LKW-Hersteller: Elektro-Antrieb im Fernverkehr kein Thema

LKW-Hersteller: Elektro-Antrieb im Fernverkehr kein Thema

Ungeachtet der jüngsten Präsentation des Tesla-Sattelschleppers "Semi" sehen die großen LKW-Hersteller derzeit keine Möglichkeit, dass sich der Elektro-Antrieb mittelfristig im Schwerverkehr eine Alternative für Diesel-Motoren sein könnte.

Mitte Novmember holte Tesla-Gründer Elon Musk zu seinem nächsten großen Schlag aus. Auf einem Flugplatz in der Nähe von San Franciso ließ Musk zwei Prototypen seines nächsten Projekts anrollen: Die "Semi"-Sattelschlepper, mit denen der Elektro-Schocker der Automobilbranche bald auch die LKW-Hersteller unter Druck setzen will. (siehe Artikel: "Doppelschlag von Tesla: Neuer Roadster und Elektro-Truck")

Die Tesla-Show war wie gewohnt beeindruckend, und die technischen Daten, die Musk vom Stapel ließ, ebenso: Eine Million Meilen, also 1,6 Millionen Kilometer soll der mit vier Elektromotoren bestückte Sattelschlepper ohne eine einzige Panne abspulen können - und das bei deutlich geringeren Gesamtkosten, als klassische Diesel-Trucks: Musk rechnete vor, dass der Elektro-Truck pro gefahrener Meile um 25 US-Cent günstiger wäre als herkömmliche Trucks und sich bei Fahrten im Konvoi die Kosten pro Meile sogar von 1,51 US-Dollar auf 0,85 Dollar pro Meile nahezu halbieren werden.

Auch was die Reichweite der E-Trucks betrifft - die im Business-Einsatz noch erheblich mehr Gewicht hat als im Privatverkehr - hat der "Semi" einiges zu bieten. 500 Meilen, also rund 800 Kilometer soll der Truck mit einer vollen Akku-Ladung abspulen können - bei einer Beladung von 40 Tonnen und normaler Autobahn-Fahrgeschwindigkeit.

Branche ist skeptisch

Jedoch: Die etablierten LKW-Hersteller wollen das nicht wirklich glauben. Scania-Vorstandschef Henrik Henriksson vermutet, dass die Tesla-Präsentation nur für Investoren abgehalten wurde. "Vielleicht braucht das Unternehmen frisches Geld von Investoren. Wir bringen ein neues Produkt, wenn es für die Kunden Sinn macht und nicht für die Finanzmärkte", sagt er.

Es scheint den Branchenvertretern angesichts des aktuellen Stands der Akku-Technologie schlichtweg unmöglich, dass es irgendwann in absehbarer Zukunft möglich sein könnte, einen schweren Lastwagen mit Elektromotor effizient und den wirtschaftlichen Anforderungen im Bereich der Transportlogistik entsprechend einsetzen zu können. Der Akku für einen 40-Tonner würde gut zehn Tonnen wiegen, sagte VW-Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler am Freitag auf einem "Handelsblatt"-Forum in München. Außerdem sei er "sehr, sehr teuer", fügte Volvo-Technikvorstand Lars Stenqvist hinzu. Für schwere Lastwagen hält Stenqvist Hybridantriebe für die letzten Kilometer in der Stadt sinnvoll.

Oberleitungen auf einigen Autobahnabschnitten, wie sie auch in Deutschland getestet werden, könnten funktionieren, wären aber sehr aufwändig und kostspielig. Im Fernverkehr sei der Verbrennungsmotor daher noch lange unverzichtbar. Statt Diesel könnten jedoch auch alternative Treibstoffe wie Biomethan oder synthetische Kraftstoffe zum Einsatz kommen. Unter dem Strich sehen die Branchenvertreter die elektrifiziereung in der Autoindustrie sehr wohl das große Thema, aber eben nicht nicht für Lastwägen. Digitalisierung könnte Transporte effizienter und umweltschonender machen. Doch hier sei die Politik im Verzug und widersprüchlich, klagt die Branche.

Innerstädtische Perspektiven

Einig waren sich die Lkw-und Bushersteller jedoch, dass Elektroantriebe im städtischen Verteilerverkehr und bei Stadtbussen jetzt rasch kommen. Doch auch hier gäbe es technische Probleme. Bei einem Bus "gehen im Winter 50 Prozent des Stroms auf die Heizung", sagte MAN-Vorstandschef Joachim Drees.

Um die Luftqualität in den Städten zu verbessern, wäre jedenfalls die Erneuerung der Flotten mit modernen Fahrzeugen sehr effektiv und rasch wirksam. Seit Einführung der Euro-Normen sind die Schadstoffemissionen schwerer Nutzfahrzeuge bereits um insgesamt 98 Prozent zurückgegangen.

Mit der deutschen Verkehrspolitik geht Matthias Wissmann, der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), hart ins Gericht. Bis 2030 rechne die Bundesregierung mit bis zu 30 Prozent mehr Gütertransport, zugleich wolle sie den CO2-Ausstoß im Verkehr um 40 Prozent senken. "Politiker sollten gelegentlich die Sache zu Ende denken", kritisierte er. "Enorm steigende Gütermengen und gelegentlich unrealistische andere Ziele bringt auch Europa nur ganz schwer zusammen."

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