Logistik-Professor: "Wiener Verkehrspolitik problematisch"

Logistik-Professor: "Wiener Verkehrspolitik problematisch"

Sebastian Kummer, Institutsvorstand für Logistik und Transport an der WU Wien, kritisiert im Gespräch mit trend.at scharf die Verkehrspolitik der Grünen in Wien. Warum diese die Stadt in Sachen Verkehr an die Grenzen des Erträglichen treibt und wo massive Probleme drohen.

Wenn es nach der Wiener Stadtregierung und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou geht, sollen in Wien bis 2030 nur halb so viele Autos fahren wie heute. Dazu soll der Individualverkehr massiv zurückgedrängt werden. Wien soll zwar eine "Smart City" werden, aber Elektroautos haben darin, wohl auch in Zukunft, nur einen geringen Platz. Denn die Wiener Grünen lehnen Elektro-Tankstellen strikt ab, weshalb diese an öffentlichen Plätzen verboten sind. Errichtung und Betrieb von Elektroladestationen werden damit Privaten überlassen. Andere Anreize, wie Gratis-Parken für Elektroautos oder die Freigabe der Busspuren für Ökofahrzeuge stehen nicht zur Diskussion. Die Folge: 2014 wurden in Wien nur 176 Elektroautos neu angemeldet, 2015 waren es erst 350 Stück. In Städten wie Oslo, Berlin oder Kopenhagen, wo öffentlich E-Tankstellen gibt und es zusätzliche Anreize gibt, ist die Zahl deutlich höher.

Sebastian Kummer, Vorstand des Institutes für Transportwirtschaft und Logistik, WU Wien, hält diese Verkehrspolitik der Wiener Grünen für äußerst bedenklich: "Gerade für die Stadt sind Elektro-Fahrzeuge die ideale Option. Und das obwohl wir zunehmend über die Technik verfügen, um die Verkehrsprobleme von Großstädten nachhaltig zu lösen." Lösungen den Individualverkehr zu verbessern, würden dagegen keine Aufmerksamkeit geschenkt.

Öffentlicher Verkehr stößt bereits an seine Grenzen

Kummer vermutet: "Hinter dieser auf den öffentlichen Verkehrs fokussierten Politik stecken die Interessen der Wiener Linien, schließlich gehören diese der Stadt Wien. Dabei sollte sich die Politik dringend Gedanken machen, wie der Verkehr auch abseits des öffentlichen Verkehrs, effizienter gestaltet werden kann." Sein Fazit zur aktuellen Situation: "Die Stadt ist an den Grenzen ihrer Transport-Kapazitäten angelangt."

Wien: Noch einmal so viele Einwohner wie in Graz an Zuwachs prognostiziert

Zusätzlich verschärft wird das Problem, dass die Stadt in den nächsten Jahren deutlich wachsen wird. Selbst Wiener Radfahr-Chefidologe Christoph Chorherr geht davon aus, dass sich Wien in der expansivsten Phase seiner Stadtgeschichte befindet und in den nächsten 15 Jahren noch einmal so viele Menschen dazukommen werden, wie Graz Einwohner hat. Sein Weg für die Zukunft: Weniger Autos, dafür mehr Fahrradwege und erhöhte Nutzung von Öffis. Auch das Thema Citymaut wird von den Grünen immer wieder als probates Mittel zur Verkehrseindämmung genannt.

Viel zu klein dimensionierte U-Bahn-Stationen machen riesige Investitionen nötig

Doch für diesen hohen Zuwachs an Menschen ist das öffentlichen Verkehrsnetz in Wien bei weitem nicht ausgelegt, auch trotz einzelner Neuerungen. Das größte Problem stellen nach Einschätzung von Kummer die viel zu klein dimensionierten U-Bahn-Stationen dar, wie jene Jugendstil-Bauten entlang der U4 oder U6. Die Bahnsteige sind zu schmal, die Treppen zu knapp bemessen. Jene, die kommen und jene die weg wollen, behindern sich. "Konzentriert man sich vor allem auf die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs werden riesige Investitionen nötig", warnt Kummer.

Auch Günther Schweizer, Landesgeschäftsführer des Arbö Wien greift die Grünen an. Er sieht den geringen E-Auto-Anteil in Wien vor allem als Resultat der Förderpolitik. Während es in Niederösterreich bis zu 3.000 Euro Kaufförderung und Zusatzleistungen wie Fahrertrainings, die Öbb-Vorteilscard oder ein 2-jähriges Ticket für die Öffis im Wert von bis zu 2.000 Euro gibt, gibt es für die Wiener, die keine Firma haben, keinen Zuschuss beim Kauf eines strombetriebenen Autos.

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