KTM-Hersteller Pierer Mobility schlittert in die Verlustzone

Unterbrochene Lieferungen von Teilen aus Italien und Spanien haben dem KTM-Motorrad-Hersteller Pierer Mobility im ersten Halbjahr zu schaffen gemacht. Dem Aktienkurs tut das keinen Abbruch, der Wert stieg zuletzt kräftig. Wie Konzernchef Stefan Pierer bis Ende des Jahres die Kurve kriegen will.

KTM-Hersteller Pierer Mobility schlittert in die Verlustzone

Stefan Pierer, Chef der Pierer Mobility AG, konnte den Gewinn vom ersten Halbjahr 2019 heuer nicht wiederholen.

KTM-Motorrad-Hersteller Pierer Mobility hat im Halbjahr 2020 einen Verlust eingefahren. Minus 9,6 Millionen Euro standen Ende Juni unterm Strich, nach einem Gewinn von 29,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Zugesetzt hat dem Motorradhersteller vor allem ein zweimonatiger Produktionsstopp aufgrund des Corona-Lockdowns. Neben Modellen von KTM produziert das Unternehmen auch Modelle der Motorrad-Marken Husqvarna und Gasgas.

Gestiegener Umsatz und Verschuldung
Wegen Störungen der Lieferkette in Norditalien und Spanien habe man die Produktion in Mattighofen im März stoppen müssen, heißt es im Halbjahresbericht. Rund 3.000 Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt, die Betriebsunterbrechung von August wurde teilweise vorgezogen und Urlaubs- und Zeitausgleichsstände wurden abgebaut. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr auf 600 Millionen Euro, gegenüber 754,9 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2019. Die Nettoverschuldung ist um 23,6 Prozent auf 489,4 Millionen Euro gestiegen. Die Eigenkapitalquote ist zwar leicht gesunken, aber mit 35,4 Prozent nach wie vor solide.

Seit Mai werden wieder Motorräder gebaut
Erst Mitte Mai wurde der Fahrzeugzusammenbau wieder aufgenommen, die Kurzarbeit wurde für alle Mitarbeiter mit Ende Mai beendet. Zum Ende des ersten Halbjahres 2020 beschäftigte das Unternehmen 4.329 Mitarbeiter, davon 3.592 in Österreich. Rund 800 Mitarbeiter in der Gruppe sind in Forschung & Entwicklung tätig.

Besser als der Gesamtmarkt
In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat die PIERER Mobility-Gruppe in den wichtigsten Motorradmärkten (>120cc) mit einem Zulassungsplus von 1,4 Prozent den Gesamtmarkt (-7,4%) deutlich übertroffen und konnte den Marktanteil um einen Prozentpunkt auf 11,8 Prözent erhöhen. Generell boomen Zweiräder derzeit, was sich in zweistelligen Zuwachsraten bei Motorrädern und E-Bicyles zeigt.


Bis auf Weiteres sind keine Engpässe zu erwarten

, so das Unternehmen. Man habe jedoch die Risikobewertung der Lieferanten überarbeitet, um künftig Risiken schneller erkennen und lösen zu können. Zudem sei ein "Programm zur Vorwarnung jeglicher globalen Ereignisse, welche sich direkt oder indirekt auf die Lieferkette auswirken" implementiert worden.

Marktanteile sollen dennoch erhöht werden
Weiters habe man einen Verhaltenskodex für die Mitarbeiter eingeführt, um die Produktionskapazitäten sichern zu können. "Trotz eines herausfordernden Marktes besteht generell das Ziel, die Marktanteile in den für KTM und Husqvarna wichtigen Märkten weiter zu erhöhen", heißt es im Unternehmensausblick. Vor allem in Australien und in den USA hätten sich die Märkte im Halbjahr überraschend stark entwickelt.

Das operative Ergebnis (EBIT) brach im ersten Halbjahr von 46,6 Mio. Euro auf 1,7 Mio. Euro ein, blieb aber damit knapp im positiven Bereich. Der Umsatz ging von 754,9 auf 600 Mio. Euro zurück.


Vorzeitige Gesamübernahme von Gasgas
Die PIERER Mobility-Gruppe hat im im Juli 2020 vorzeitig 100 Prozent der Anteile der GASGAS Motorcycles GmbH und positioniert somit GASGAS als dritte Konzernmarke im Bereich Geländemotorrad für Einsteiger und als Weltmarktführer im Trial Segment. Weiters ergänzt GASGAS sein Produktportfolio um ein sportives Sortiment in der Kategorie High-End E-Mountain Bike.

Optimistischer Ausblick bis Jahresende wegen MotorGP-Erfolge, E-Bikes und steigende Exporte
Aufgrund der starken globalen Nachfrage rechnet die Gruppe im zweiten Halbjahr 2020 mit einer Umsatzsteigerung auf mehr als 800 Millionen Euro und liegt daher deutlich über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres (2. Halbjahr 2019: 765,3 Mio. Euro). Pierer will nicht nur Marktanteile steigern, sondern erwartet sich durch die Erfolge in der MotorGP eine steigende Präsenz der Marke und damit weitere Umsatzsteigerungen. Eine Offensive ist E-Bikes geplant. Bisher liefert die Sparte einen Umsatzbeitrag von 110 Millionen Euro. Insgesamt wurde der im Juli avisierte Jahresumsatz bestätigt und soll über 1.400 Millionen betragen. Im Geschäftsjahr 2019 waren es 1.520 Millionen Euro.. Bezogen auf das Geschäftsjahr 2020 werden nach derzeitiger Einschätzung die EBIT-Marge zwischen 4 und 6% vom Umsatz und der Free Cash-Flow bei mehr als € 30 Mio. liegen. Im ersten Halbjahr lag die Ebit-Marge jedoch bei nur 0,3 Prozent.

30 Prozent Kursplus in drei Monaten
Die Aktie (ISIN: AT0000KTMI02) hat sich in den vergangenen drei Monaten gut gehalten und fast 30 Prozent an Wert zugelegt.
Eine Änderung gibt es beim Börselisting: Per 30. September 2020 endet der Handel der Aktien der PIERER Mobility AG im Amtlichen Handel der Wiener Börse. Die Börse hat mitgeteilt, dass sie die Aktien der PIERER Mobility AG auf eigene Initiative in den "global market" von weltweit agierenden Unternehmen mit Wirkung ab dem 1. Oktober 2020 aufnimmt.

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