst in einer Höhe von bis zu 120 Metern bewegen

Trotz aller Bemühungen und ersten erfolgreich durchgeführten Testflügen stehen der Vorstellung, den täglichen Staus im Berufsverkehr einfach entfliegen zu können, aber noch etliche Hindernisse im Weg. Eine der kritischsten darunter ist die erforderliche Regelung des Luftraums, wobei sowohl die Sicherheit anderer Flugobjekte, Rettungs- oder Einsatzhubschrauber zum Beispiel, und die der Menschen und Objekte am Boden oberste Priorität haben.

Viele offene Fragen

Aus heutiger Sicht ist allerdings noch nicht absehbar, bis wann ein entsprechendes Regelwerk geschaffen und der Luftraum für Flugtaxis freigegeben werden kann. Zu den offenen Fragen gehören Start-, Lande- und Sperrzonen und Betriebszeiten sowie der Erkennung von Hindernissen und anderen Verkehrsteilnehmer. Auch die Folgen und Haftungsfrage etwaiger Unfälle - von Sachbeschädigung über Körperverletzung bis zu fahrlässiger Tötung - gilt es zu klären.

Auch der Überflug von privaten Grundstücken und die dabei mögliche Erstellung von Fotos und Videos sind ein Kriterium. muss geregelt werden. Bei Bild- und Tonaufnahmen muss immer darauf geachtet werden, dass die „überwiegend schutzwürdigen Interessen auf Geheimhaltung" anderer gewahrt bleiben, die Privatsphäre also nicht gestört wird.

Zuständig für die Entwicklung des Lufttaxi-Regulativs ist die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA). Derzeit liegen der österreichischen Luftfahrtbehöre Austro Control zufolge einige Anträge für Erprobungsbewilligungen in Österreich für unbemannte Luftfahrzeuge vor. "Die Verfahren dazu sind im Laufen und befinden sich derzeit in der Phase eines Safety und Risk-Assessments", teilt die Austro Control mit und verweist darauf, dass ein eigenes Verkehrsmanagementsystem erforderlich ist.

Fliegende Alternative

FACC-Chef Robert Machtlinger ieht die pilotenfreien Luftfahrzeuge auch nicht als Ersatz für Autos, Busse oder Züge ersetzten, sondern als Transportalternative. "Es wird eine Ergänzung sein", erklärte Machtlinger bei der Digitalisierungskonferenz Darwin's Circle in Wien. Außerhalb von Millionenstädten kann sich der FACC-Chef die Lufttaxis etwa auch für die Versorgung von Ölplattformen mit Material und Werkzeugen vorstellen.

Rund 300.000 Euro kostet der aktuell 360 Kilo schwere, mit 16 Elektromotoren und 16 Rotoren ausgestattete und autonom fliegende Prototyp von EHang, der zwei Personen mit einer Akkuladung über rund 50 Kilometer transportieren kann.

Hoffnung, dass dieser Prototyp oder ein Nachfolger in absehbarer Zeit zum Einsatz kommen kann gibt der Zeitplan der Europäischen Kommission für die volle Integration von unbemannten Luftfahrzeugen in den kontrollierten Luftraum. Demzufolge soll diese 2035 abgeschlossen sein.


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