Autohändler klagen: "Werden von Herstellern gegängelt"

Der Autohandel ist in Österreich keine Cashcow.
Der Autohandel ist in Österreich keine Cashcow.

Der Autohandel ist in Österreich keine Cashcow.

Der Autohandel hat 2015 zwar angezogen, österreichische Händler kommen dennoch mehr und mehr unter Druck. Die Gründe und was Kfz-Handelsobmann Burkhard Ernst prognostiziert.

Eigentlich, sollte man meinen, könnten die Autohändler zufrieden sein. Die Umsätze in der Autobranche haben zuletzt nämlich wieder etwas angezogen. Ohne den Werkstätten- und Zubehörhandel machte die heimische Autobranche 2015 auf einen Umsatz von 26,1 Milliarden Euro, ein nominelles Plus von 3,2 Prozent.

Diese Entwicklung steht jedoch im starken Kontrast zur Ertragslage der Autohändler, die sich laut einer Studie der Bank Austria im Vorjahr deutlich verschlechtert hat. Die Umsatzrentabilität ist demnach von durchschnittlich 1,7 Prozent im Jahr 2011 auf ein Prozent 2015 zurückgegangen. "Verantwortlich dafür waren in erster Linie die rückläufigen Absatz- und Umsatzzahlen, die den Konkurrenz- und Preisdruck verschärften und in weiterer Folge die Händlermargen vor allem im Neuwagensegment unter Druck brachten", erläutert Bank-Austria-Ökonom Günter Wolf.

"Autohersteller gängeln Händler"

Burkhard Ernst, Obmann des Fahrzeughandels, bezweifelt jedoch die Angaben der Bank Austria: "Die Händler verdienen im Schnitt schon lange keine 1,7 Prozent Umsatzrendite mehr." Das magere eine Prozent Umsatzrentabilität decke sich jedoch mit seiner Einschätzung. An den schwachen Erträgen seien neben den in den letzten Jahren geringeren Absätzen die Autohersteller schuld. "Sie gängeln Händler mit hohen Abnahmeverpflichtungen und Boni für alles und jeden", ärgert sich Ernst. Zum Schluss bliebe für die Händler nicht mehr viel übrig. Laut Ernst steht es so schlecht, dass das alle Händler jeder Marke pro verkauftem Neuwagen abzüglich aller Boni im Schnitt sogar noch 2,8 Prozent des Verkaufspreises drauflegen müssen.

Ein weiterer Renditekiller sind die hohen Tages- und Kurzzulassungen. "Ein Instrument, um die Nachfrage künstlich zu stimulieren", so Ernst, der die Wirksamkeit dieser Maßnahme bezweifelt. Diese Kurz- und Tageszulassungen sind laut Bank Austria Studie ein Indikator dafür, dass sich die Kluft zwischen neu zugelassenen und tatsächlich zu Neuwagenkonditionen verkauften Autos deutlich vergrößert hat. 2015 wurden 41 Prozent aller neu registrierten Pkw in Österreich binnen 60 Tagen wieder abgemeldet, mehr als doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Dabei handelt es sich offenbar um rein verkaufstaktische Zulassungen.

Hoffnung für das Gesamtjahr 2016

Aufgrund der gestiegenen Nachfrage sind die Kurz- und Tageszulassungen seit Jahresbeginn um 6,4 Prozent zurückgegangen. Fahrzeughandelsobmann Ernst ist daher was die finanziell angespannte Lage der Autohändler betrifft, für 2016 leicht optimistisch. "Das nimmt etwas den Druck von den Händlern, stark rabattierte Autos in den Markt zu pressen", analysiert er. Die Erwartungen mancher Autoimporteure, dass es 2016 in Österreich sogar mehr Neuzulassungen geben wird als bisher prognostiziert wurde, teilt er allerdings nicht. Bisher rechnete man in der Branche mit rund 300.000 verkauften Neuwägen im Jahr 2016.

Langfristig sieht Ernst, der mit Mazda Rainer selbst über einen großen Kfz-Handel verfügt, weiter starke Belastungen auf den Autohandel zukommen. "In Europa wird wie im Rest der Welt der Online-Handel mit Autos und Kfz-Zubehör weiter zunehmen." In Deutschland sei etwa der Onlineriese Amazon bereits der größte Ersatzteilhändler der Marke BMW. In Österreich sei man von solchen Dimensionen des Handels im Internet zwar noch weit entfernt, die Entwicklung sei aber nicht aufzuhalten. "Das Sterben Auto- und Teilehändler wird weitergehen", resümiert Ernst.

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