Miba-CEO: "Klimaschutz nicht auf Kosten von Arbeitsplätzen"

Miba-CEO: "Klimaschutz nicht auf Kosten von Arbeitsplätzen"

Peter Mitterbauer, Chef des Autozulieferers Miba, macht mit seinen weltweit 7.400 Mitarbeitern im Jahr eine Milliarde Euro Umsatz.

Peter Mitterbauer, Vorstand des Laakirchner Tech-Konzerns Miba, über neue Technologien, den Kostendruck der Autohersteller, Wachstumseinbrüche und Pläne in China und warum er den CO2-Zielen der EU kritisch gegenüber steht.

trend: Die Miba ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Werden Sie dieses Tempo auch bei einem schwächeren Wirtschaftswachstum halten können?
Mitterbauer: Wir haben seit 2010 unseren Umsatz verdoppelt, bei einem jährlichen Wachstum von im Schnitt zehn Prozent. Damit wachsen wir derzeit drei Mal so schnell als die Konjunktur in Österreich. Das hat zwei Gründe: Wir sind in wachstumsstarken Märkten tätig und bieten Technologien an, für die Bedarf besteht. Deshalb sind wir auch weiterhin zuversichtlich.

trend: Wo finden derzeit besonders viele Innovationen statt?
Mitterbauer: Im Automotive-Bereich trägt unsere Technik dazu bei, dass der Verbrennungsmotor sauberer wird und weniger CO2 ausstoßt. Ein weiterer Bereich ist die Elektrifizierung. So forschen, entwickeln und produzieren wir Lösungen für Hybrid-Antriebe und reine Elektroautos.

trend: Sie sind durch Übernahmen groß in den Bereich Industriegleitlager eingestiegen. Was versprechen Sie sich davon?
Mitterbauer: Die Keimzelle von Miba war die Produktion von Motorengleitlager. Dadurch sind wir nach dem zweiten Weltkrieg zu einem Industrieunternehmen aufgestiegen. Diese werden für Großmotoren wie etwa in Schwer-Lkw bis hin zu den großen Schiffsmotoren gebraucht. Industriegleitlager sind für uns da eine gute strategische Ergänzung. Diese werden in großen Gas- und Dampfturbinen verwendet und etwa für die Energieherstellung benötigt. Dort bietet sich auch noch Potential für Effizienzsteigerungen. Mit der Übernahme von drei Standorten in den USA und einen in Deutschland sind wir in diesem Bereich gut aufgestellt. Und es passt in unsere Strategie „Technologien für einen sauberen Planeten“.


Zuletzt gab es wesentliche Wachstumsschritte.

trend: War es das nach den Übernahmen oder planen Sie bereits weitere Zukäufe?
Mitterbauer: Vorerst sind keine größeren Zukäufe geplant. Das waren zuletzt schon wesentliche Wachstumsschritte, womit der Geschäftsbereich Gleitlager sich, bei einem Gesamtumsatz von knapp einer Milliarde Euro, auf rund 30 Prozent Umsatzanteil erhöhen wird.

trend: Wie geht bei Miba die Digitalisierung voran?
Mitterbauer: Wir haben ein Digital-Office zusammengestellt. Das sind beispielsweise Programmierer und Coder, also Fachleute, die Algorithmen verstehen. Sie unterstützen sämtliche Geschäftsbereiche und versorgen diese mit Digital-Know-how.

trend: Gibt es bereits konkrete Anwendungen?
Mitterbauer: In der Produktion laufen bereits Digitalisierungsprojekte. So werden Maschinen mit Sensoren oder Codes ausgestattet. Auf diese Weise werden Maschinen elektronisch miteinander verbunden. Ein Beispiel ist das Sintern. Dabei wird Pulver in eine Presse eingefüllt, dort wird es zunächst gepresst, dann geht es in einen Ofen, wo es gesintert, also gebacken wird. Durch digitales Know-how ist die Maschine in der Lage zu erkennen, ob zu viel oder zu wenig Pulver eingeführt wird. Bei Bedarf wird die Menge automatisch nachjustiert.
Zum anderen arbeiten wir daran, unsere Motorengleitlager mit Sensoren auszustatten, die Druck, Temperatur oder Vibration messen. Mit diesen bekommt der Anwender eine Rückmeldung, ob der Zustand des Lagers und des Motors innerhalb der Toleranzgrenze liegen, zu viel Hitze oder zu wenig Druck vorhanden ist. Lager- und Motorschäden werden so vermieden. Zudem werden Wartung oder Austausch der Gleitlager nur noch dann ausgeführt, wenn das wirklich nötig ist. Damit schaffen wir unseren Kunden zusätzlichen Mehrwert.

trend: Seit dem 1. September 2018 dürfen nur noch Automodelle angeboten werden, die den neuen Prüfzyklus WLTP durchlaufen haben. Viele Hersteller sind mit der Messung stark im Rückstand, weshalb viele Fahrzeuge nach wie vor nicht lieferbar sind. Wie sehr spüren Sie die sinkenden Absatzzahlen der Hersteller?
Mitterbauer: Wir haben durch den neuen Prüfzyklus ebenfalls einen Einbruch gespürt und das wird auf die Bestellungen von gewissen Herstellern auch in den nächsten Monaten noch Auswirkungen haben. Wir können diesen Umsatzeinbruch aber kompensieren und im Automotive-Bereich sogar überproportional wachsen, da wir aufgrund neuer von uns entwickelter Technologien viele neue Projekte gewonnen haben.

trend: Wie groß sind die Einbrüche?
Mitterbauer: Das hängt sehr vom Kunden ab. Bei einem Hersteller spüren wir die Absatz-Rückgänge maßgeblich. Bei anderen Kunden ist es deutlich weniger oder gar nicht zu spüren.


Die Nachfrage nach E-Mobilität wird steigen und wir rüsten uns dafür.

trend: Mit welchen neuen Projekten können Sie denn Rückgang kompensieren?
Mitterbauer: Bei konventionellen Antriebe etwa durch unsere Sinter-Technologie. Und durch neues Geschäft für Hybrid- und rein elektrische Antriebe. In unserer Sinter-Group haben wir Zahnräder für Motoren und Getriebe entwickelt, die weniger Geräusche als andere machen und weniger vibrieren als klassische Stahlräder, die normalerweise dafür verwendet werden. Dadurch können Autohersteller, die die neuen Vier- und vor allem Drei-Zylindermotoren entwickeln, mit unseren Sinterzahnrädern, das Gewicht reduzieren und trotzdem hohes Drehmoment und vergleichsweise viel PS mit kleinen Motoren realisieren. Mit einem konventionellen Zahnrad kommt es mit einem kleinen Motor im Verhältnis zur Größe des Autos zu unangenehmen Geräuschen, die man im Auto nicht hören möchte, wie aufheulen des Motors, rauschen und jaulen. Die Sintertechnologie wirkt da ähnlich einem Schwamm und dämpft diese Geräusche. Mit diesen Techniken gelingt es uns überproportional zu wachsen und andere Technologien abzulösen.

trend: Besonders stark werden Entwicklungen in E-Mobilität vorangetrieben. Auch Miba investiert in diesem Bereich. Ist das viel Aufwand für einen ungewissen Bedarf?
Mitterbauer: Die Nachfrage nach E-Mobilität wird steigen und wir rüsten uns dafür. Gerade entwickeln wir neue Produkte für Hybrid- und Elektroautos. Schon heute liefern wir Hochleistungswiderstände unserer steirischen Miba-Tochtergesellschaft EBG etwa an den chinesische Konzern BYD , den größten Elektroautohersteller der Welt, und an viele andere Anbieter. Unsere Technik wird für die optimale Steuerung der Elektromotoren und der Batterie eingesetzt. Derzeit sind wir zudem an mehreren Entwicklungsprojekte in diesem Bereich daran, die gute Chancen haben einmal in Serie zu gehen. Vielleicht erst in drei, fünf oder zehn Jahren. Aber sobald die Nachfrage anzieht, können wir auch bei großen Aufträgen punkten.

trend: Spüren Sie einen verstärkten Druck auf die Margen? So hat BMW kürzlich angekündigt, dass die Margen sinken und die Investitionen steigen. Auch andere Hersteller leiden. Wird der Druck an Miba weitergeben?
Mitterbauer: Der Druck von den großen Herstellern Kosten zu reduzieren und effizienter zu werden, war immer da. Wir müssen uns da immer wieder gegenüber unserem Wettbewerb bewähren.

trend: Ist der Margendruck in China, etwa wegen des guten Rückenwindes vom Staat, geringer als in Europa?
Mitterbauer: Auch dort gibt es viele Unternehmen, die nicht dem Staat gehören, die wie ein westliches Unternehmen geführt werden und wo ein hoher Innovationsdruck besteht. Was wir in China auch sehen, ist, dass mittlerweile die Firmen auch dort auf die neuesten Technologien setzen. Diese Entwicklung sehen wir seit rund fünf bis zehn Jahren.

trend: Die Wirtschaft in China verlangsamt sich. Spüren Sie das auch?
Mitterbauer: In den letzten ein, zwei Monaten spüren wir sehr wohl einen Rückgang bei den Auftragseingängen und auch bei den Umsätzen, sowohl bei Produkten für Autos als auch für Lkw. Das Wachstum des gesamten Automarktes geht zurück, selbst das in China ist erstmals leicht rückläufig. Teilweise um fünf bis acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das war in den letzten Jahren nie der Fall. Es war höchstens die Frage, ob das Wachstum bei 5, 10 oder 15 Prozent liegt oder doch etwas weniger.


Wir verdoppeln unsere Kapazitäten in China.

trend: Sie bauen trotzdem in China gerade zwei neue Werke. Stimmt Sie die neue Entwicklung mulmig?
Mitterbauer: Wir sind gerade dabei in China unsere Kapazitäten zu verdoppeln. 1.000 Mitarbeiter haben wir dort bereits, und werden auch bei der Anzahl der Mitarbeiter noch einmal deutlich wachsen. Mittel- und langfristig wird der Bedarf weiter steigen. Ich rechne jedoch damit, dass der Markt schwieriger werden wird als bisher und der Konkurrenzdruck steigt.

trend: Sie haben auch ein Werk in Indien. Wie ist das Wachstum im Vergleich zu China?
Mitterbauer: China wächst, was unser Unternehmen betrifft, wesentlich dynamischer als Indien.

trend: Die USA belegt derzeit viele Industrien mit Zöllen. Vor allem europäische Autohersteller geraten ins Visier des US-Präsidenten. Sehen Sie als großer Zulieferer europäischer Hersteller in den USA die Zukunft dort mit Bangen?
Mitterbauer: Nein, wir haben dort acht Produktionsstandorte und produzieren alles vor Ort. Aus amerikanischer Sicht sind wir daher ein inländischer Anbieter. Strafzölle wirken sich deshalb unmittelbar nicht auf uns aus. Wir investieren in den USA weiter und planen etwa, unsere eigene Ausbildung von Fachkräften vor Ort auszubauen – das haben wir auch schon in der Slowakei gemacht, dorthin haben wir das österreichische duale Ausbildungsmodell exportiert.

trend: Wie sehen Sie die Dieseldiskussion derzeit und das geplante Fahrverbote in mehreren großen deutschen Städten?
Mitterbauer: Bei CO2-Zielen die derzeit von der EU beschlossen werden, sollte man mit Bedacht vorgehen. Klimaschutz wollen wir zwar alle, aber es sollte auch ein ehrlicher Klimaschutz sein, der am Ende nicht auf Kosten von Arbeitsplätzen geht und zum Nachteil für den Wohlstand für Europa wird.

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