Lkw-Crash: Wie dieser Alptraum verhindert werden kann

Lkw-Crash: Wie dieser Alptraum verhindert werden kann

Fahrtechnikkurse für LKW-Fahrer können schwere Unfälle verhindern.

Verkehrsclubs wie der ÖAMTC bieten spezielle Fahrtechnikkurse für Lenker von Lkws und Transportern und für Außendienstmitarbeiter an. Warum die richtige Beladung der Fahrzeuge so wichtig ist, schon zehn Km/h in Kurven zu viel sein können und worauf man bei der Auswahl solcher Kurse achten sollte.

Mit einem voll beladenen Sattelschleppzug auf einer Schneefahrbahn ins Schleudern zu kommen ist ein Schreckensszenario für jeden LKW-Fahrer. „Ein Alptraum“, weiß Gerhard Blümel, Leiter der Berufsfahrer-Akademie des Autofahrerclubs ÖAMTC. Er weiß wie schnell es dazu kommen kann: „Schon ein paar Km/h zu viel können einen LKW in Kurven oder bei Schnee aus der Bahn werfen." Bei LKWs, die im Schnitt locker 30 Tonnen wiegen, zerren die Kräfte der Physik doch um ein vielfaches stärker als bei einem Pkw.

B-Führerschein reicht um Transporter zu pilotieren

Um das Risiko besser in den Griff zu bekommen, bieten Autofahrerclubs wie der ÖAMTC und der ARBÖ Fahrtechnikkurse an, die speziell auf die Bedürfnisse von Unternehmen ausgerichtet sind. Bisher nutzten diese Fahrtechniktrainings vor allem Unternehmen mit LKW-Flotten. Firmen mit Kleintransportern sind dagegen noch deutlich in der Minderzahl. Dabei steigt die Zahl der Fahrzeug-Neuzulassungen in diesem Segment steigt stark. Vor allem Kurier- oder Zustelldienste setzen solche Kleintransporter ein, die auch mit einem B-Führerschein gelenkt werden dürfen. „Das Bewusstsein für Gefahren, die etwa von falsch beladenen Gütern ausgehen können, ist allerdings gerade unter den Fahrern in diesem Bereich oft nicht so ausgeprägt“, moniert Christoph Mondl, stellvertretender Verbandsdirektor des ÖAMTC.

Ziel der Fahrtrainings ist es die Sicherheit zu erhöhen und durch weniger Unfälle auch die Kosten für die Unternehmen zu minimieren. Das gilt sowohl für große als auch für kleine Schäden. So sind kleine Dellen, eine kaputte Stoßstange oder ein heruntergerissener Außenspiegel rasch passiert und meist nicht besonders kostspielig. „Aber man muss auch die damit verursachten Stehzeiten in die Kostenbilanz einbeziehen. Bis eine Schadensmeldung abgewickelt ist, können rasch zwei, drei Stunden vergehen“, weiß ÖAMTC-Schulungsleiter Blümel.

Ein Unfall kostet im Schnitt 7.000 Euro

Fahrtrainings machen sich laut Angaben des ÖAMTC in der Zahl der Unfallstatistik der Unternehmen meist deutlich bemerkbar. „Die Unfallhäufigkeit wird in vielen Fällen um 40 Prozent gesenkt“, so Verbandsmanager Mondl. Das macht sich auch in der Bilanz der Unternehmen positiv bemerkbar. „Im Schnitt wird ein Unfall mit 7.000 Euro bewertet. Bei einem großen Unternehmen ist es uns beispielsweise gelungen, die Unfälle über mehrere Jahre um 200 Fälle zu reduzieren“, so Mondl. Die Ersparnis: Hochgerechnet 1,4 Millionen Euro.

Was Berufslenker beim Fahrtechnik-Kursen trainieren:

  • In Gefahrsituationen richtig reagieren
  • Gefühl für die Abmessungen des Fahrzeugs: Gerade für LKW-Fahrer ein nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle. Blümel: „Selbst wenn Fahrer schon über viele Jahre Erfahrung verfügen, kommt es beispielsweise beim Zurückschieben trotzdem immer wieder zu Fehleinschätzungen über die tatsächlichen Maße des Fahrzeugs.“
  • Generell wird die Einstellung, achtsam zu sein, geschult und aufgefrischt.

Das Beladen von Fahrzeugen wird geschult
70 Prozent der Schäden bei Transportern und LKWs entstehen laut ÖAMTC durch eine mangelhaft gesicherte Ladung. „Wir gehen individuelle auf die Probleme und Bedürfnisse der Kunden ein“, erklärt ÖAMTC-Qualitätssicherer Blümel.

  • Der ÖAMTC demonstriert bei seinen Schulungen bei Bedarf, wie man Schüttgut am besten transportiert oder hängende Schweinebäuche, die bei ungenügender Befestigung ebenso eine Eigendynamik entwickeln können wie Flaschen. „Es kann schon eine einzige Flasche reichen, um zu einem lebensgefährlichen Geschoss zu werden. Blümels Tipp: „Flaschen im Kofferraum ganz hinten bei den Sitzen gut verstauen, so kann keine gefährliche Schwungmasse entstehen.“
  • Bei speziellen Fällen installiert der ÖAMTC auch Kameras im Laderaum des LKWs, um so Probleme, die das Ladegut während der Fahrt verursacht, zu analysieren und so auszumerzen.
  • Gezielt trainiert werden auch Fahrer, die, wie der verunfallte Lenker auf der Tauernautobahn, Flüssigtanks pilotieren, einer der riskantesten Transporte. Diese können etwa in engen Kurven oder im Kreisverkehr bei zu hoher Geschwindigkeit rasch kippen. „Nur zehn km/h zu viel können schon reichen und das Fahrzeug kippt“, warnt Blümel. Ein sogenannter Rollover, ein Überschlag, in der Branche das Horrorszenario schlechthin.“ Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie leicht man ins Kippen und Rollen gerät, stellt der ÖAMTC bei seinen Kursen Tanks mit Stützen zur Verfügung, mit denen Fahrer ausprobieren können wie rasch die fahrerischen Grenzen erreicht sind. „Durch diese Übungen können solche gefährlichen Unfälle im Alltag auf ein Minimum reduziert werden“, so die Erfahrung von Blümel

Durch defensives Fahren Sprit sparen
Ein weiterer Teil des Fahrtrainings kann das Üben des sogenannten defensiven Fahrens sein. Dabei lernt man als Fahrer, so zu fahren, dass man auf der Straße nicht zwangsläufig das eigene Recht durchzusetzen muss. Man lernt vielmehr auf andere Fahrer zu achten und so gefährliche Situation zu vermeiden. Defensives Fahren bedeutet auch spritsparend unterwegs zu sein. Die meiste Energie braucht ein Fahrzeug nämlich, um in Bewegung zu geraten. Wer langsam auf eine Kreuzung zufährt, wenn er sieht, dass die Ampel demnächst auf Grün schaltet, und so nicht zum Stillstand kommt, spart bereits Sprit. Denn wer länger rollt, hat länger Sprit. „Fünf bis sechs Prozent Treibstoff lassen sich so leicht sparen“, erklärt Blümel. Bei einem LKW, der im Schnitt 22 Liter Sprit pro Tankfüllung braucht, führt diese Fahrweise über eine längere Dauer doch zu einer merklichen Ersparnis.

Kfz-Versicherung durch Kurse bei der Stange halten

Ein weiterer Vorteil von Fahrtechnik-Trainings. Ausbildner Blümel: „Manchmal ist die Kfz-Versicherung nicht mehr bereit einen Kunden zu behalten, wenn zu viele Unfälle verursacht wurden. Mit Fahrsicherheitstrainings kann dieses Problem meist rasch behoben werden.“

Neben dem ÖAMTC oder etwa dem ARBÖ gibt es zahlreiche andere Anbieter für Fahrsicherheitstrainings. Doch wie erkennt man einen seriösen Anbieter?

Was gute Fahrtraining-Anbieter offerieren sollten:

  • Defensiv- und Eco-Trainings werden ausschließlich in kleinen Gruppen abgehalten. „Dieser Teil des Trainings entspricht mehr einem Coaching. Nur bei maximal vier bis fünf Teilnehmern kann auf jeden einzelnen gut eingegangen werden“, so Blümel.
  • Wichtig ist auch der Praxisanteil bei den einzelnen Kursangeboten. Bei Kursen zum Thema Ladungssicherheit sollte der Praxisanteil bei 80 Prozent liegen, beim Ecotraining 50 Prozent, bei Fahrtechnik 90 Prozent und bei Gesundheitsschulung bei 10 Prozent.

Kurse werden von der Unfallversicherungsanstalt AUVA im Rahmen der Initiative „Arbeitsplatz Straße“ mit 70 Euro pro Teilnehmer gefördert.

Fahrtechnik-Trainings für LKW-Fahrer :
ÖAMTC Fahrtechnik-Kurse für Berufsfahrer (LKW und Busse)
ARBÖ Fahrsicherheits-Zentren
Fahrtechnik-Zentrum Murtal
Fahrtechnik Knaus

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