25 Jahre Test-Trickserei: Mitsubishi fällt bei Kunden durch

25 Jahre Test-Trickserei: Mitsubishi fällt bei Kunden durch

Noch im Amt, vielleicht schon bald weg: Mitsubishi-Chef Osamu Masuko

Das Geständnis, Testverfahren manipuliert zu haben, schlägt sich beim japanischen Konzern in den Auftragsbüchern nieder. Die Finanzlage sei derzeit solide. Doch es gibt wegen der nicht abschätzbaren Skandal-Folgen keine Prognose.

Tokio. Angesichts des Skandals um manipulierte Tests zum Spritverbrauch kehren immer mehr Kunden Mitsubishi den Rücken. Auf dem Heimatmarkt Japan hätten sich die Aufträge seit Bekanntwerden der Affäre vor einer Woche halbiert, teilte der Auto-Hersteller mit. Das gelte sowohl für die im Fokus stehenden Kleinwagen als auch für andere Modelle, sagte Vorstandsmitglied Tetsuro Aikawa.

Möglicherweise werde sich der Konzern an seine Geldgeber wenden, zu denen auch andere Firmen der Mitsubishi-Gruppe gehören. Die Finanzlage sei aber solide, weshalb dies im Moment nicht nötig sei.

Gleichwohl wagt Mitsubishi derzeit keine Geschäftsprognose. Der sonst übliche Ausblick auf das laufende Jahr soll nachgereicht werden, wenn die Folgen der Affäre abzusehen sind. Die regelwidrigen Messmethoden setzen Japans sechstgrößtem Autobauer wegen drohender Schadenersatzzahlungen und Strafen zu. Der Börsenwert des Konzerns (ISIN JP3898400001) hat sich zuletzt halbiert.

Sieben Monate nach Bekanntwerden des Abgasskandals bei Volkswagen hatte Mitsubishi Tricks bei Tests zum Treibstoffverbrauch eingeräumt. Es geht um 625.000 Kleinwagen für den japanischen Markt, die meisten davon wurden für Nissan gebaut. Diese Woche schob der Konzern hinterher, bereits seit 25 Jahren getrickst zu haben. Medienberichten zufolge erwägt Mitsubishi-Chef Osamu Masuko deshalb den Rücktritt.

US-Tests in Japan

Mitsubishi hat nach eigenen Angaben den Benzinverbrauch nicht nach japanischen Vorschriften, sondern nach US-Standards getestet. Damit machte sich der Konzern zunutze, dass bei US-Tests der niedrigere Verbrauch auf Autobahnen ausgewiesen werden darf, während in Japan Werte aus dem Stadtverkehr gemeldet werden müssen. Neben den japanischen Behörden gehen nun auch deren US-Kollegen den Enthüllungen nach.

Ob der Autobauer bei Bedarf Unterstützung aus der eigenen Unternehmensgruppe erhält, ist offen. Reuters hatte zuletzt aus Firmenkreisen erfahren, dass Anteilseigner aus der Mitsubishi-Gruppe wegen eigener finanzieller Probleme wenig Bereitschaft zur Hilfe zeigen.

Vor 15 Jahren wurde Mitsubishi Motors bereits durchgeschüttelt, als der Autobauer einräumen musste, mehr als zwei Jahrzehnte lang systematisch Kundenbeschwerden vertuscht zu haben. Einige Jahre später erlitten die Japaner einen weiteren Rückschlag, weil die Lkw-Sparte zugab, Informationen über potenziell gefährliche Mängel verschleiert zu haben. Damals griffen andere Firmen der Mitsubishi-Gruppe dem Autobauer unter die Arme.

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